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Simon Danner vom EHC: Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Mi, 13. Mai 2020 um 09:53 Uhr

Menschen (fudder)

Wie verbringen die Menschen in Freiburg die Krise? Was macht es mit ihnen und wie lenken sie sich ab? fudder fragt bei Studierenden, Sportlern und Selbstständigen nach. Folge 1: EHC-Stürmer Simon Danner, 33, wohnhaft in Gundelfingen.

Simon Danner, 33, ist gebürtiger Freiburger und begann seine Eishockey-Karriere beim EHC Freiburg. In den vergangenen sechs Jahren lief er für Schwenningen auf, zuvor stand er in der DEL in Frankfurt, Düsseldorf und Wolfsburg unter Vertrag. Seit Januar 2020 spielt er wieder in seiner Heimat. Am Telefon hat er fudder-Redakteurin Gina Kutkat erzählt, wie er sich fit hält und warum seine Geduld ihn manchmal im Stich lässt.

Herr Danner, wie geht’s Ihnen?

Mir und meiner Familie geht es gesundheitlich gut. Wir können uns nicht beschweren. Für mich war es aus sportlicher Sicht allerdings sehr bitter, dass kurz vor den Playoffs alles abrupt beendet wurde. Das ist die schönste Zeit des Jahres.

Wie haben Sie die letzten zwei Monate verbracht?

Wir haben zwei Kinder, die sind 3 und 6 Jahre alt. Seit Wochen sitzen wir alle zusammen Zuhause, meine Frau und ich bespaßen die Kinder. Das wird auch nicht einfacher. Es ist einfach eine extrem schwierige Zeit für alle.
"Wir hätten gute Chancen gehabt, ins Halbfinale zu kommen. Das ist einfach bitter, auch für die Fans."

Welche beruflichen Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für Sie?

Beim Eishockey kommen nach der Saison die Playoffs, es geht also anders als beim Fußball erst richtig los. Man arbeitet als Verein sieben Monate darauf hin, sich einen guten Platz zu erspielen, das geht hart auf hart. Freiburg hat jahrelang nur gegen den Abstieg gespielt und hatte dieses Jahr gute Chancen, in den Playoffs weit zu kommen. Das ist einfach bitter, auch für die Fans. Und dem Verein fehlen natürlich die Einnahmen. Momentan sieht es so aus, als ob wir im September in die neue Saison starten können und somit alles halbwegs normal verläuft. Sollte dies nicht der Fall sein, wird es schon schwieriger
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Nachdem der Abbruch der Saison feststand, ist der Verein sofort in offene und ehrliche Gespräche mit uns Spielern gegangen. Es wurde Kurzarbeitergeld beantragt, uns aber auch von Anfang an mitgeteilt, dass wir deshalb keine Einbußen haben werden und weiterhin unser volles Gehalt bekommen.
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fudder möchte in dieser Serie junge Menschen aus Freiburg und der Region vorstellen und sie fragen, wie es ihnen in der Krise geht. Dabei möchte die Redaktion einen Querschnitt der Gesellschaft zeigen. Ab Mittwoch stellen wir regelmäßig eine Folge von "Wie geht’s und wie geht’s jetzt weiter?" online.

Was haben Sie und Ihre Mannschaftskollegen von den Gesprächen hinter den Kulissen mitbekommen?

Wir haben natürlich gesehen, was in den Medien berichtet wird und auch, dass die Frage im Raum steht, die Playoffs ohne Zuschauer zu spielen. Dass die Entscheidung über ein vorzeitiges Ende der Saison aber so schnell kommt, damit haben wir nicht gerechnet und waren ziemlich überrumpelt.

Das hat jeder für sich ein bisschen verarbeitet. Außerdem haben wir noch eine Grillfeier gemacht und zum Abschluss ein paar Bier getrunken. Das war noch vor der Ausgangssperre, als noch Versammlungen mit bis zu 50 Personen erlaubt waren. An dem Freitagabend wollten wir dann eigentlich noch in die Stadt weiterziehen, aber wegen der Beschränkung hatte das eh keinen Sinn mehr.



Wie haben Sie sich die letzten zwei Monate fit gehalten?

Da musste ich sehr kreativ werden, da ja die Fitnessstudios geschlossen sind. Ich habe erstmal eine längere Pause gemacht, weil ich Anfang der Saison am Knie operiert wurde. Die Zeit habe ich mir genommen. Seit drei oder vier Wochen trainiere ich aber wieder – und zwar in meiner Garage: Die habe ich spontan zum Fitnessstudio umgebaut. Dort steht ein Heimtrainer Fahrrad; online oder von Studios habe ich noch weitere Sachen dazugekauft.

So halte ich mich unabhängig von den Fitnessstudios fit. Joggen kommt wegen meines Knies nicht in Frage. Auf Instagram sehe ich, wie meine Kollegen Inlineskaten oder mit Gummibändern trainieren. In der Saison trainieren wir drei Tage pro Woche sehr intensiv im Fitnessstudio, bis zu vier Stunden. Man kann sich schon fit halten, aber man merkt, dass was fehlt.

Wie sind Sie mit der Krise bisher klargekommen?

Im Großen und Ganzen schätze ich mich glücklich, dass ich in Deutschland wohne. Wir haben ein gut funktionierendes Gesundheitssystem und können so eine Krise gut wegstecken. Alles, was wir tun mussten und müssen, ist daheim bleiben. Ich konnte also mein Leben mit meiner Familie weiterleben, was die Menschen in anderen Ländern nicht konnten. Wir haben einen Garten und haben dort für unsere Kinder einen kleinen Spielplatz eingerichtet mit Trampolin und Schaukel – das ist viel wert.

Was haben Sie in der Zeit über sich selbst gelernt?

Die Kinder sind unausgelastet und das färbt auch auf mich ab. Meine Geduld ist sehr begrenzt, das habe ich über mich gelernt. Wenn ich mit dem Sechsjährigen Schulaufgaben mache, ist das eine richtige Geduldsprobe für mich. Und wenn ich nicht genug Sport mache, werde ich zickig.
"Alles in allem haben wir die Krise gut weggesteckt."

Wie geht’s jetzt für Sie weiter?

Stand jetzt geht die Saison am 11. September los, im August starten wir mit den Vorbereitungen. Das kann sich aber natürlich noch ändern, sollte beispielsweise eine zweite Corona-Welle kommen. Für den Eishockey wäre es auch nicht tragisch, wenn die Saison ein, zwei Monate später starten würde – wir sind englische Wochen gewohnt. Die Hauptsache ist, dass es überhaupt weiter geht.


Privat hoffen meine Frau und ich, dass die Kinder bald wieder in die Schule und den Kindergarten dürfen. Und wenn es nur ein paar Mal pro Woche ist. Das würde ein bisschen Normalität zurück bringen.
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