Bucherscheinung

Sams-Erfinder wird nicht müde: Neue Weihnachtsgeschichte

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Von dpa

So, 04. Dezember 2022 um 15:00 Uhr

Literatur & Vorträge

Der Kinderbuchautor Paul Maar beglückt mit seinen Büchern und Stücken seit vier Jahrzehnten die Kinder. Kurz vor seinem 85. Geburtstag hat er eine weihnachtliche Sams-Geschichte veröffentlicht.

Seinen warmen, mainfränkischen Dialekt aus Kindertagen hat Paul Maar auch in seinen bald 85 Jahren nicht abgelegt. Unermüdlich zeichnet er den Kindern, die ihm nach einer Lesung ihr "Sams"-Buch hinhalten, mit wenigen Strichen das unverkennbare Fabelwesen samt Autogramm auf die vordere Seite. Noch vor wenigen Wochen scharte der beliebte Autor auf der Frankfurter Buchmesse bei einer Lesung nicht nur junge Besucher um sich.

Dabei wird deutlich: Der freundliche Mann mit dem grauen Schnauzbart, den lachenden Augen und den Wuschelhaaren, die sich - genau wie seine fantastischen Ideen im Kopf darunter - kaum bändigen lassen, könnte durchaus seinen Sams-Werken entsprungen sein. Der schüchterne, weil vom Leben eingeschüchterte Herr Taschenbier zum Beispiel, ein scheuer Einzelgänger, der von seiner Vermieterin Frau Rotkohl ständig gemaßregelt und auch im Büro eher gemobbt wird. Bis das Sams, mit Pumucklfrisur, Schweinsrüssel und sommersprossenartigen Wunschpunkten auf der Nase, sein Leben gehörig durcheinanderwirbelt und letztlich zum Guten wendet.

Schwierige Kindheit des Autors

Paul Maar wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Doch der Autor, der schon seit fast vier Jahrzehnten junge Leseratten so nachhaltig begeistert mit seinen Theaterstücken, Illustrationen, Geschichten und Versen, hatte selbst alles andere als eine schöne Kindheit. Seine Mutter starb, als er fünf Jahre alt war. Sein Vater, Marinesoldat im Zweiten Weltkrieg, überließ die Erziehung Hausmädchen, bis er erneut heiratete.

Während der Kriegsgefangenschaft des Vaters zog Maar mit seiner Stiefmutter zu deren Eltern in die unterfränkische Provinz. Die Enge der Provinz bedrückte ihn. Dem "Heinrichsblatt", der Bamberger Bistumszeitung, antwortete Maar einmal auf die Frage, ob er als Kind religiös erzogen wurde: "Ich habe nicht so gute Erinnerungen an die katholische Erziehung durch meine Großmutter: Sie ging jeden Morgen um sechs Uhr in die Frühmesse, ich musste mit und jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen."

Ein Glücksfall für den kleinen Paul war sein Großvater. Er soll ein begnadeter Geschichtenerzähler gewesen sein, der als Wirt seine Gäste unterhielt. Seine Geschichten weiteten sich mit jedem neuen Vortrag aus. Er ermunterte seinen Enkel, selbstausgedachte Geschichten in einem Heft zu notieren. Das prägte den Schriftsteller in spe.

Doch dann kam der Vater zurück, und die Familie zog wieder nach Schweinfurt. Der blasse Paul wurde in der Schule gemobbt und flüchtete sich in eine Fantasiewelt. Seine Lektüre, die er sich in Leihbibliotheken besorgte, bunkerte er heimlich bei Freunden - sein Vater hatte für seine Leidenschaft wenig übrig.

Nach dem Abitur studierte Maar an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart Kunsterziehung. An seine Seite gesellte sich damals schon seine spätere Frau Nele Ballhaus, deren Bruder Michael Ballhaus zu einem der bedeutendsten Kameramänner der Welt wurde.

Die Familie Maar/Ballhaus betreibt heute in dritter Generation das Fränkische Theater Maßbach. Der ewigen Märchenstücke überdrüssig, animierte der dortige Intendant seinen Schwiegersohn, dessen Erstlingsstück "Der König in der Kiste" (1971) uraufzuführen. Maars zweites Stück "Kikerikiste" wurde zu einem Riesenerfolg, auch im Ausland. Heute gilt Maar als einer der meistgespielten deutschen Autoren. Seine fast 50 Werke - als Stückeschreiber, Autor und Illustrator - sind längst Klassiker geworden.

"Das Sams und die große Weihnachtssuche"

Fragt man ihn nach seinem Lieblingsbuch, sind es die zwei, die der eigenen Biografie am Nächsten stehen: "Kartoffelkäferzeiten" und "Lippels Traum", also die entbehrungsreichen Hungerjahre, die er als Kind erdulden musste, und der Ausweg des schüchternen Jungen Lippel. Denn der Vater von drei Kindern und drei Enkeln will es nicht missen, am Schreibtisch zu sitzen und den Moment zu genießen, "wo es läuft und läuft und die Figuren zu sprechen beginnen".

Sein jüngstes Werk - "Das Sams und die große Weihnachtssuche" - ist gerade erst erschienen. Eine launige Geschichte über Würstchenketten im Christbaum, Weihnachtslieder mit Saxofonbegleitung, jede Menge Geschenke und eine ganze Horde Samse.