Corona-Impfung

Senioren über Impftermin-Vergabe: "Wir fühlen uns im Stich gelassen"

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 14. Januar 2021 um 20:57 Uhr

Freiburg

Vielen älteren Menschen gelingt es nicht, einen Termin zu reservieren. Andere haben es aber geschafft – und loben das Impfzentrum. Hier sind einige Erfahrungsberichte unserer Leser.

Einen Termin im Impfzentrum Freiburg zu bekommen, ist zur Zeit nicht einfach. Falls man einen hat, läuft alles problemlos – doch es gibt noch nicht genügend Impfstoff für alle, die sich impfen lassen wollen. Das sorgt bei Impfberechtigten für Ärger und Frust. Viele beklagen auch vergebliche Anrufe bei der Hotline oder kommen mit der Internetseite nicht zurecht. Bei der BZ gingen zahlreiche Mails und Anrufe dazu ein. Aber auch Lob für die Arbeit des Impfzentrums kam an. Wir veröffentlichen eine Auswahl.

Immer wieder aus der Anmeldung rausgeflogen

Von Alwin Fuchs, Freiburg-Zähringen

"Mein Frau ist 89 und ich bin 91. Um uns kümmert sich kein Schwein, wir fühlen uns im Stich gelassen. Vielen unserer Bekannten und Freunden geht es ähnlich. Ich kann mit dem Computer umgehen – aber das System für die Terminvergabe ist viel zu kompliziert. Während des Anmeldevorgangs erhält man einen Code aufs Handy geschickt. Der ist nur zehn Minuten gültig, danach ist er abgelaufen. Diese Zeit ist für uns Senioren viel zu kurz gewählt, ich bin deswegen immer wieder aus der Anmeldung rausgeflogen. Bei der Hotline haben wir es immer und immer wieder probiert, ohne Erfolg. Irgendwann sind wir dann mal durchgekommen. Die Mitarbeiterinnen im Callcenter waren wirklich höflich und zuvorkommend. Sie können auch nichts dafür. Die Frau sagte: ,Ich würde Ihnen so gerne einen Termin geben, aber ich habe keinen. Es gibt erst wieder Termine, wenn neuer Impfstoff da ist.‘ Wir sind komplett enttäuscht von der Politik."
Gesundheitsminister über Corona-Impfungen: "Es ist nicht chaotisch"

Unnötige Zeit am Telefon oder im Internet

Von Erika Weihbrecht, Freiburg-Stühlinger

"Seit dem 28. Dezember versuche ich täglich – außer an Silvester und Neujahr –, für meinen 84-jährigen Ehemann einen Termin in Freiburg zu erhalten, bisher immer vergeblich, unter der Telefonnummer 116117 und auch per Internet. Es wäre besser gewesen zu sagen: Termine werden erst vergeben, wenn wirklich ausreichend Impfstoff vorhanden. Dann wäre einem die unnötige Zeit am Telefon oder im Internet erspart geblieben. Und: Die Personen in häuslicher Pflege fallen einfach durchs Raster, ebenso diejenigen, die sie pflegen. Mein Mann ist 84 Jahre alt, ich bin 78. Da wir nicht mehr Auto fahren, kommt ein anderes Impfzentrum als in Freiburg nicht in Frage. Ich muss meinen Ehemann begleiten. Wäre es da nicht sinnvoll, man würde auch die Pflegenden wie mich gleich mit impfen? Ich muss ja sonst, da noch nicht 80, nochmals hin. Laut 116117 bekomme ich noch keinen Termin; das wäre auch egal, wenn mein Mann das selbst bewerkstelligen könnte. Aber sollte ich krank werden, müsste mein Ehemann ins Heim, wenn ein Platz vorhanden wäre. Irgendwie ist das nicht geregelt."

Lob für das Impfzentrum

Von Bettina Lachnit, Ebringen

"Ich war am 30. Dezember mit meiner 81 Jahre alten Mutter im Corona-Impfzentrum an der neuen Messe. Ich möchte gerne ein großes Lob aussprechen! Vom ersten Kontakt, bei dem uns gleich ein Rollstuhl besorgt wurde, vom Sicherheitsdienst, vom Orgapersonal, Registrierung, Impfteam bis zum Herrn am Ausgang sind wir sehr freundlich und zuvorkommend behandelt worden. Alles war super organisiert und hat prima geklappt! Vielen Dank dafür!"

Die Kommunikationsstrategie ist vollkommen amateurhaft

Von Stefan Eschbach, Stegen

"Ich verstehe, dass der Impfstoff knapp ist. Meine Kritik richtet sich an die Informationspolitik der Landesregierung. Schon seit Monaten ist bekannt, dass es Engpässe geben würde, sobald ein Impfstoff zugelassen ist. Auch die Kriterien der Impfreihenfolge wurden mit Vorlauf veröffentlicht und die Impfzentren wurden rechtzeitig geplant und auch fertig gestellt. Nur die Kommunikationsstrategie der Landesregierung von Baden-Württemberg ist vollkommen amateurhaft.

