Stegen

Schüler des Kollegs St. Sebastian führen "Lian und die Nachtigall" auf

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 15. April 2019 um 10:41 Uhr

Stegen

Das Singspiel "Lian und die Nachtigall" spielt am Hof eines chinesischen Kaisers. 160 Mitwirkende haben es als Musical auf die Bühne des Kolleg St. Sebastian gebracht.

160 Mitwirkende haben am Kolleg St. Sebastian in Stegen ein Musical auf die Bühne gebracht. Durch das Zusammenwirken von Chören, Orchester, Musik-Klassen, Solisten, Technik- und Gestaltungs-AG sowie vielen Kostüm- und Maskenbildnern aus Schule und Elternschaft, ist unter der Regie von Marlies Ortlieb und der musikalischen Leitung von Konstanze Ruttloff ein großer Wurf gelungen.

Bei dem Singspiel "Lian und die Nachtigall" orientierten sich die Autoren Veronika te Reh (Libretto) und Wolfgang König (Musik) an einem Märchen von Hans Christian Andersen. Die Handlung spielt am Hofe des chinesischen Kaisers Quing Chiang. Er hat seinen Hofstaat straff durchorganisiert, verlangt widerspruchslosen Gehorsam, liebt die Musik und vor allem seinen prächtigen Garten. Dort singt des Nachts beim Schein des Mondes eine Nachtigall ihre betörenden Weisen. Das Küchenmädchen Lian hat dies bemerkt und zwischen Nachtigall und Lian entwickelt sich eine Freundschaft, die sich auf der Bühne in ergreifenden und anspruchsvollen Gesangsduetten niederschlägt.

Der Kaiser erfährt davon, fragt Lian zunächst nur "habe ich ihn schon gegessen?", wird aber immer neugieriger und will den Gesang ebenfalls hören. Er beauftragt seinen Vogelfänger, die Nachtigall zu fangen und sie in einen goldenen Käfig zu sperren. Dies erweist sich als erfolglos. Die weiche Seite des Herrschers wünscht sich das Gesangserlebnis so sehr, dass er in einen Melancholiezustand fällt, seine Staatsgeschäfte vernachlässigt und nur noch nachts im Garten auf den wundersamen Vogel wartet. Schließlich bedrängt er Lian, die Nachtigall zu bitten, für ihn zu singen. Lian tut dies, teilt ihm aber die Bedingung der Nachtigall mit, nur in Freiheit singen zu wollen. Der Kaiser überredet Lian, die gefiederte Sängerin in den Goldkäfig zu locken – gegen die Zusicherung, die Tür nicht zu verschließen, damit die Nachtigall jederzeit heraus kann. Dies geschieht und der Kaiser verbringt die Nächte fortan im Garten. Seine Schwester jedoch, die am Hof vor allem rauschende Feste feiern möchte und, durch die Verzauberung ihres Bruders, zunehmend dessen Geschäfte wahrnehmen muss, verschließt den Käfig und der Gesang der Nachtigall verstummt.

Das Stück thematisiert auch soziale Ungleichheit

Der Chor der Blumen seines Gartens verrät ihm die Intrige, der Kaiser schließt den Käfig wieder auf, aber die Nachtigall fliegt davon. Quing Chiang verfällt in Schwermut. Da sendet ihm die Kaiserin eines Nachbarlandes einen mechanischen Musikapparat in Form einer Nachtigall, dem man durch Aufziehen der Feder wunderschöne Melodien entlocken kann. Doch mit dieser Fälschung aus der Retorte kann der Kaiser nichts anfangen. Lian spricht zu ihm den bedeutungsschweren Satz: "Was du liebst, lass frei. Kehrt es zu dir zurück, gehört es dir für immer." Er singt nun selbst nachts im Garten, um die Nachtigall anzulocken, und erhält tatsächlich Antwort.

Aber auch Lian ist im Garten und ihr Gesang vermischt sich mit dem der anderen und es wird schließlich klar, dass sich zwischen dem Kaiser und ihr mehr als ein Dienstverhältnis anbahnt.

In der märchenhaften Geschichte steckt jede Menge Tiefgang. Macht und Herrschaft reichen offenbar nicht aus für ein gelingendes Leben. Soziale Ungleichheit, verkörpert in der Beziehung zwischen Quing Chiang und Lian, kann zum Wohle aller überwunden werden und gedeihliches Tun benötigt die Freiheit des Einzelnen. Schließlich tritt die Unzulänglichkeit künstlicher Apparate, so komplex sie auch konstruiert sein mögen, im Vergleich zu selbstbestimmten menschlichen Beziehungen deutlich zu Tage. Allesamt aktuelle Themen, auch und gerade für Jugendliche.

Hohe Anforderungen an die jungen Musiker

Die musikalischen Anforderungen des Musicals, sowohl orchestral wie auch gesanglich, waren nicht zuletzt wegen der für unsere Hörgewohnheiten eher fremd wirkenden Melodieführungen sehr anspruchsvoll und die chorischen Parts und Soli hatten es in sich. Der aufwendige, farbenprächtige Kostümreigen, das durchdachte Bühnenbild, die Choreografien des Blumenchors und der Gruppierungen des kaiserlichen Hofstaats und nicht zuletzt die darstellerischen Einzelleistungen in den Hauptrollen bescherten einen Schultheater-Abend vom Feinsten. Aus diesem komplexen Gemeinschaftswerk Einzelne herauszuheben, verbietet sich, zumal die meisten Rollen bei den beiden Aufführungen doppelt besetzt waren.

Nach der zweiten Aufführung gab es noch einen Akt voller Wehmut. Marlies Ortlieb, Lehrerin und Regisseurin vieler Schultheater-Aufführungen, verlässt nach 42 Jahren das Kolleg und tritt in den Ruhestand. Sie wurde von den Schülern, Kollegen und Eltern herzlich und bewegend verabschiedet.