Justiz

"So einen verteidigst Du auch noch?": Wie Pflichtverteidiger arbeiten

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

So, 17. Dezember 2017 um 18:57 Uhr

Südwest

BZ-Plus Sie verteidigen Mörder und Vergewaltiger – und den Rechtsstaat. Pflichtverteidiger werden oft gefragt, warum sie sich für ihre Mandanten stark machen. Drei Anwälte aus Freiburg sprechen über ihren Beruf – darunter auch die Verteidiger von Hussein K. und Catalin C.

Mord ist Mord. Darauf steht "lebenslang" in Deutschland, zwingend. Es sei denn, man hat einen versierten Strafverteidiger. Dann kann es auch anders kommen. So wie im Juli 2002 am Landgericht Offenburg. Klaus Malek ist heute noch stolz auf das Urteil, das er da erstritten hat. Der Fall hat, kann man sagen, Rechtsgeschichte geschrieben – sein "Haustyrannenfall".

"Die Frau war von ihrem Mann gequält worden bis aufs Blut, eines Abends konnte sie nicht mehr und hat ihn mit dem Küchenmesser erstochen." Klaus Malek
Eine jüngere Frau aus einfachen Verhältnissen, Mutter eines Babys, hatte ihren Ehemann erstochen. Sie tat es vorsätzlich und – das Gericht konnte nicht anders, als das festzustellen – heimtückisch, nämlich als der Mann schlief. Heimtücke ist ein Mordmerkmal nach Paragraph 211 Strafgesetzbuch. Dennoch verließ die Angeklagte den Saal nach acht Monaten U-Haft als freie Frau: Zwei Jahre auf Bewährung lautete das Urteil. Für einen Mord.

Klaus Malek, Rechtsanwalt in Freiburg, war damals ihr Pflichtverteidiger. Der 63-Jahre alte geborene Ravensburger sitzt in einer hochherrschaftlichen Freiburger Oberwiehre-Villa vor einer nicht minder imposanten Bücherwand und erinnert sich. "Die Frau war von ihrem Mann gequält worden bis aufs Blut, eines Abends konnte sie nicht mehr und hat ihn mit dem Küchenmesser erstochen. Dann hat sie selbst die Polizei gerufen."

Beim Haustyrannen-Fall bekam Verteidiger Malek Applaus
Die Geplagte muss es für Notwehr gehalten haben, das leuchtete damals allen ein. Aber Notwehr war es nicht, juristisch. Sie hätte, als ihr Peiniger schlief, ...

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