Abi

So haben sich die Abi-Logos und Streiche in Schopfheim entwickelt

Nicolai Ernesto Kapitz

Von Nicolai Ernesto Kapitz

Do, 04. Juli 2019 um 08:00 Uhr

Schopfheim

100 Abiturienten feiern in Schopfheim das Ende ihrer Schulzeit. Der Blick zurück zeigt: Früher waren die Streiche derber, doch nicht jeder kam bei den Lehrern gut an. Ein Beispiel: Superkleber an Türen.

"ABIkini – 12 Jahre Kurvendiskussion" – mit diesem originellen Motto haben sich am Mittwoch mehr als 100 Schüler am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium aus ihrer Schulzeit verabschiedet. Mit dem traditionellen und meistens feucht-fröhlichen Abistreich wird am THG schon seit Jahrzehnten das Ende der Abiturprüfungen gefeiert. Und bei der Suche nach einem möglichst einzigartigen Motto und Logo zerbrechen sich manche Schüler länger den Kopf, als in der Prüfung.

Auf einmal ist alles vorbei – der Prüfungsdruck fällt ab, alles fühlt sich auf einmal leicht an, die Welt steht einem offen. So fühlt sich zumindest ein Großteil derer, die den mehrmonatige Prüfungsmarathon zum Abitur hinter sich gelassen haben. Hermann Hesses Steppenwolf, Goethes Faust in Deutsch, Stochastik, Geometrie und Kurvendiskussion in Mathe – alles Schnee von gestern, auch für den diesjährigen Jahrgang. Mit den mündlichen Prüfungen Anfang der Woche ging dieser Stress für die Schüler zu Ende, dafür begann direkt darauf die Feier-Phase, deren Höhepunkte der Abistreich und einige Tage später der Abiball in der Stadthalle sind.

Logo wurde demokratisch gewählt

Bereits am Dienstagabend haben sich die Abiturienten am THG getroffen, um alles vorzubereiten. Dass dabei auch schon ein wenig gefeiert wurde – teilweise mit für die Anwohner etwas zu lauter Musik – hat zwar die Polizei auf den Plan gerufen, was aber die Laune der nunmehr THG-Ehemaligen nicht wirklich getrübt hat. Am Mittwochmorgen beginnt dann der letzte Akt in einem für die meisten zwölfjährigen Schülerleben: Es geht raus auf den Schulhof, zur Enthüllung des Logos. "Wir haben es demokratisch ausgewählt", erzählt Abiturientin Svea Engelhardt. Die meisten Schüler entschieden sich für "ABIkini – 12 Jahre Kurvendiskussion". Der von findigen Jahrgangs-Köpfen erfundene Spruch setzte sich gegen Slogans wie "ABIpunktur – jeder Punkt kostet Nerven" oder "Abitanic – Der Pegel sinkt nie" durch.

Ein Blick auf die Ahnengalerie

"Ich finde es ganz schön originell", sagt Bio- und Chemielehrer Bernhard Bruzek, der den Abistreich vom Rande aus beobachtet. "Da gab es schon schlechtere." Wer die "Ahnengalerie" der Abi-Logos im Schulhof genauer betrachtet, kann sich ein Bild von der Kreativität früherer Jahrgänge machen: "Das Wars – die letzte ABIsode" (gemalt wie ein Star-Wars-Logo) aus dem Jahr 2003, "ABIcatraz – 13 Jahre lebenslänglich" oder auch "ABIos, Muchachos" aus dem Jahr 2002 zieren die Wände.

Beim Gedanken an frühere Jahrgänge und deren Streiche kommen Bernd Bruzek – einer der dienstältesten THG-Lehrer – Erinnerungen hoch: "Da sind viele verrückte Sachen passiert", erinnert er sich. Es gab Konzerte auf dem Rondell im Innenhof, die Lehrer wurden in einen Käfig gesperrt und mit Frühstück bewirtet, einmal sogar mit einem Traktoranhänger nach Wiechs kutschiert und dort zum Brunch eingeladen. Und auch die Streiche hatten es in sich: "Einmal haben Schüler mit Wasser gefüllte Becher auf alle Treppen gestellt. Da kam man weder hoch noch runter, das war echt eine gute Idee." Oft haben die Schulabgänger schon morgens Barrieren errichtet, um Lehrer wie Schüler am Betreten des Gymnasiums zu hindern.

Mit Wasserbomben und Spritzpistolen wurde die Schule verteidigt, oft uferte das zu einer regelrechten Wasserschlacht aus. Mit den Lehrern wurden Spiele organisiert, oft zum Spaß für beide Seiten, ab und zu "in bisschen drüber", erinnert sich Mathelehrer Dirk Brand.

Türen mit Sekundenkleber zugeklebt – nicht witzig

Manchmal gingen auch die Streiche schief: "Es gab einen Jahrgang, der hat die Türen mit Sekundenkleber zugeklebt. Das war nicht mehr witzig", sagt Bernd Bruzek. Und die stellvertretende Schulleiterin Birgit Müller erinnert sich noch an Paketklebeband, mit dem die Tür zum Lehrerzimmer verklebt wurde. "Die Streifen waren noch lange danach zu sehen und es war lange nicht klar, wer den Schaden bezahlt", erzählt sie schmunzelnd.

Keine Spur davon in diesem Jahr: Um 11.30 Uhr fällt das Startsignal für die große Party, die Abiturienten bitten die Schüler und Lehrer aus den Klassenzimmern auf den sonnigen Sportplatz. Techno-Rhythmen wummern aus großen Boxen, in Planschbecken kühlen sich die Schüler ab oder füllen ihre Super-Soaker nach, um die eine oder andere Fontäne loszulassen. Eine echte Wasserschlacht gibt es nicht und das Tauziehen Lehrer gegen Schüler ist nach ein paar Sekunden vorbei. Trotzdem: Die Party findet großen Anklang, ein Großteil der Schüler feiert mit den Abiturienten mit. Einige davon ein wenig sehnsüchtig: Die jetzige elfte Klasse hat den Prüfungsmarathon im nächsten Jahr vor sich, bevor auch sie sich in die Feiern am Abistreich und beim Abiball stürzen dürfen.