Sessionband lässt Ära des Swings wieder aufleben

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 11. November 2019

Lörrach

Stargast Adam Taubitz zeigt beim Werkstattkonzert im Lörracher Jazztone, dass die Geige nicht allein in der Klassik zu Hause ist.

Mit "Time for Tradition" war am Freitag das jüngste Werkstattkonzert überschrieben, das der Drummer Uli Niedermüller und der Gitarrist Christian Dietkron organisiert haben. Alljährlich im Herbst stellen die beiden eine Art Sessionband zusammen, die einen Abend im Lörracher Jazztone bestreitet.

Dazu hatte sie diesmal als Stargast den Geiger Adam Taubitz eingeladen, dazu den Pianisten Christian Gutfleisch und den Bassisten Dominik Schürmann. Mit sehr viel Spielfreude und mit der souveränen Lässigkeit des Könners spielte das Quintett Stücke der Swing- und Bebop-Ära und sorgte im gut besuchten Lörracher Jazzclub für ein wunderbares und hörenswertes Konzert.

Die Geige ist kein typisches Jazzinstrument, abgesehen vom Zigeuner-Jazz taucht sie recht selten auf. Natürlich gab es den großen Jazzgeiger Stéphane Grappelli, es gibt weitere wie etwa Jean-Luc Ponty oder Michal Urbaniak , sogar ganze Streichensembles, die Jazz spielen, wie das Modern String Quartet aus München, doch im Allgemeinen verortet man die Geige eher in der Klassik.

Tatsächlich kommt der 52-jährige Adam Taubitz auch aus der Klassik, er war Konzertmeister im Sinfonieorchester Basel und Stimmführer der Zweiten Violinen bei den Berliner Philharmonikern. Schon immer galt sein Interesse aber auch dem Jazz. Er gründete The Berlin Philharmonic Jazz Group und spielte mit vielen Jazzern, darunter Philip Caterine oder Famoudou Don Moye. Und weil er sich sowohl durch Virtuosität wie auch durch Humor auszeichnet, war Adam Taubitz eine Bereicherung für das Werkstattkonzert am Freitagabend. Überhaupt klang das Konzert gar nicht nach Werkstatt, also nach etwas Unfertigem. Vielmehr spielte das Quintett ausgefeilt und präzise zusammen, warf sich gekonnt die Bälle zu, die der andere weiterspielte, und wenn bezüglich des Anschlusses an eine Improvisation mal eine kurze Konfusion entstand, erwiesen sich die Musiker als versiert genug, durch weiteres Improvisieren den musikalischen Fluss souverän fortzuführen. Alle fünf erwiesen sich in ihren Soli wiederholt als glänzende und kreative Meister der Improvisation.

Taubitz holte eine Menge aus seinem Instrument heraus, spielte rasant und expressiv und nutzte teilweise auch elektronische Mittel, um den Klang zu verfremden. Mit Christian Gutfleisch bereicherte ein wunderbarer Pianist die Gruppe, der hell und luftig und mit beeindruckender melodiöser Gestaltungskraft spielte. Auch Christian Dietkron spielte auf seiner Gitarre mit klarem und lichtem Klang packende und ausdrucksstarke Soloparts. Einfallsreich und präzise agierte Dominik Schürmann am Bass, und Uli Niedermüller spielte das Schlagzeug mit lässigem Groove, zurückhaltend und doch präsent.

Das Quintett begeisterte die Zuhörer mit einer munteren und fröhlichen Musik, die enormen Drive entwickeln konnte, die fesselnd und spannend war, dabei aber auch unterhaltsam blieb, und zu der auch feine, romantische Balladen gehörten. "Wir hatten eine Menge Spaß", stellte Uli Niedermüller am Ende fest. Den hatte das Publikum ohne Zweifel auch.