Sicher punkten

Victoria Vosseberg

Von Victoria Vosseberg (dpa)

Sa, 20. März 2021

Beruf & Karriere

Assessment Center und Co.: Womit Bewerber heute rechnen müssen.

Lebenslauf und Zeugnisse reichen bei einer Bewerbung oft nicht mehr aus. Mit Testaufgaben wollen Firmen sich einen Eindruck von den verschiedenen Bewerbern verschaffen. Wie kann man glänzen?

Ein Entwurf für ein Logo oder ein Konzept für den Social-Media-Auftritt eines Unternehmens: In manchen Branchen stellen Unternehmen Bewerbern im Laufe des Verfahrens gerne ganz konkrete Aufgaben, und entscheiden anhand der Ergebnisse, wer den Job bekommen soll. Mit diesem Wissen können Kandidaten sicher punkten:

» Was sind typische Aufgabenstellungen?
Bewerbungsprozesse sind heute oft mehrstufige Verfahren. Nicht alle Unternehmen kündigen eine Bewerbungsaufgabe als Teil des Auswahlprozesse bereits in der Stellenausschreibung an. Oft erfährt der Bewerber davon in einem kurzen telefonischen Erstgespräch oder in der Einladung zum Bewerbungsgespräch. "Manchmal ist dort die Rede von einem Bewerber-Tag, Matching Day oder Assessment Center, wohinter sich dann eine Reihe von Übungen und Gesprächen verbergen", sagt der Management-Trainer Johannes Stärk, der sich auf die Vorbereitung von Kandidaten für Assessment Center spezialisiert hat. Typische Aufgaben sind die Erarbeitung von Konzepten oder die Untersuchung von Fallstudien in einem stellenrelevanten Themenbereich, die der Bewerber dann in einer Präsentation vorstellt. Aber auch die Simulation eines Verkaufs- oder Mitarbeitergesprächs kann gefordert sein. "Manchmal prüfen Firmen auch ganz konkrete Fähigkeiten ab, Übersetzer müssen etwa einen Beispieltext in einer vorgegebenen Zeitspanne bearbeiten oder Informatiker einen Quellcode analysieren", erklärt Katharina Hain vom Personaldienstleister Hays.

» Wie bereite ich mich als Bewerber darauf vor?
Sowohl Personalerin Hain als auch Coach Stärk empfehlen Bewerbern, sich bei der Vorbereitung in die Rolle des Arbeitgebers zu versetzen und sich zu fragen: Was würde ich von jemandem wissen wollen, der sich auf diese Stelle bewirbt und wie würde ich seine Kompetenzen prüfen? Das kann helfen, zu verstehen, worum es bei der Aufgabe wirklich geht. Ansonsten gilt es, die Aufgabenstellung ganz genau zu lesen. "Oft neigen wir dazu, zu glauben, möglichst viel Information zu liefern, lasse uns besonders kompetent wirken, doch eigentlich geht es darum, zu selektieren, was wirklich relevant ist und das Wesentliche herauszuarbeiten", erklärt Hain. Ist die Aufgabenstellung dennoch unklar, empfiehlt sie, ruhig beim Unternehmen nachzuhaken. Auch die Erfahrungsberichte anderer Bewerber in Onlineportalen wie Glassdoor oder Kununu zu prüfen, ist oft aufschlussreich.

» Was muss man bei den gestellten Aufgaben beachten?
Besonders wichtig bei der Bearbeitung der Aufgabe sei es, das gegebene Zeitlimit zu beachten, so Recruiting-Expertin Hain. Denn neben inhaltlicher Kompetenz prüfen Firmen auch die Fähigkeit zum Zeit-Management ab. Ebenso wichtig ist die ansprechende Präsentation der Ergebnisse. Hier sollten Bewerber vorab klären, welche medialen Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen und flexibel bleiben, empfiehlt Stärk. Manchmal ist eine einfache Gliederung auf einem Flipchart ausreichend, manchmal ist eine vollständige Powerpoint-Präsentation gefragt. Die meisten Firmen sind technisch gut ausgestattet. "Doch ich würde sicherheitshalber auch einen eigenen Laptop zum Gespräch vor Ort mitnehmen", rät Hain. "Obwohl es im Online-Zeitalter weniger wichtig wird, kann es je nach Unternehmen einen guten Eindruck machen, die Präsentation zusätzlich in gebundenen Mappen den Arbeitgebern zu überreichen und den Lebenslauf noch einmal dazuzulegen." Bei Online-Bewerbungsverfahren entfällt dies natürlich, obwohl es auch hier sinnvoll sein kann, die Präsentation vorab zuzuschicken.
» Was prüfen Firmen mit solchen Bewerbungsaufgaben ?
Es geht bei Bewerbungsaufgaben weniger um die reine Fachkompetenz, denn diese wird im Idealfall aus Lebenslauf und Zeugnissen ersichtlich. Entscheidend sind vor allem Soft Skills: Also Teamfähigkeit, Führungskompetenz oder die analytische oder kreative Denkweise der Bewerber. "Es gibt bei diesen Aufgaben nicht unbedingt eine einzige richtige Antwort, denn mehr als das Ergebnis interessiert sich ein Arbeitgeber dafür, welchen Lösungsweg der Bewerber gefunden hat", sagt Stärk. Für die Unternehmen wird zudem eine größere Vergleichbarkeit zwischen den Bewerbern hergestellt, die oft sehr unterschiedliche Hintergründe haben, sagt die Expertin Hain. "Die Kompetenzen rücken so mehr in den Vordergrund als die rein persönliche Ebene, was gerade bei betriebsinternen Bewerbungen, wo Kollegen einander oft schon kennen, sehr hilfreich sein kann." Auf der anderen Seite habe auch der Bewerber die Möglichkeit, zu sehen, ob die Anforderungen der Stelle wirklich seinen Erwartungen entsprechen.