Schauspielgruppe ist auf der Suche nach Alternativen

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Mi, 07. Oktober 2020

Bötzingen

Das Bötzinger Boulevardtheater Zungenschlag trotzt der Corona-Pandemie und schmiedet Pläne für das kommende Jahr .

. Die Bötzinger Theatergruppe Zungenschlag will ihr für dieses Jahr einstudiertes Theaterstück 2021 aufführen. Da die Pandemie die diesjährige Saison platzen ließ, plant die Theatergruppe, das Stück "Currywurst und Pommes" im nächsten Sommer aufzuführen, gegebenenfalls als Freilufttheater.

Die Theatergruppe ist Anfang der 80er Jahre aus einem Schauspielkurs des Volksbildungswerkes Bötzingen hervorgegangen. Immer Mitte März heißt es seitdem "Vorhang auf!" für das neue Stück der Truppe in der Festhalle. Für den 14. März 2020 war die Premiere von "Currywurst mit Pommes" geplant. Doch zwei Tage vorher mussten diese und die weiteren Aufführungen schweren Herzens abgesagt werden. "Das Risiko war uns zu groß. Einen Tag später wurden dann alle Veranstaltungen offiziell abgesagt", blickt Gründungsmitglied und Regisseur Holger Geppert zurück. Auch die Hoffnung, im Herbst in der Halle spielen zu können, hat sich zerschlagen. Taten- oder gar mutlos ist man allerdings nicht beim Amateurtheater, sondern auf der Suche nach coronakonformen Alternativen.

Dabei wäre es gerade in diesem Jahr eine besondere Aufführung geworden. Aufgrund des Historienspiels zum Ortsjubiläum im Jahre 2019, an dem auch Akteure von Zungenschlag mitwirkten, durfte sich das Boulevardtheater über einen regelrechten Ansturm neuer Mitglieder freuen. 14 Neuzugänge konnte man verzeichnen. Für die neue Aufführung waren 30 Beteiligte geplant, stolze 23 davon allein auf der Bühne. "Gerade bei den Neuen war die Enttäuschung groß", sagt Geppert. Insgesamt habe die Truppe die Absage "mit Galgenhumor" hingenommen.

Den brauchte es auch, denn hinter dem, was auf der Bühne locker und spielerisch daherkommt, steckt ungeheuer viel Arbeit. "Die Vorbereitung dauert ein knappes Jahr – von der Stückauswahl bis zur Premiere", so der Regisseur. Rund 30 Mal hatte man sich auch für "Currywurst mit Pommes" getroffen, um Mitte März fit zu sein. Dann kam das Aus.

Die große Kunst bestand nun darin, die Darsteller quasi "auf Spannung" zu halten, denn zunächst war man bei Zungenschlag davon ausgegangen, im Herbst in der Festhalle das Stück aufführen zu können. Doch daraus wird nichts. Das Problem bei den Corona-Auflagen seien die Regeln, die für die Darsteller gelten, sagt Geppert. "Unser größtes Hindernis ist, dass wir auch auf, vor und hinter der Bühne bei Aufführungen und Proben anderthalb Meter Abstand halten müssen. Das führt dazu, dass jeder Spieler auf der Bühne rund zehn Quadratmeter Platz braucht, ebenso in der Umkleide und der Maske." Dies sei nicht umsetzbar. "Wir wollen solche Regeln einhalten, auch wenn sie manchmal nur schwer nachvollziehbar sind, wenn man das mit anderen Bereichen vergleicht. Amateursport mit Körperkontakt beispielsweise ist wieder möglich. Wir dürften mit 20 Leuten auf der Bühne kicken, aber schauspielern geht nicht", bedauert Geppert.

Im Sommer traf sich das Ensemble auf dem Schulhof und fing an, über Alternativen nachzudenken. Die lauten ganz klar: weniger Darsteller und draußen spielen. Praktisch, dass man mit dem Stück "Zwei wie Bonnie und Clyde" ein Zwei-Personen-Stück im Repertoire und mit dem Bötzinger "Familienstall" eine Freiluft-Location in der Hinterhand hat. Am letzten Septemberwochenende wurde gespielt, trotz fast winterlicher Temperaturen. Die Karten waren bereits Wochen zuvor ausverkauft. "Ein Beleg dafür, dass die Menschen tatsächlich auf Kulturentzug waren, und es einiges nachzuholen gibt", freut sich Geppert. "Diese Erfahrungen werden wir in unsere Planungen einfließen lassen." Falls sich ein passender Ort finde, könne man sich vorstellen, 2021 auch das "große Stück" im Freien aufzuführen, dann jedoch im Sommer.