135 Stände, 300 Berufe

So erlebt ein 15-Jähriger die Ausbildungsbörse in Weil am Rhein

Yvonne Siemann

Von Yvonne Siemann

Mo, 23. September 2019 um 09:40 Uhr

Weil am Rhein

Luca Schmid will sich Mitte Februar für eine Ausbildung bewerben, weiß aber noch nicht genau wo und für welchen Beruf. Bei der Ausbildungsbörse hört er oft: "Schicken Sie einfach mal Ihre Bewerbung"

Eine Ausbildung als Informatiker, als Rettungssanitäter oder doch etwas ganz anderes? Um die 300 Berufe werden bei der diesjährigen Ausbildungsbörse in der Realschule und im Oberrheingymnasium vorgestellt. Auch der 15-jährige Luca Schmid will sich mit dem nächsten Halbjahreszeugnis Mitte Februar für eine Ausbildung bewerben, weiß aber noch nicht genau wo und für welchen Beruf. Im Moment besucht er die 9. Klasse der Realschule, außerdem engagiert er sich als Leiter der Schulsanität. Dazu ist er in einer Gugge aktiv.

Schon vor der offiziellen Eröffnung um 9 Uhr drängen sich in der Aula der Realschule Jugendliche und ihre Eltern. Beim "Komm auf Tour"-Stand vor der Tür kann man mit einem Quiz herausfinden, ob man eher Spaß an Zahlen hat, gerne anderen hilft oder Ordnung und Organisation für einen im Vordergrund stehen – die jeweils zugeordneten Symbolen findet man dann auch auf den einzelnen Ständen. Bei Luca kommt heraus, dass er gerne mit anpackt und mit anderen Menschen in Kontakt kommt. Obwohl ihn ein Kumpel auf die längeren Ferien in den weiterführenden Schulen hinweist, weiß er: "Die Schule reicht mir, ich mache auf jeden Fall eine Ausbildung! Außerdem verdient man da was."

Erst Raymond, dann Endress

Einige Ideen, welche der 135 Stände ihn interessieren könnten, hat Luca auch schon von der letztjährigen Börse. Er steuert zunächst den Stand der Firma ARaymond an. Dort gibt es neben einer Videoshow über den Fertigungsprozess natürlich auch Beratung. Eine Mitarbeiterin spricht Luca an und erklärt ihm mit einer Infobroschüre, welche Ausbildungen es gibt, wie lange sie dauern und was man dort lernt. "Schicken Sie doch einfach mal Ihre Bewerbung, dann können Sie bei einem Praktikum in den Ferien mal die einzelnen Bereiche kennenlernen." "Interessant", meint Luca und nimmt eine Tasche mit Prospekten und einen Kugelschreiber in Empfang.

Seine nächste Station ist Endress + Hauser im zweiten Stock. Auch hier gibt es schriftliche Informationen zu den möglichen Berufen. "Was willst du denn machen?" fragen ihn zwei Auszubildende – um die Hemmschwelle zu senken, stehen vor allem die jüngsten Mitarbeiter an den Ständen. "Irgendetwas mit Software vielleicht… aber ich weiß noch nicht genau." Die beiden angehenden Produktdesignerinnen erklären ihm den Ablauf ihrer Ausbildung und zeigen stolz ihre Zeichnungen verschiedener Produktkomponenten und das Ergebnis vor. Ihr Tipp: "Bewirb dich doch einfach mal für ein Praktikum!" Neben einem Spiel gibt es wie auch bei den anderen Ständen etwas zum Mitnehmen: Smarties, Geodreiecke, Kugelschreiber und Plüsch-Wassertropfen.

"Wahrscheinlich muss ich ein Praktikum machen, um zu wissen, was mir gefällt."

Luca Schmid
Auch bei der Firma Kaltenbach die Frage: "Eher handwerklich oder im Büro?" Luca weiß schon einmal, dass ihm das Büro lieber ist. Einige Auszubildende zeigen stolz eine selbstgebaute Maschine, die mit einem Sensor verschiedene Teile sortiert. Lucas Kommentar: "Schon krass, was die alles herstellen!"

Auch beim Schülerforschungszentrum Phaenovum nimmt Luca einen Prospekt über die verschiedenen Kurse mit. Als er dahinter das Plakat eines Friseurs sieht, weiß er aber genau: "Das wäre nichts für mich!" Ein paar weitere Stände kennt er schon vom letzten Jahr, an den Ständen der Gastronomie geht er vorbei, in der chemischen Industrie will er nicht arbeiten, das Steinmetzhandwerk sieht anstrengend aus und auch die Polizei und die Bundeswehr schrecken ihn eher ab.

Das Landratsamt Lörrach stand zwar auch nicht auf seiner Liste, aber einige Auszubildende sprechen ihn an, er solle doch am Glücksrad drehen und so gewinnt er einen Schlüsselanhänger. Eine Auszubildende schwärmt ihm von den vielfältigen Einblicken vor, vor allem aber von einem Aspekt, der bislang noch nicht zur Sprache kam: Sie ist begeistert von den guten Arbeitsbedingungen, der guten Betreuung und der Möglichkeit, freitags um 13 Uhr nach Hause zu gehen. "Und man muss sich am Anfang der Ausbildung noch nicht entscheiden, wo man am Schluss hinwill!"

Schließlich will er noch zum DRK. Luca ist etwas enttäuscht, dass es dort keine Broschüren zur Ausbildung als Rettungssanitäter gibt, auch wenn ihm das im letzten Jahr versprochen wurde, und ein ehrenamtliches Engagement beim Roten Kreuz kommt für ihn zeitlich nicht in Frage.

Fazit

Insgesamt zieht Luca aber ein positives Fazit der Ausbildungsbörse: Eigentlich könnte man ja einfach die Prospekte daheim lesen, aber die Leute an den Ständen waren alle sehr freundlich und sie haben sich professionell präsentiert. Auch konnte er Unternehmen kennenlernen wie die Firma Conductix Wampfler, von denen er bislang nicht wusste, was sie herstellen, und die Aussage der Auszubildenden vom Landratsamt, dass man sich zu Beginn noch nicht entscheiden müsse, ist ihm geblieben. Andererseits waren es fast zu viele Informationen auf einmal, und was er für eine Ausbildung machen will, weiß er immer noch nicht. "Wahrscheinlich muss ich ein Praktikum machen, um besser zu wissen, was mir gefallen würde."