Grenzüberschreitendes Projekt

Schwanau und Gerstheim treiben Brückenbau über den Rhein voran

Eri Sieberts

Von Eri Sieberts

Mi, 11. September 2019 um 17:45 Uhr

Ortenaukreis

Der Zweckverband Vis-à-vis unterzeichnet eine Absichtserklärung für den Brückenschlag zwischen Ottenheim und Gerstheim. Eine große Hürde sind die Kosten von geschätzt 16,8 Millionen Euro.

Mit ihrer Unterschrift haben die Bürgermeisterin von Gerstheim, der Bürgermeister von Schwanau sowie die beiden Vorsitzenden des Zweckverbands Vis-à-vis eine Absichtserklärung zum Brückenbau bekräftigt. Das Gremium, das tagte am Dienstagabend in Benfeld tagte, forciert damit das Projekt einer kurzen Verbindung über den Rhein zwischen Erstein und Lahr. Wären da nicht zu erwartende Kosten von 16,8 Millionen Euro netto sowie weitere Hürden, etwa die Koordinierung mit anderen Projekten, wie dem Integrierten Rheinprogramm (IRP), im Rahmen dessen seit etwa 30 Jahren Hochwasserrückhalteräume entlang des Rheins gebaut werden.

Vertreter der international agierenden Beratungsfirma Arcadis kamen im Auftrag des Zweckverbands Vis-à-vis in ihrer Machbarkeitsstudie für eine Bus-, Rad- und Fußgängerüberquerung, die den Autoverkehr außen vor lässt, zum Schluss: Die Brücke sei auf Höhe der Staustufe bei Gerstheim möglich. Untersucht wurden die bestehenden Straßen, Wege und Brücken, die Belange des Umweltschutzes sowie die Finanzierung für den Brückenbau.Damit würde sich die Fahrtzeit von Gerstheim nach Schwanau-Ottenheim von derzeit 16 Minuten für Busse und 28 Minuten für Fahrräder auf acht, beziehungsweise zehn Minuten verkürzen.

Autoverkehr soll weiterhin über die Straße am Rheindamm entlang über Schwanau-Nonnenweier fließen.

Um die bisherigen Verkehrswege für Bus-, Radverkehr und Fußgänger zu ertüchtigen, könnte an den bestehenden Brücken der Fußgängerweg sowie die Fahrbahnen bestehender Straßen verbreitert werden, so die Planer. Eine neu zu bauende Brücke, die 450 Meter überspannen müsste, wäre der größte Kostenfaktor mit knapp zwölf Millionen Euro. Laut Planungsbüro gibt es noch keine endgültigen Zahlen.

Arcadis hat im Auftrag des Zweckverbands diese erste Machbarkeitsstudie für knapp 45 000 Euro erstellt.

Die Planer wiesen auf erste Schwierigkeiten hin, etwa an der Stelle, wo sich das Brückenprojekt mit dem IRP berühren, so die Planer. Für die Bürgermeisterin von Gerstheim, Laurence Muller-Bronn ein Stein des Anstoßes in der Informationspolitik: "Warum wissen wir nichts von den Plänen des deutschen Regierungspräsidiums", fragte sie. Zusammen mit einem Kollegen forderte sie, alle relevanten Kriterien auf den Tisch zu legen, um die Planungen nicht zu verzögern oder gar wieder verwerfen zu müssen. Nach zehn Jahren Hü und Hott müsse jetzt klar sein, um was es geht.

Fünf Jahre sind für Planung und Bau der Brücke angesetzt

Die Vorsitzenden, OB Müller aus Lahr und sein Stellvertreter Bürgermeister Willer aus Erstein, versprachen umfassende Informationen. Außerdem wolle man eine/n Brückenbeauftragte/n einstellen. Den zeitlichen Horizont für das Brückenprojekt bezifferten die Planer mit rund fünf Jahren: 2,5 Jahre für Studien und die Abstimmung mit den Fachbehörden, und weitere 2,5 Jahre für den Bau.

Nun müsse man auf deutscher Seite mit dem Regierungspräsidium Absprachen treffen, auf französischer Seite mit der Départementsverwaltung, sagte Lahrs Oberbürgermeister, und weitere Schritte einleiten. Schwanaus Bürgermeister Wolfgang Brucker hielt ein Plädoyer für das Brückenprojekt.

Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder den Haushalt 2020 mit einem Volumen von 183 779 Euro im Verwaltungshaushalt und 64 000 Euro für Investitionen. Die Firma Arcadis hat bereits die Brücke zwischen Hartheim und Fessenheim planerisch begleitet.

Die elsässischen Verbandsmitglieder informierten ihre baden-württembergischen Kolleginnen und Kollegen darüber, dass sie in Zukunft autonomer verhandeln könnten, denn die Zentralregierung in Paris habe den beiden elsässischen Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin, die zusammengelegt werden, Sonderrechte zugebilligt. Das Elsass gehöre seit der Gebietsreform zwar jetzt zur Großregion Grand Est sei aber künftig als Sondergebiet "Collectivité européenne d’Alsace" mit eigenen Rechten ausgestattet, was Bildung, Verkehr und grenzüberschreitende Projekte betrifft. "Für die deutsch-französischen Beziehungen kann das nur Besserung bedeuten", sagte Laurence Muller-Bronn.