Seit 15 Jahren gibt es im Kreis Lörrach die Migrationsberatung

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

Sa, 26. September 2020 um 14:03 Uhr

Lörrach

Die Migrationsberatung unterstützt Zuwanderer aus der EU und Drittstaaten bei der Integration. Seit 15 Jahren besteht die Einrichtung im Kreis Lörrach. Und sieht anhaltenden Bedarf für ihre Leistungen.

"Sie wusste nicht, wie es für sie und ihre Kinder weitergehen soll", erinnert sich Martin Holz vom Caritasverband in Lörrach an eine Frau aus Togo. Diese sei in einer finanziellen Notlage gewesen, da die Unterhaltszahlungen des Vaters der Kinder nicht ausgereicht hätten. Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) habe dann dafür gesorgt, die Frau in das Sozialsystem zu integrieren. Später folgten ein Deutschkurs und berufliche Beratung. "Sie kann jetzt wieder Perspektiven für sich entwickeln", berichtet Holz.

Seit 15 Jahren unterstützt die Migrationsberatung Zugewanderte aus der EU und Drittstaaten beim Integrationsprozess. In einem Pressegespräch im Haus der Diakonie in Lörrach stellten die Beteiligten das Programm vor und berichteten von den Herausforderungen der vergangenen Monate. Das durch den Bund geförderte Programm wurde 2005 im Rahmen des Zuwanderungsgesetzes neu geschaffen und soll erwachsene Zugewanderte mit Bleiberecht sowie ihre Familien unterstützen und beraten. Im Kreis Lörrach wird das Angebot vom Caritasverband, dem Deutschen Roten Kreuz und der Diakonie getragen. Diese helfen bei der Suche nach Deutsch- und Integrationskursen, unterstützen bei Fragen des Aufenthaltsrechts, der Familienzusammenführung oder sind bei persönlichen und finanziellen Fragen für die Ratsuchenden da.

Das Angebot richtet sich ausschließlich an erwachsene Zugewanderte mit Bleiberecht

Eine Asylverfahrensberatung gibt es beim MBE dagegen nicht. Das Angebot richtet sich ausschließlich an erwachsene Zugewanderte mit Bleiberecht, Spätaussiedler und Personen, die Zugang zu Integrationskursen haben. "Es ist ein sehr professionelles Beratungsangebot", erklärt Silvia Frank, Migrationsberaterin des Diakonischen Werks in Weil am Rhein. Das MBE ist dabei in das lokale Integrationsnetzwerk integriert, mit engen Kontakten zu den Behörden und weiteren Hilfsangeboten. Im Landkreis umfasst das MBE-Team sechs Personen, die sich 3,5 Vollzeitstellen bei den drei Trägern teilen. Pro Stelle wenden sich zirka 200 Personen im Jahr an die MBE. Neben den Beratungsmöglichkeiten vor Ort bietet die MBE auch eine Online-Plattform namens mbeon an. Dort können sich Ratsuchende nicht nur direkt informieren, sondern via Chat mit bundesweit 140 Beratern in 24 Sprachen kommunizieren.

Auch für die MBE und ihre Klienten stellte die Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung dar. Gerade die Schließung von Behörden während des Frühjahrs und der Wegfall von Arbeitsmöglichkeiten habe viele Zugewanderte besonders belastet, schildert Thomas Mainx vom DRK in Lörrach. So habe auch das MBE die persönlichen Sprechstunden einstellen müssen. Gerade während der Quarantäne seien für viele die Gespräche aber wichtig gewesen, so Frank. Etwa für eine aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Frau, die nach zehn Jahren in Schweden mit ihren Kindern nach Deutschland gezogen war. Eine Vollzeitstelle in der Gastronomie wurde mit der Pandemie aber kurzfristig wieder abgesagt, sodass sie keine Sozialleistungen erhielt, erinnert sich Stefanie Jammeh vom Diakonischen Werk. Man sei in intensivem Kontakt mit der Ausländerbehörde gestanden und habe die Klientin unterstützt. Mittlerweile habe sie glücklicherweise Arbeit gefunden.

Bedingungen werden anspruchsvoller

Leichter ist die Arbeit in den vergangenen 15 Jahren aber auch ohne den Corona-Effekt nicht geworden. "Die Einwanderungspolitik wird restriktiver", stellt Frank fest. Wer nicht mit einem qualifizierten Job und entsprechenden finanziellen Mitteln aufwarten könne, habe es schwer. Auch würden die Bedingungen stetig anspruchsvoller. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz sei zu kompliziert und in der Gesamtheit eine Mogelpackung, sind sich die Beraterinnen und Berater einig. Das MBE-Angebot bleibe so auch künftig von zentraler Bedeutung, um Zugewanderte bestmöglich zu unterstützen.