Sensibel, klangschön und gekonnt

Roswitha M. Flossmann

Von Roswitha M. Flossmann

Di, 24. Dezember 2019

Stegen

Vorbildliches Teamwork der Musikfachschaft am Kolleg St. Sebastian in Stegen gewährleistet herausragendes Adventskonzert.

STEGEN. Ein gut ausgewogenes Programm erwartete die Zuhörer in der übervollen Pfarrkirche in Stegen, und das vorbildliche Teamwork der Musikfachschaft am Kolleg St. Sebastian führte zu einem beeindruckenden Konzert von außergewöhnlichem Niveau.

In den einführenden Worten schlug Birgitta Kuhn das Motiv des "Alle Jahre wieder" an: der Weg mit Maria zur Krippe, die Zeit der Stille, der Weg ins Innerste, wo Gott in uns geboren wird...

Dann eröffnete der Unterstufenchor zusammen mit den Klassen 6a,b,c und 7d unter der Leitung von Konstanze Ruttloff den Abend mit erstaunlicher Klangfülle und rhythmischer Präzision: durchaus nicht einfach bei einem französischen und zwei englischen Carols, dazwischen einem ungewöhnlichen Satz zu "Maria durch ein Dornwald ging", diffizil und reizvoll in der Begleitung (Katharina Westerhouse). Das Schulorchester unter Leitung von Birgit Büssemeier folgte: eine stattliche Anzahl musikalisch bestens eingespielter Streicher, darunter zehn Celli und zwei Kontrabässe, die dem homogenen Klang ein sicheres Fundament verliehen. Haydns Notturno C-Dur, ganz weihnachtlich im Klangcharakter, gab den beiden jungen Oboisten Mathias Gallus und Vinzenz Schulze die Gelegenheit, sensibel, klangschön und gekonnt mit dem Orchester zu konzertieren.

Die nächste Solistin, Abiturientin Muriel Müller, die jahrelang treues Mitglied im Schulorchester war, glänzte in Telemanns Konzert für Bratsche durch lupenreine Intonation, weiche, geschmeidige Tongebung, mühelose Bewältigung der schwierigsten Passagen und vorbildliches Zusammenspiel mit dem Orchester.

"Mit süßem Jubelschall" und schöner Dynamik über dem durch die Stimmen wandernden cantus firmus sang danach der Mittel- und Oberstufenchor einen achtstimmigen Satz von Pearsall zu "In dulci jubilo" , eine beachtliche Leistung, auch für den jungen Dirigenten Felix Wunderle.

Zu fast "himmlischen Harmonien" steigerte sich der Chor nun unter Matthias Bornhofen beim "Adventsjodler", nicht im eher derben alpenländischen Ductus, sondern "dolce et piano", lieblich im Raum schwebend. "Mit tanzender Leichtigkeit" wirbelten schließlich die von Schaufler vertonten Schneeflocken durch den akustischen Raum und zogen als "Licht über Land".

Beifallsstürme des Publikums

Nun spielte Felix Wunderle eine Orgelimprovisation zu "Macht hoch die Tür": überaus virtuos, einfallsreich in Modulation und Registrierung, mit an französische Orgelmusik erinnernden Figurationen und Pattern, aber immer dem Liedcharakter adäquat.

Im letzten Teil des Konzertes kamen vier Sätze aus John Rutters "Magnificat" zur Aufführung, darunter die Vertonung eines mystischen Textes aus dem 15. Jahrhundert, in dem Maria mit einer "lieblichen Rose" gleichgesetzt wird. Für dieses Projekt hatte Konstanze Rutloff Schüler, Eltern, Lehrer und Ehemalige des Kollegs eingeladen, ein gemeinschaftsförderndes Unternehmen, das hohe Resonanz fand. Die lateinamerikanischen Rhythmen der Komposition und die Instrumentation – Schlagzeug, Bongos, Snare Drum und Tambourin – begeisterten die Chorsänger unmittelbar.

Ein Höhepunkt war der Domsingknabe Julius Vry aus der Klasse 9a, der im Satz "Et misericordia" mit wundervollem Timbre und souveräner Agogik den Sopran-Solopart sang. Der Applaus kam einer Ovation gleich und war mehr als verdient. Damit endete das Konzert unter Beifallsstürmen; die zweite Aufführung am Tag darauf war ebenso gut besucht und erfolgreich. Insgesamt waren die harmonische Kooperation der Musikfachschaft und die Unterstützung durch die Eltern zu spüren, ohne die eine so überragende Leistung nicht möglich wäre.