Spahn: Ruhe vor dem Sturm – dramatische Lage im Elsass

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Von dpa, Karl-Heinz Fesenmeier, Bärbel Nückles & Joachim Röderer

Fr, 27. März 2020

Deutschland

In Frankreich werden nicht alle Covid-19-Kranke behandelt / Zahl der Toten in Südbaden steigt auf 21.

BERLIN (dpa/fes/bnü/rö). Im Kampf gegen das Coronavirus geht Gesundheitsminister Jens Spahn von weiter steigenden Belastungen für Ärzte und Pfleger aus. "Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm", sagte er. Es bleibe daher nötig, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Wegen dramatischer Zustände im Elsass soll Paris erwägen, die Bundeswehr um Hilfe zu bitten.

Tübinger Katastrophenmediziner berichten: Mediziner an der Uniklinik Straßburg arbeiten weiter mit Corona-Patienten, obwohl sie selbst infiziert sind. Die ältesten Patienten würden nicht länger beatmet. Stattdessen erfolge "Sterbebegleitung mit Opiaten und Schlafmitteln".

Wegen der Dramatik im Elsass will Frankreich in Deutschland laut Spiegel um die Hilfe der Bundeswehr ersuchen. Paris habe in Berlin über militärische und diplomatische Kanäle angefragt. Benötigt würden Helikopter zur Verlegung von Corona-Patienten aus dem Elsass in andere Landesteile. Zudem könnte die Bundeswehr demnach bei der Versorgung von Patienten helfen. Paris schwebe auch ein Einsatz der deutsch-französischen Brigade vor. Derweil nimmt Deutschland 47 Corona-Patienten aus Italien auf.

In Baden-Württemberg sind laut Sozialministerium 76 Menschen an der vom Virus Sars-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Die Zahl der Toten in der Region stieg um sechs auf 21.

Angesichts der Epidemie rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bürger und die Staatengemeinschaft zum Zusammenstehen auf. In einer Videobotschaft würdigte er zugleich die "Heldinnen und Helden in der Corona-Krise" wie Ärzte, Pfleger, Mitarbeiter von Supermärkten. Das Gebot der Stunde laute "Abstand halten" und dies bedeute Verzicht. Das falle allen Menschen schwer. "Doch nur der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben."

Obwohl die Zahl der Infizierten steigt, hat die Bundesregierung eigenem Bekunden nach weder konkrete Pläne, die Bewegungsfreiheit der Bürger weiter einzuschränken noch sie in absehbarer Zeit zu lockern. Fast zwei Drittel der Deutschen rechnen mit weiteren Einschränkungen der persönlichen Freiheit. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov äußerten 64 Prozent die Erwartung, dass die Maßnahmen zur Vermeidung zwischenmenschlicher Kontakte verschärft werden. 20 Prozent glauben nicht daran. Die Akzeptanz der Maßnahmen ist der Umfrage zufolge riesig.

Laut Spahn arbeitet die Regierung an Konzepten für "eine Zeit nach Corona", in der man weiter gegen das Virus kämpfe, das öffentliche Leben aber schrittweise normalisiere. Dies solle nach Ostern Thema sein.