Saisonfinale der Bundesliga

SC-Trainer Streich will "mit erhobenem Haupt" in Leverkusen antreten

René Kübler, Matthias Jung

Von René Kübler, Matthias Jung (dpa)

Do, 12. Mai 2022 um 17:03 Uhr

SC Freiburg

Nach dem 1:4 gegen Union Berlin will Trainer Streich mit dem SC Freiburg am letzten Bundesliga-Spieltag ein positives Erlebnis beim Tabellendritten Bayer Leverkusen einfahren - gleich aus mehreren Gründen.

Noch vor wenigen Wochen ist der SC Freiburg für seine stabile Defensive gelobt worden. Nach dem 30. Spieltag hatten die Breisgauer mit 34 noch die drittwenigsten Gegentore aller Fußball-Bundesligisten. Die Defensive um Nico Schlotterbeck, Christian Günter, Philipp Lienhart und Mark Flekken – allesamt Nationalspieler – galt als eine der sichersten.

Doch nach zehn Gegentoren gegen Borussia Mönchengladbach (3:3), beim Sieg in Hoffenheim (4:3) und der Heimniederlage gegen Union Berlin (1:4) hat sich dieser Eindruck gewandelt.

Inakzeptables Defensivverhalten

Nicht nur deshalb hat Christian Streich die 1:4-Niederlage des SC Freiburg zuletzt gegen Union Berlin noch immer nicht losgelassen. Das Defensivverhalten gegen Berlin sei "inakzeptabel" gewesen, meinte Streich direkt nach der Partie. Zwar hat das Videostudium im Nachgang auch Positives zu Tage gefördert. Aber da waren neben einigen aus Sicht des Trainers strittigen Schiedsrichterentscheidungen auch Fehler seines Teams zu beklagen. "Wir haben nicht gut genug verteidigt", befand Streich beispielsweise. Und auch einige Einzelleistungen bewertete er als unzureichend.

Beispielsweise jene von Jonathan Schmid, der nach seiner Einwechslung in den Augen seines Coaches zu wenig Energie auf den Platz gebracht hatte. "Von ihm als erfahrenem Spieler erwarte ich ein anderes Auftreten. Denn die jungen Spieler schauen auf ihn", stellte Streich klar. Ungewöhnlich deutliche Worte, die der Freiburger Fußballlehrer aber nur öffentlich äußerte, weil er das mit Schmid bereits intern ausführlich besprochen habe. "Dann kann ich das ja auch hier sagen."

Negativerlebnis vermeiden

Eine Ansage, die wohl aber auch für das ganze Team gelten dürfte. Beim letzten Bundesligaspiel in dieser Saison bei Bayer Leverkusen wolle man nämlich ein anderes Gesicht zeigen. Vor dem Spiel am Samstag beim Tabellendritten und sicheren Champions-League-Teilnehmer ließ Streich seine Profis im Training üben, den Gegner wieder besser zu kontrollieren. Um das Timing beim Anlaufen ging es, darum, auf die Abstände zu achten oder bei Ballbesitz auf die Restverteidigung.
"Wir haben eine richtig gute Saison gespielt. Die wollen wir nun auch mit einem richtig guten Spiel beenden." Christian Streich
Denn Streich will verhindern, dass seine Elf in Leverkusen einen weiteren Nackenschlag kassiert und danach mit einem Negativerlebnis zum DFB-Pokalfinale am 21. Mai gegen RB Leipzig fährt. "Es geht auch darum, dass Du mit einem positiven Gefühl und positiver Energie in ein weiteres Highlight gehst eine Woche später in Berlin."

Tolle Saison krönen

Streich war anzumerken, dass ihn die wahrscheinlich verpasste Chance auf die Champions League wurmt. Dennoch will er die Freiburger Spielweise nicht ändern. "Wir versuchen, Fußball zu spielen und auch mit Risiko Fußball zu spielen." Auch wenn er die Defensive kritisiert hat und wieder mehr von ihr erwartet als gegen Union: An der grundsätzlich offensiven Ausrichtung soll sich nichts ändern. "Wir haben eine richtig gute Saison gespielt", betonte Streich: "Die wollen wir nun auch mit einem richtig guten Spiel beenden."
"Endspiele verlieren ist scheiße, Endspiele gewinnen ist super." Christian Streich
In Leverkusen soll sein Team, das außer dem weiter angeschlagenen Offensivspieler Kevin Schade in Bestbesetzung antritt, "mit erhobenem Haupt und mit dem Glauben an sich selbst ins Spiel gehen", sagte Streich. Denn ein gutes Ergebnis wäre mental auch besser für die Vorbereitung auf den Pokal. "Wir können wahnsinnig viel gewinnen und wahnsinnig viel verlieren", sagte Streich zum Leverkusen-Spiel. Es gehe dort und im Pokalendspiel um "total viel. Mehr geht nicht." Zudem wollten er und seine Spieler noch mal "zeigen, dass wir absolut verdient dort stehen, wo wir jetzt sind". Zum Pokalspiel schloss der 56-Jährige: "Endspiele verlieren ist scheiße, Endspiele gewinnen ist super."