Einweihung

Schopfheim bekommt ein Sternchenfeld für ungeboren verstorbene Kinder

Hans-Jürgen Hege

Von Hans-Jürgen Hege

Mi, 16. September 2020 um 18:03 Uhr

Schopfheim

Auf dem Schopfheimer Friedhof können nun auch ungeboren verstorbene Kinder in würdevollem Rahmen bestattet werden. Das Projekt ist auf Betreiben des Arbeitskreises Friedhof entstanden.

"Fern bei den Sternen und doch so nah" – bestattet und betrauert werden können nun auch auf dem Friedhof der Markgrafenstadt kleinste Kinder, die den letzten Schritt ins Leben nicht geschafft haben. Mit dem ausdrücklichen Segen des Gemeinderates und des Bürgermeisters und auf Betreiben des 2014 gegründeten Arbeitskreises Friedhof entstand in den Monaten März bis Juli mittendrin zwischen den vielen Gräbern eine rund 100 Quadratmeter große, umzäunte Oase der Ruhe und der Besinnung: das "Sternchenfeld".

Am Mittwoch wurde das Feld offiziell eingeweiht. Jürgen Sänger, Jürgen Schmid und Fabienne Haumesser von der Stadtverwaltung stellten vor, was aus der von Bürgermeister Dirk Harscher hochgelobten "tollen Idee" des Arbeitskreises geworden ist. Umrahmt von Rosenhecken, die als Sichtschutz dienen sollen, bekommen Eltern ab sofort Gelegenheit, Fehlgeburten unter 500 Gramm unter einem Baum in einer kleinen, sternförmigen Wiese zu bestatten, ohne besondere Vorschriften beachten zu müssen. Auf einem Grünstreifen rundum dürfen, so Fabienne Haumesser, Fehlgeburten mit einem Gewicht von mehr als 500 Gramm auf die gleiche Art und Weise beigesetzt werden, ohne an irgendwelche gestalterischen Einschränkungen oder Auflagen gebunden zu sein.

Wolken und Sterne zieren Gedenksäule

Und es verstehe sich von selbst: "In allen Fällen kostenlos", wie Jürgen Sänger versicherte. Eine Gebühr werde lediglich dann fällig, wenn Eltern den Namen ihres Kindes in kleine Wolken und Sterne gemeißelt bekommen möchten, die auf der Gedenksäule in der Mitte zischen den vier aufgestellten Sitzbänken angebracht sind, ergänzte Sängers Mitarbeiterin Fabienne Haumesser, an die sich Interessenten übrigens auch wenden können, wenn sie das Sternchenfeld in Anspruch nehmen wollen oder müssen.

2014 bereits habe der Arbeitskreis Friedhof unter Federführung der sachkundigen Bürger Dieter Leppert und Klaus Strütt die Anlage des Sternchenfeldes angeregt. Es habe zwar von allen Seiten Zustimmung gegeben. Aber die Ausführung verzögerte sich, weil der Arbeitskreis noch andere Baustellen im Bereich der Friedhöfe abzuarbeiten hatte. Wie beispielsweise die am Friedhof in Fahrnau, der nach Abschluss der Sanierung ein richtiges Prachtstück geworden sei und seit Fertigstellung viel Lob von allen Seiten erntete.

Trauernde vom "Präsentierteller" wegrücken

Ursprünglich, so Fachbereichsleiter Jürgen Sänger, habe man die "Sternchen" in einem ganz anderen Bereich des Friedhofs in Schopfheim unterbringen wollen. Im Oktober 2019 aber nahm sich der für die Friedhöfe zuständige Jürgen Schmid die Planung noch einmal vor und stellte das Ergebnis seiner Überlegungen, in deren Mittelpunkt das Bemühen stand, die trauernden Menschen "vom Präsentierteller wegzurücken und ihnen einen wesentlich anonymeren Platz, um in Ruhe zu trauern" anzubieten, der Verwaltung und den Entscheidungsträgern vor.

Auch die kamen wie Schmid zur An- und Einsicht, dass der Tod eines Kindes "halt doch etwas anderes ist, als wenn die Oma stirbt". Und sie beschlossen gemeinsam, Jürgen Schmids Plan in die Tat umzusetzen.