Wer kommt in Stuttgart auf die Idee, dass die Zielgruppe der ersten Impfphase nicht angeschrieben werden muss, sondern dass sich die über 80-Jährigen bitte schön selber organisieren sollen? ,Bürgernah‘ ist das jedenfalls nicht. Die nächste Hürde für die alten Leute (oder für deren berufstätigen Angehörige) ist dann die Technik. Ist es im Jahr 2021 wirklich Stand der Technik, dass man 45 Minuten in der Telefonschleife warten muss, um dann von einer netten Dame die Information zu erhalten, dass es keinen Impfstoff und auch keine weiteren Informationen gibt? ,Bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder an‘ tönt es aus dem Telefonhörer. Das Prozedere ist immer das gleiche. Nach Tagen und Wochen raubt es den Leuten schließlich die Kraft und die Motivation. Aber kurz bevor man aufgibt, erscheint dann ein Bericht in der Zeitung und macht Hoffnung auf neue Impftermine... Manchmal komme ich mir vor wie in einem Roman von Kafka."

Nicht immer auf den Staat warten und schimpfen

Wolfgang Göttsche, Ballrechten-Dottingen

"Ich möchte Ihnen schildern, wie ich als 81-Jähriger zu meiner Impfung gekommen bin, und Danke sagen an das Impfzentrum Freiburg und seine Mitarbeiter. In der zweiten Dezemberhälfte habe ich mich intensiv mit Impfstoff und Termin auseinandergesetzt und alle seriösen Quellen im Internet erschlossen, Gespräche mit Wissenschaftlern geführt und mir wurde klar, diese Impfung ist schon vom Ansatz ungefährlicher und zielsicherer als eine Grippeschutzimpfung! Diese Impfung mittels Codes (von Ihnen im Infothema Samstag sehr gut dargestellt) ist vom Ansatz schon sehr gekonnt. Dazu kommt die geringe Zahl von Nebenwirkungen, ohne diese abzutun. Wollen wir unseren normalen Alltag, Kultur und Existenzen wiederhaben, müssen wir was wagen, alle.

Ich bin am 28. Dezember ins Internet gegangen, habe mich im Portal angemeldet und die Formulare ausgefüllt und nach einer Stunde hatte ich beide Impftermine und Uhrzeit, die ich selbst aussuchen konnte. Fazit: Man muss sich selbst auch kümmern und nicht immer auf den Staat warten und schimpfen. Familiär findet man heute auch durch die junge Generation immer Hilfe. Es geht. Am 5. Januar, vormittags, habe ich mir die Spritze abgeholt und war regelrecht euphorisch, weil ich dort im Impfzentrum ein professionelle Betreuung mit den anderen Senioren erleben durfte, ältere und junge Helfer arbeiteten Hand in Hand und die Senioren fühlten sich geführt und empfangen. Nach der Spritze fiel alles an Anspannung eines Jahre ab, weil ein entscheidender Schritt getan wurde. Das Impfzentrum Freiburg mit den Mitarbeitern hat sehr überzeugt und verdient höchste Anerkennung in dieser Zeit. Darum auch absolute Zustimmung zur Impfung, schon weil wir den Jüngeren ihren Alltag zurückgeben müssen!"

Problemlose Impfung dank der klar strukturierten Organisation

Von Manfred Löwisch, Freiburg-Lehen

"Meine Erfahrung als ,Hochbetagter‘ mit der Corona-Impfung ist durchweg gut. Ich habe am 27. Dezember um die Mittagszeit die Termine 2. Januar für die Erstimpfung und 25. Januar für die Zweitimpfung im Impfzentrum Freiburg online gebucht. Das hat schon im ersten Anlauf geklappt. Weil der Internetauftritt http://www.impfterminservice.de ohne weiteres verständlich ist, hat das nur etwa 15 Minuten gedauert. Der erste Impftermin im Impfzentrum in der Messe Freiburg am 2. Januar ist dank der klar strukturierten Organisation und des kompetenten und ausgesprochen freundlichen Personals problemlos und zügig verlaufen. Ich habe das Impfzentrum um 9.10 Uhr betreten, bin nach Kontrolle der Terminzuteilung erst zur Registrierung und Aufklärung und sodann in eine Impfkabine geleitet worden. Um 9.20 Uhr hat eine Ärztin die sich von einer Grippeimpfung kaum unterscheidende Impfung gesetzt. Danach habe ich die Wartezeit in dem dafür vorgesehenen Teil der Halle verbracht. Um 9.35 Uhr war alles erledigt und ich bin nach Hause gefahren."

Mehr zum Thema
Liebe Leserinnen und Leser, die Rolle und auch Verantwortung der Medien ist durch die Krise deutlich gewachsen. Die folgende Umfrage beschäftigt sich mit der Glaubwürdigkeit der Badischen Zeitung in Zeiten von Corona. Es handelt sich um eine Arbeit im Rahmen eines Studiums Bachelor of Arts in Business Administration unserer Redaktionsmitarbeiterin Selina Kabis. Für Ihre Teilnahme möchten wir uns bereits im Vorfeld bedanken zur Umfrage.