Früh übt sich

"Schach sorgt dafür, dass die Kinder runterkommen"

Juliana Eiland-Jung

Von Juliana Eiland-Jung

Di, 16. Juli 2019 um 11:27 Uhr

Lahr

Mehr als 40 Kinder lernen in der Lahrer Tagesstätte in der Alleestraße, wie Schach funktioniert. Wer gewinnt, bekommt einen Glitzerstein. Die BZ hat bei der Übungsstunde vorbeigeschaut.

Fünf- bis siebenjährige Kinder, die Schach spielen? Die eine Stunde lang mehr oder weniger stillsitzen, sich nicht streiten. Nicht hänseln, wenn der eine verliert, nicht überheblich werden, wenn sie mehrfach gewinnen? Beim ersten Lahrer Schachturnier für Kinder ab fünf Jahren kommt man als erwachsene Zuschauerin aus dem Staunen nicht heraus.

Es wird Bauernschach gespielt

Im Untergeschoss der Kindertagesstätte in der Alleestraße gibt es einen großen Bewegungsraum, in dem an diesem Montagmorgen ausnahmsweise alle – fast – stillsitzen. Der Schachclub Lahr, vertreten durch Manfred Nees, ist mit im Boot, die Initiative "Lahr spielt Schach" und vor allem Bernd Emmelmann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder ans Schachspielen heranzuführen. Ein richtiges Turnier mit Siegern und Verlierern spielen die mehr als 40 Kinder natürlich nicht, sondern es wird Bauernschach gespielt, nach der Uhr. Nach etwas mehr als fünf Minuten wird das Spiel beendet. Wer gewonnen hat, bekommt einen Bonuspunkt in Form eines bunten Glitzersteins.

"Ist nur Plastik", ruft einer etwas vorlaut dazwischen. "Nein, echt wertvolles Glas", beharrt Bernd Emmelmann schmunzelnd. Immer wieder werden die Plätze getauscht, und es geht gegen einen neuen Gegner oder eine Gegnerin weiter. "Was machen wir, wenn ich Stopp sage?", fragt Emmelmann in die Runde. "Hände auf die Schenkel und ruhig sein", schallt es zurück. Und es klappt, fast immer.

Achtung und Respekt stehen im Vordergrund

"Das Schachspielen sorgt dafür, dass die Kinder mal runterkommen. Dass sie merken: Wenn ich verliere, bin ich alleine schuld, und niemand anderes", nennt Emmelmann unter anderem als positive Lerneffekte beim Schach. Sich mit Achtung und Respekt zu begegnen und das logische Denken zu schulen, sind weitere Pluspunkte. Und Spaß muss es machen, weswegen auch nur mit den Bauern gespielt wird. "Sich gegenseitig rauswerfen" ist das Hauptziel. Wer am Ende die meisten Bauern im Spiel hat, hat gewonnen. Einfache Regel, kurzes Spiel, aber doch nicht ganz so simpel. Denn die Bauern dürfen im ersten Zug zwei Felder gehen, nachher nur eines, und zwar gerade. Schlagen können sie aber nur schräg, so dass vielfältige Strategien möglich sind.

Die Kinder aus den Kindergärten St. Peter und Paul, Am Schießrain, Arche Noah, Alleestraße und der Grundschul-Förderklasse der Luisenschule sind mit Feuereifer dabei, die Erzieher und Erzieherinnen, von denen einige mit den Kindern das Schachspiel erst erlernen, freuen sich über die schöne Begegnung der jungen Schachfans.