Friesenheim/Kehl

Schulweg für Schüler mit Behinderung wird kürzer

Wolfgang Beck

Von Wolfgang Beck

Mi, 11. September 2019 um 12:01 Uhr

Friesenheim

Drei Schüler mit Behinderung aus Friesenheim und Oberweier nutzen ab sofort einen Klassenraum in der Friesenheimer Schule

Zwischen dem Bildungszentrum Friesenheim und dem Oberlin-Schulverbund in Kehl-Kork gibt es zum neuen Schuljahr eine Kooperationsvereinbarung. Schüler mit Behinderung aus Friesenheim und Umgebung müssen nun nicht mehr nach Kehl-Kork, sondern können die Real- und Werkrealschule besuchen.

Der Oberlin-Schulverbund, mit dem die Kooperation stattfindet, ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), kümmert sich um den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung und befindet sich in Trägerschaft der Diakonie Kork. Die Schulleiterinnen Bettina Maria Herr vom SBBZ in Kehl-Kork und Angelika Philipzen von der Real- und Werkrealschule Friesenheim stellten am Montag in Anwesenheit von Bürgermeister Erik Weide die neue Kooperationsform für das Schuljahr 2019/20 in Friesenheim vor.

Ziel ist die Einrichtung eines Klassenzimmers

Das Projekt startet ab Mittwoch für Schüler mit körperlicher Behinderung des SBBZ. Ziel sei die Einrichtung eines Klassenzimmers im Bildungszentrum in Friesenheim, in dem künftig die drei in Friesenheim wohnenden Jugendlichen mit körperlicher Behinderung von pädagogischen Kräften aus Kork unterrichtet und betreut werden. Bei dieser Zusammenarbeit gehe es nicht um die Schaffung einer Inklusionsklasse, sagte Philipzen, sondern um die Bereitstellung eines Klassenzimmers in der Schule in Friesenheim, die als "Außenstelle" des SBBZ diene, in der künftig der Unterricht des sonderpädagogischen Bildungszentrums ablaufe. Somit sei es möglich, dass die Schüler mit Behinderung – von denen zwei aus Friesenheim und einer aus Oberweier kommen – künftig den Schulweg nicht mehr täglich nach Kehl-Kork antreten müssten, sondern vom schuleigenen Personal des Oberlin-Schulverbands vor Ort unterrichtet würden. "Das passt zu unserem Schulprofil", sagte Philipzen über die Schule in Friesenheim, die als "Schule gegen Rassismus und Schule mit Courage" zertifiziert sei. Mehr noch: Die alltägliche Begegnung zwischen Jugendlichen mit und ohne Behinderung trage zu einem verstärkten Verständnis, zu Empathie und einem offenen Umgang miteinander bei.

Und auch Bettina Herr aus Kork blickte auf künftige Perspektiven: Somit können die Jugendlichen des SBBZ mit Jugendlichen aus ihrem direkten Lebensumfeld in Kontakt kommen. Die Schule selbst habe über den Gemeinderat die Voraussetzungen inklusiver Arbeit schon länger geschaffen, sagte Bürgermeister Weide. Dies seien behindertengerechte Toiletten und ein behindertengerechter Fahrstuhl im Schulhaus. Für die Überlassung des Klassenzimmers seien keine weiteren Baumaßnahmen nötig, ergänzte Weide, außerdem stamme das Mobiliar vom SBBZ selbst.

Offenburger Schulamt hat bereits zugestimmt

Die Intention sei, dass die Klassenstärke mit Kindern aus Friesenheim und der Umgebung ergänzt werde. Die kooperative Organisationsform, wie sie in der Vereinbarung besiegelt wurde, soll grundsätzlich von Schülerinnen und Schülern des SBBZ ab Klasse 5 besucht werden, deren Wohnort in Friesenheim und Umgebung lieg. Die Kinder unterschieden sich im Alter und dem Grad ihrer Beeinträchtigung, die Klassengröße könne variieren. Das Offenburger Schulamt hat der Vereinbarung bereits zugestimmt.
Das SBBZ

Das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) in Kehl-Kork mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung zählt aktuell mehr als 170 Schüler und rund 80 Lehrkräfte. Einzugsbereich ist der ganze Ortenaukreis und ein kleiner Teil des Elsass’. Träger ist die Diakonie in Kehl-Kork.