Corona-Winter

Soll die Skisaison abgesagt werden?

dpa, bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 28. November 2020 um 10:02 Uhr

Südwest

Skifahren im Corona-Winter – ja oder nein? Italiens Ministerpräsident und Kanzlerin Merkel wollen die Skigebiete geschlossen lassen. Österreich, die Schweiz und auch die Liftbetreiber in der Deutschland und der Region sind dagegen.

Angesichts der anstehenden Skisaison ist eine Diskussion über den Wintersport in der Corona-Krise entbrannt. Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte hat vorgeschlagen, Skigebiete mindestens bis 10. Januar geschlossen zu halten, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterstützte den Vorstoß. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich am Donnerstag im Bundestag dafür aus, alle Skigebiete in Europa zu schließen. Österreich und die Schweiz sind dagegen, ebenso die Skiliftbetreiber in Deutschland und der Region. Ein Überblick.

Umfrage:



Was will Italien?
Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte will Skigebiete angesichts der Corona-Pandemie mindestens bis 10. Januar geschlossen halten. "Es ist nicht möglich, einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten", sagte er. Wenigstens eine länderübergreifende Regelung forderten die italienischen Regionen. Man könne das Skifahren nicht in Südtirol verbieten, es aber in Kärnten erlauben, sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia.

Was sagt Österreich?
Österreich wehrt sich gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete oder auch nur eine Abstimmung der Öffnungstermine. Öffnungsschritte in allen Bereichen, darunter der Sport, würden von den Staaten unterschiedlich gehandhabt, sagte Kanzler Sebastian Kurz. "Das hängt immer mit den Infektionszahlen zusammen, und zwar den Infektionszahlen bei uns in Österreich. Wenn jemand einen Lift verwendet, dann ist das ähnlich, wie wenn er ein öffentliches Verkehrsmittel verwendet", so Kurz.

Was sagt die Schweiz?
Widerstand gegen eine Schließung kommt auch aus der Schweiz. "In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg – für den Moment – richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann", sagte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus. Das Thema sei nicht neu. "Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt", so Berger.

Was sagt Frankreich?
Die französische Regierung steht an der Seite Italiens. Im Land sollen die Skilifte während der Festtage stillstehen, Präsident Emmanuel Macron kündigte eine mögliche Wiedereröffnung "unter guten Bedingungen" für den Januar an. Die französischen Liftbetreiber sprachen von einer "wahnwitzigen" Entscheidung.

Was sagen Merkel und Söder?
"Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte Merkel im Bundestag. "Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen." Bayerns Ministerpräsident Söder und sein Kabinett schoben dem Skifahren in Nachbarländern schon mal einen Riegel vor. Wer in Risikogebiete reist, als welche gegenwärtig auch Österreich und die Schweiz gelten, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne. Eine bisherige Ausnahmeregel für Tagestouristen soll entfallen.

Wie steht Stuttgart dazu?
Die Landesregierung will Bayern vorerst nicht folgen. Es gilt weiterhin die Regel, dass nicht in Quarantäne muss, wer sich weniger als 24 Stunden in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Es gelte die "Bemühungen der Bundesregierung zunächst abzuwarten, ehe die Bundesländer gegebenenfalls eigenständige Entscheidungen treffen", sagte ein Sprecher des Sozialministeriums der BZ. Das Land rate aber, "derzeit überhaupt keine nicht zwingend notwendigen Reisen zu unternehmen, sondern die Zahl der Sozialkontakte auf ein Minimum zu reduzieren".

Was sagen die Liftbetreiber bei uns?
Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS). Bewegung an der frischen Luft sei gesund und das Infektionsgeschehen in Ischgl sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen. Im österreichischen Ischgl hatten sich im vergangenen Winter zahlreiche Touristen bei Partys angesteckt. "Das Problem waren und sind ja nicht die Skilifte, sondern Einrichtungen im Umfeld, wie etwa Après-Ski-Stadl," sagte auch Adrian Probst, der Vorsitzende des Liftverbunds Feldberg der BZ. Solche Einrichtungen spielten im Schwarzwald keine Rolle. "Ich plädiere deshalb für einen regionalen, begrenzten und mit klaren Regeln gesteuerten Skibetrieb an der frischen Schwarzwaldluft."

Was will Österreich anders machen?
Mit Blick auf Ischgl will auch Österreich Après-Ski untersagen und nur den Skibetrieb aufrecht erhalten. "Urlaub in Österreich ist sicher", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger dem Spiegel. Sie verwies auf Maskenpflicht und Abstandskonzepte: "Man holt sich das Virus nicht draußen beim Skifahren."