So verkauft man Immobilien mit Spaß

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Mi, 16. Oktober 2019

Staufen

Die Sparkasse Staufen-Breisach hatte Kunden zu einem Abend mit einem Profi-Makler und einem Comedian ins Spiegelzelt geladen.

STAUFEN. Auch nach dem Ende der Staufener Kulturwoche am Sonntag stand das schöne Spiegelzelt auf dem hinteren Schladererplatz nochmals im Mittelpunkt des Geschehens der Fauststadt. Die Sparkasse Staufen-Breisach hatte die illustre Location am Montag für einen Abend mit ihren Kunden gebucht, der unter dem Thema "Immobilienverkauf" stand und neben einem Fachvortrag mit dem Auftritt von Comedian Gunzi Heil fast schon eine Verlängerung der Kulturwoche bot.

Georg Ortner ist Makler von Beruf und gibt als Entertainer mit Fachkenntnissen Tipps, was man beim Verkauf seines Hauses oder seiner Wohnung beachten muss, um Erfolg zu haben. Das sei ein immer wichtigerer Markt auch für die Sparkasse Staufen-Breisach, wenn man bedenke, so Ortner, dass der älter werdenden Generation nach Auszug der Kinder ihre Häuser zu groß werden, während junge Familien auf der Suche nach Eigenheimen aus den zu teuer gewordenen Städten immer weiter aufs Land drängten.

Er plädierte in seinem Vortrag für Geduld beim Verkauf – durchschnittlich 14 Monate vergingen vom Angebot bis zum Notartermin, und die Interessenten sähen sich durchschnittlich zwölf Objekte direkt an und dazu hunderte auf den einschlägigen Internet-Plattformen.

Auch sei es falsch, mit einem hohen Preis zu starten und dann sukzessive herunterzugehen; wer zocken wolle, könne sogar unter seinem Wunschpreis einsteigen, in der Hoffnung, dass sich die Interessenten drängelten und sie angesichts der Menge von Konkurrenten von selbst einen höheren Kaufpreis bieten würden.

Wichtig sei auch immer, mit interessanten Texten und professionellen Fotos Neugierde zu erzeugen und statt zahlenüberfrachteter Grafiken einen einfachen Grundriss zu erstellen. Und schließlich, wenn sich die Interessenten meldeten: sie nur auf einem Prepaid-Handy anrufen lassen, um die Nummer für einen Rückruf bitten, in Gesprächen und Mails keine sensiblen Daten über Haus und Lage mitteilen und die Situation bei Hausbesichtigungen immer unter Kontrolle haben.

Und schließlich noch ein bisschen Verkaufspsychologie: Wenn ein Ehepaar kommt, immer mit der Frau sprechen und sie gleich fragen, was sie denn verändern würde, etwa so: "Ich bin sicher, dass Sie schon wissen, wie es hier in sechs Monaten aussehen wird.". Denn Menschen kauften Zukunft, keine Häuser, so Ortner.

"Ich hab‘ so Lust bekommen, eine Immobilie zu verkaufen, aber ich hab‘ grad keine." Mit diesen Worten stieg Gunzi Heil (blonde lange Haare, Hose und Klavier in Sparkassenrot) in die zweite Hälfte des Abends ein. Er frage sich, weshalb der Sparkassenchef in seiner Begrüßung die Menschen beglückwünscht hatte, die eine Immobilie besitzen – nur um ihnen dann zu zeigen, wie man sie schnell verkauft. Es war der Auftakt zu einer Stunde Comedy vom Allerfeinsten. Ohne den Vortrag des Maklers vorher zu kennen, baute Heil sein gesamtes Programm so gekonnt improvisiert auf den Aussagen, Thesen und Bemerkungen Ortners auf, als seien die beiden ein Paar, das gemeinsam Comedyauftritte hinlegt.

"Gut, dass wir ins Spiegelzelt gegangen sind und nicht in die Sparkasse; der Ortner verkauft Ihnen sonst Ihr Gebäude unterm Hintern weg." Damit hatte der Comedian das Publikum auf seiner Seite, und nun folgte Gag auf Gag. Ein minutenlanges, immer furioseres Rechenexperiment mit Hilfe von Dutzenden von Zahlen aus Ortners Vortrag, um zu zeigen, warum die Veranstaltung gerade am 14.10. stattfinden musste; eine fiktive Besichtigung des Verkaufsobjekts "Sparkasse" durch den Makler, der auf die Frage, was man denn umbauen und rausschmeißen würde, zur Antwort hört: "Ach, den Tresorraum würde ich behalten."

Zum Schluss warf seine Puppe Zweistein noch mit den Werbegeschenken der Sparkasse um sich und durfte das Programm mit einem Kleinfeuerwerk abschließen, wobei er die Buchstaben "ST" im Ortsnamen Staufen durch ein "K" ersetzte, was dann "Kaufen" ergab. Bleibt zu hoffen, dass bei der Planung des Kulturwochenprogramms für das kommende Jahr unter dem Motto "Paradiesvögel" Platz ist für Gunzi Heil.