European Championships

Sibylle Maas ist bei der Tischtennis-EM live dabei – als Schiedsrichterin

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 12. August 2022 um 19:55 Uhr

Neuenburg

Sibylle Maas ist Amtsleiterin in Heitersheim, gerade aber Schiedsrichterin bei der EM in München. Wie das läuft, und was sie sonst beim Sportevent des Jahres macht, erzählt sie im Interview.

50 Jahre nach den Olympischen Spielen richtet München die European Championships aus. Es finden Europameisterschaften in neun Sportarten auf einen Streich statt, und Tischtennis ragt wegen der deutschen Topspieler heraus. Live dabei beim größten deutschen Sportereignis seit Jahren ist Sibylle Maas, die Neuenburgerin wurde als Schiedsrichterin von der European Table Tennis Union nominiert. Simone Höhl hat mit ihr telefoniert, bevor es am Samstagmorgen in Münchens Rudi-Sedlmayer-Halle losgeht.

BZ: Wann muss ich Tischtennis-EM gucken, um Sie im Fernsehen zu sehen, Frau Maas?

Sibylle Maas: Da werden Sie wohl kaum deutsche Schiedsrichter sehen. Bei der EM tritt die deutsche Elite an – Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Dang Qiu und Patrick Franziska – und die werden auch lange im Turnier sein. Die vier stehen in der Top 15 der Weltrangliste, und bei der Europameisterschaft sind ja die Asiaten nicht dabei. Als Schiedsrichter darf man die eigene Nationalität nicht schiedsen, außer es spielen zwei Deutsche gegeneinander, aber das gibt es wenn, dann hoffentlich erst beim Endspiel.

BZ: Wissen Sie schon, welche Spiele Sie leiten, hoffen Sie auf ein bestimmtes Duell?

Maas: Nein, wir bekommen den Plan immer kurzfristig für den aktuellen Tag. Als erstes sind die Gruppenspiele dran, dann kommen die K.O.-Runden, und da wird immer wieder geschaut, dass die Nationalität der Schiedsrichter passt und gegebenenfalls getauscht.

BZ: Da muss man als Schiedsrichter auf zack sein, überhaupt ist Tischtennis ein schneller Sport, oder? Wie lange dauert eine Begegnung?

Maas: Ja, schnell ist es. In der Vorrunde muss man drei Sätze gewinnen, ein Spiel kann also fünf Sätze lang gehen. Dieses "best of five" gilt im Doppel auch in den folgenden Runden, im Einzel sind es dann vier Gewinnsätze. In der Regel dauert ein Spiel so um die 50 Minuten, und wenn man als Schiri Pech hat, ist dann gleich das nächste dran.
Sibylle Maas ist 48 Jahre alt, Hauptamtsleiterin der Stadt Heitersheim, verheiratet und Mutter einer Tochter. Sie wohnt in Neuenburg und spielt selbst Tischtennis, so ihr die Zeit bleibt, im Kreisklasse-Herrenteam der Borussia Grißheim.

BZ: Vor fünf Jahren waren Sie bereits internationale Schiedsrichterin bei der Weltmeisterschaft in Düsseldorf. Was machen Sie sonst?

Maas: Ja, die WM war das letzte große Event. Sonst bin ich in der Damen-Bundesliga im Einsatz – in Weil am Rhein, Offenburg und Böblingen.

BZ: Und begleiten Sie jetzt in München die komplette EM bis 21. August?

Maas: In der ersten Runde bin ich wie alle Schiedsrichter bis einschließlich Mittwoch im Einsatz, dann finden weniger Spiele statt und es werden auch weniger Wettkampfrichter gebraucht. Ich kann nicht länger als Mittwoch, weil wir dann in Urlaub fahren, und ich mich sputen muss, um wieder heimzukommen.

BZ: Solange Sie in München sind, sehen Sie sich noch andere Sportarten an?

Maas: Ja, Leichtathletik will ich anschauen und Radsport. Ich bin gerade mit Schiedsrichterkollegen aus Großbritannien und Polen unterwegs ins Hotel, und dann wollen wir in den Olympiapark.

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