Schüler fragen, Politiker antworten

Carola Bruhier

Von Carola Bruhier

Do, 27. Februar 2020

Offenburg

Wie optimiert man die Achse Europas ? Schüler des Grimmelshausen-Gymnasium treffen deutsch-französische Parlamentarier.

STRASSBURG/OFFENBURG. Schülerinnen und Schüler im bilingualen Zug des Grimmelshausen Gymnasiums Offenburg haben die deutsche Seite vertreten, bei einem Austausch mit Abgeordneten der deutsch-französischen parlamentarischen Versammlung in Straßburg.

Diese wurde letztes Jahr gegründet und kam Anfang Februar zum dritten Mal zusammen, nach Paris und Berlin nun in Straßburg. Sie besteht aus 100 Mitgliedern – 50 Abgeordnete aus den Fraktionen des Deutschen Bundestages und 50 Abgeordnete aus den Fraktionen der französischen Nationalversammlung. Die meisten davon kommen aus der Grenzregion, also auch Elsass und Ortenau. Ziel ist, so ist es in der Einladung zu lesen, "Vorschläge zu sammeln, zu Fragen, die mit den deutsch-französischen Beziehungen verbunden sind, um eine Annäherung zwischen dem französischen und dem deutschen Recht zu erreichen. "

In den Räumlichkeiten des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE trafen neun Schülerinnen und Schüler aus Offenburg, die das in beiden Ländern gültige "Abi-Bac" erwerben, 16 Abi-Bac-Schüler des Straßburger Lycée Marcel-Rudloff und Studierende in verschiedenen deutsch-französischen Studiengängen des European Campus Eucor auf einige der Abgeordneten. An fünf runden Tischen konnten sich die jungen Menschen zu Themen wie Erziehung und Bildung, Umweltschutz, Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung, Europäische Union und Soziales in beiden Staaten mit den Politikern beider Länder austauschen.

Sylvain Wasermann ist französischer Abgeordneter aus Straßburg und Vize Präsident der parlamentarischen Versammlung. Er beantwortet Fragen am Tisch zum Thema Verteidigung und Sicherheit. Mit am Tisch sitzt Katja Keul, Bundestagsabgeordnete der Grünen. Das Dilemma zwischen höherem Sicherheitsbedarf durch zunehmende Konflikte und Terrorismus bei gleichzeitigem Wunsch zur Entmilitarisierung und Abrüstung bringt Wasermann etwas überspitzt auf den Punkt: "Was macht man eigentlich, wenn man Gaddafi weggebombt hat?" Keul macht die Position ihrer Partei deutlich: Kein militärischer Einsatz ohne UN-Mandat. Nach einem Besuch im Krisengebiet Mali fordert sie Sprachunterricht für die deutschen und französischen Soldaten, die oft nur auf Englisch miteinander kommunizieren. Nicht mehr Ausgaben für Waffen, sondern effizient genutzte militärische Mittel, im Tausch und in gemeinsamer Nutzung sieht Keul für die Zukunft.

Der 16-jährige Louis-Paul Thenet aus Straßburg stellt Fragen zu den technischen Entwicklungen in der Rüstungsindustrie, auch nukleare Aufrüstung ist ein Thema, sowie die Möglichkeiten einer deutsch-französischen Armee. Dass Sicherheit und Verteidigung hochkomplexe Themen sind und in beiden Ländern unterschiedlich behandelt werden, wird an diesem Tisch deutlich.

Die Jugendlichen wechseln kurze Zeit später an den Nachbartisch, wo Matthias Birkwald Abgeordneter der Partei Die Linke Fragen zu sozialen Themen beantwortet. Er sieht Frankreich in vielen Bereichen des Sozialen als Vorbild, sowohl in der Rentenpolitik, als auch bei der Arbeitszeitverkürzung. Auf die Frage einer jungen Studierenden nach der Verbesserung des Stadt-Land-Gefälles bei der Arbeitslosigkeit, fordert er mehr Digitalisierung und Investitionen in Verkehrsinfrastruktur und mehr Förderprogramme für den ländlichen Raum.

Was macht man, wenn man Gaddafi weggebombt hat?

Die meiste Redezeit liegt an allen Tischen bei den Abgeordneten, die sich interessiert und offen den Fragen der jungen Menschen stellen. Der Wechsel zwischen beiden Sprachen ist bei allen Anwesenden recht flüssig. Sprache ist das große Thema auch an den anderen Tischen, vor allem beim Thema Bildung. "Es ist wichtig, dass die Menschen miteinander reden können", meint eine ältere Abgeordnete, die aus dem Département Ardèche in Südfrankreich angereist ist. Abschließend präsentieren die Schülerinnen, Schüler und Studierenden die Themen, wie sie an den jeweiligen Thementischen zusammengetragen wurden. Auch Carla Isen und Leo Müller aus Offenburg stehen vorne am Mikrofon und stellen vor. Sie fanden es interessant, die Sichtweise ganz unterschiedlicher Politiker zu hören, auf Themen, die sie vorher mit ihren Geschichts- und Französischlehrern recherchiert hatten.

Auch die Rolle der Medien wurde erlebbar, wurde doch der einen oder anderen Schülerin ein Mikrofon von Funk und Fernsehen für ein Kurzinterview vorgehalten. Der französische Abgeordneten Thierry Michels bedankte sich bei allen Beteiligten, ihm ist die Initiative zu verdanken, in Straßburg Jugendliche und junge Erwachsene in die politische Debatte zu Europa-Themen mit einzubinden.