800 Jahre Schweighausen

Der Kohlemeiler liefert in 2 Wochen Holzkohle

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Mo, 13. Mai 2019 um 13:50 Uhr

Schuttertal

Mit einem Festakt ist die Tradition der Köhlerei wiederbelebt worden. Gut 200 Besucher pilgerten am Samstag zum Schauplatz am Waldrand unterhalb der Kniesteinkapelle.

Dort soll wie berichtet in den kommenden zwei Wochen Holzkohle entstehen, wie sie über Jahrhunderte auch in Schweighausen produziert worden war. Das Projekt ist einer der Höhepunkte der Festlichkeiten zur 800-Jahr-Feier: Kanonenschüsse, Alphornklänge und Blasmusik ließen Historie erwachen bei viel aufsteigendem Rauch.

Wie so vieles in alten Zeiten war die Gewinnung von Holzkohle ohne technische Hilfsmittel ein langwieriger und arbeitsaufwendiger Prozess. Doch die Menschen wussten sich zu helfen und entwickelten durchdachte und effektive Lösungen mit den gegebenen Möglichkeiten.

Das Handwerk der Köhlerei wiederzubeleben und original nachzustellen, war der Idee geschuldet, das Jubiläumsjahr im Bergdorf mit Tradition zu würdigen. Denn die Holzkohleherstellung mit Meilern war notwendig, um das Leben bestreiten zu können. Überlieferungen zufolge gab es das Handwerk in Schweighausen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, das bezeugt der Kohlewald am hinteren Geisberg. Und auch am Standort bei der Kniesteinkapelle wurden Überbleibsel von mehreren Kohlemeilern gefunden.

Auszubildende haben 30 Ster Buchenholz geschlagen

Die Idee für das Projekt hatten Kurt Weber und Achim Zehnle. Schließlich sollte sich das Vorhaben zu einer kollektiven Aufgabe entwickeln. Sie holten sich mit Lukas Sprich aus der Belchengmeinde Wieden einen Profi an ihre Seite, der die Schwarzwälder Tradition beherrscht und einmal im Jahr in seiner Heimat einen Kohlemeiler aufschichtet. Auszubildende der Waldservice Ortenau und der Forst BW schlugen rund 30 Ster Buchenholz ein, das Ende April kegelförmig zu einem Meiler aufgebaut worden ist.

Damian Göppert, der das Spektakel stellvertretend für den später eingetroffenen Bürgermeister Carsten Gabbert eröffnete, sprach von einer "zündenden Idee", die von einem Antriebsmoment bis zum jetzigen Tag gewachsen sei zu einem beeindruckenden Gemeinschaftsprojekt.

Die Zuschauer warteten gespannt auf den Moment, an dem der erste Rauch aus dem schwarzen Kegel aufsteigen sollte. Das Warten wurde noch aufregender mit den hallenden und ohrenbetäubenden Böllerschüssen, die neunmal abgefeuert wurden. Eine malerische Kulisse auf der Wiese oberhalb des Schauplatzes bildeten die Alphornbläser um Ludwig Göppert, die ihre Klänge in das Tal hinunter erschallen ließen. Und dem Festakt angemessen marschierte der Musikverein Schweighausen auf.

Wie bei einem Vulkan steigt immer mehr weißer Rauch auf

Währenddessen sollte die Glut die nötige Hitze und Konsistenz erreicht haben, um im Inneren des Kohlemeilers das Feuer zu entfachen. In einer großen Metallschaufel wurde sie über eine Leiter zur Öffnung auf dem Rauchdach getragen. Ähnlich einem Vulkan stieg immer mehr weißer Rauch in den Himmel und das hölzerne Kunstwerk, das mit sogenannter Lösche bedeckt ist, begann zu leben.

Nun gilt es, den Meiler in den kommenden zwei Wochen regelmäßig zu befeuchten, damit das Holz nicht in Brand gerät und bei 400 bis 600 Grad Celsius langsam zur Kohle schwelt. Um diesen Prozess zu begleiten, haben sich die Forstleute und Ruheständler Bernhard Schwörer und Matthias Striegel bereiterklärt, die Wasserverdampfung rund um die Uhr zu überwachen. Eine Unterkunft bietet ihnen ein alter Bauwagen. Das Prozedere dauert bis zum Samstag, 25. Mai. Nach dem Absacken der Kohle können die Besucher von 14 Uhr an Holzkohle kaufen.

Termin: heute, Montag, Projektvorstellung durch Lukas Sprich und die Köhler, ab 18 Uhr stündlich

Alle Texte zum 800. Dorfjubiläum Schweighausens gibt es im Online-Dossier unter http://www.badische-zeitung.de