Schwingungen für Saiten und Stelen

Katja Rußhardt

Von Katja Rußhardt

Di, 07. Juli 2020

Denzlingen

Harfenistin Doesjka von der Linden gibt bei "Fuge trifft Fuge" in Denzlingen ein Konzert.

. Künstlerische Überraschungen erlebt man in Goran Kojics Kunst- und Ausstellungsraum "Fuge trifft Fuge" in Denzlingen eigentlich immer. Doch wenn der renommierte Jazzpianist und Fliesenleger zu seinen monatlichen Konzerten einlud, standen bisher hauptsächlich Kollegen aus der europäischen Jazz-Szene auf der Bühne. Einer Anregung seiner Lebensgefährtin ist es zu verdanken, dass am Sonntag nun eine Harfinistin im Mittelpunkt stand: Doesjka van der Linden, geboren in den Niederlanden und wohnhaft in Freiburg, ist als Solistin im In- und Ausland ebenso gefragt wie als Musikerin in namhaften Orchestern.

Die Auswahl der Stücke
Goran Kojics Anfrage erreichte sie nach einer zweimonatigen Auszeit. "Insbesondere die Muskulatur des linken Arms und des Rückens werden beim Spielen einer Harfe stark beansprucht", erklärt sie ihre unfreiwillige Pause, nach der sie sich umso mehr auf ihren Soloauftritt in Denzlingen freute. Bei den Stücken hatte sie freie Wahl. Es sollte – so Goran Kojic – "einfach kompromisslos Kunst sein". Kompromisslos kam dann aber erst einmal der Virus, doch Doesjka van der Linden ließ sich bei ihren Vorbereitungen nicht stören. Chaconne aus der Sonate Nr. 4 für Violine Solo von Johann Sebastian Bach (1685-1750) wollte sie in einer anspruchsvollen Bearbeitung für Harfe von Dewey Owens schon lange auf einer Bühne spielen.

Das Instrument
Harfe hört man als Soloinstrument mit klassischer Musik nicht oft. Mit einer Höhe von 1,86 Metern ist sie nicht nur optisch ein Hingucker. Van der Linden weiß um die unvergleichliche akustische Wirkung ihres Instruments und hat mit ihren Fingerkuppen an den Saiten direkten Einfluss auf den Ton: "Es entstehen sehr feine Schwingungen, die direkt in den Körper gehen und das tut den Menschen gut", wie sie sagte.

Das Konzert
"Wir hatten eigentlich nie an eine komplette Absage gedacht, denn Musik ist gerade in Zeiten wie diesen, die uns alle erschüttern, eine Wohltat", erinnert sich Goran Kojic in seinem Ausstellungsraum, der bei Konzerten mit Stühlen und kleinen Tischchen bestückt wird.

Diesmal ist er schon vor Eintreffen der 20 Konzertbesucher belebt: Stelen aus wetterfestem Cortenstahl erobern mit ihren ausladenden Rundungen die Umgebung – stürzen, torkeln, tanzen, fühlen sich in den Raum hinein oder weichen voreinander zurück. "Corten-Coronen-Stele" nennt Michael Bögle seine abstrakten Geschöpfe, die im Laserverfahren entstanden. "Um die Gesellschaft zu erklären, muss man abstrakt denken. Das haben wir hier mit den Werkstücken gemacht", sagt Goran Kojic.

Die Atmosphäre
20 Besucher haben mit bis zu drei Meter Abstand auf Stühlen zwischen den Coronen Platz genommen. Nach der Einführung entfaltet die Harfe ihren Zauber, dem man sich nicht entziehen kann. Sukzessive bringt sie den Raum zum Schwingen, ist Balsam für die Ohren, geht unter die Haut.

Und auch die Coronen scheinen sich plötzlich zu bewegen, die Schwingungen der Musik aufzunehmen. Eine kleine Pause gibt es, in der man draußen in die untergehende Sonne blinzeln kann und sich fragt, wieso man Harfenmusik nicht schon längst für sich entdeckt hat.

Infos unter fuge-trifft-fuge.de/ konzerte-ausstellungen