SCHNOOGELOCH: Coronafrisur

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 09. Mai 2020

Schwanau

Die Tochter kann so laut rufen, wie sie will – die Mutter hört sie nicht gut, weil sie im Bett den Telefonhörer schief hält. Sie schnauft in die Sprechmuschel und murmelt: "Vun ganz wit weg meint mer, dass ebbs brummelt." Die Mutter legt auf. "Hättsch halt lutter gschwätzt", sagt sie später, als sich die Tochter beschwert. Aber jetzt steht die Leitung und sie erläutern, wie die Frisur der Tochter frisch nach der Zwangspause aussieht. Kürzer als sonst seien die Haare, sagt die Tochter. Die Mutter meint sehnsüchtig: "Ich wott d Hoor au gern hunte han." Mittlerweile sehe sie nämlich aus wie dieser eine Virenforscher "mit denne längere Kruselihoor", der jetzt immer im Fernsehen kommt. Bei Männern und bei ihr selbst findet sie ganz kurz halt einfach am besten. So wie beim Landesvater mit seinem "Igel". Ihre Haartracht erinnere sie dagegen zur Zeit eher an ein Schaf: "So e dicki Wull uf em Schädel gheert eifach gschert!"