SCHNOOGELOCH: Am Fenster

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 23. Mai 2020

Schwanau

Endlich mal nicht mühsam telefonieren, sondern die Mutter in echt sehen und hören – wenigstens durch das Fenster der Einrichtung hindurch und auf drei Rollstuhllängen Distanz. Das ist ja wie im Zoo, scherzt die Tochter durch die Gitterstäbe des extra aufgestellten Bauzauns hindurch, der die Gäste vom Fenster fernhalten soll. Fehlt nur noch ein Schild "Bitte nicht füttern". "Nei, des fehlt nit", meint die Mutter. "Mer muess jo nit jede Tag so viel fresse." Aber dann überlegt sie. "Usser de hesch mer e Schleckiis mitbroocht." Statt Eis gibt’s aber andere Leckereien für das liebe Muttertier. Was für eins ist sie wohl? "E Rindvieh!", sagt die Mutter ohne eine Sekunde des Zögerns und setzt gleich nach: "E alti Kueh uf jede Fall." Da kommt eine Pflegerin und erinnert die Tochter an das Tragen eines Mundschutzes. Mutters zoologische Antwort: "So witt spaut si nit – si isch doch kei Lama."