Demütige Töne

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 22. September 2019

Ringen

Der Sonntag Ringen-Saison startet mit dem Derby Adelhausen gegen Hausen-Zell.

Die Ringen-Bundesligisten aus dem Dreiländereck, der TuS Adelhausen und die RG Hausen-Zell, wissen vor dem Auftaktderby kommendes Wochenende noch nicht, wo sie stehen.

Wahre Freude klingt anders. "In unseren beiden erfolgreichsten Jahren haben wir auch die größten Nackenschläge erlebt", sagt TuS-Adelhausen-Trainer Florian Philipp eine Woche vor dem Start in die neue Runde. Der Blick in die unmittelbare Vergangenheit dient Philipp als Hintergrundfolie, um zu erklären, warum seine Griffkünstler dieses Jahr demütigere Töne anspielen.
"Wir wollen in die Playoffs", betont der 33-Jährige, der seit einem halben Jahrzehnt die Fäden am Dinkelberg in der Hand hält. Unter seiner Ägide hat es der TuS zweimal bis ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft geschafft – zweimal bedeutete das den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Beide Erfolge waren aber mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden. Beim ersten Halbfinaleinzug vergeigten die Philipp-Männer gegen die KSV Köllerbach eine haushohe Führung aus dem Hinkampf, im diesjährigen Halbfinale gegen den späteren deutschen Meister Wacker Burghausen kam es zum Eklat, der bis heute nachwirkt. Ob die Oberbayern zum ersten Kräftemessen im Januar, bei dem sie aufgrund von Schneegestöber zu spät erschienen, rechtzeitig losgefahren waren oder nicht, erregt bis heute die Gemüter. Nach dem die Liga den Adelhausener Protest im Frühjahr ablehnte, gingen die Dinkelberg-Ringer in die nächste Instanz. "Abgeschlossen ist der Prozess noch nicht", sagt Sportchef Timo Zimmermann. Und: "Wir haben uns das Ziel gesetzt, eine Mannschaft zu formen, welche die richtige Einstellung, Haltung und Mentalität besitzt", sagt Zimmermann.

"Unser Kader ist stark verschlankt", betont indes Philipp. Nedyalko Petrov, Manrikos Theodoridis, Edgaras Voitechovskis, Denis Horvath und Gregor Reim stellen das neue, durchaus namhafte Ausländer-Quintett bei den Dinkelbergern.

Für das Auftaktderby gegen die RG Hausen-Zell kommenden Samstag hat Philipp kleine Ziele. "Es soll sportlicher ablaufen als letztes Jahr." Damals erschienen die Wiesentäler völlig dezimiert und ohne Trainer in der ausverkauften Dinkelberghalle. Der Kampf am grünen Tisch war von vornerein entschieden. Gekämpft wurde trotzdem – allerdings nur zu Trainingszwecken. Für Philipp immer noch eine getrübte Erinnerung. "Das tut uns weiterhin leid. Aber damals ging es bei uns einfach nicht anders", erklärt RG-Trainer Florian Hassler. Der personelle Engpass aus dem Derby der Vorsaison verweist auf das Kernproblem der RG Hausen-Zell vergangene Runde. "Wir waren zu dünn aufgestellt." Daher haben sie den Kader auf ein breiteres Fundament gestellt. Auch wenn sie in Gergö Wöller, Szabolcs Laszlo, Benny Vogt und Vladislav Wagner vier Leistungsträger verloren haben, der Kader dürfte heuer insgesamt stärker sein: Die Neuzugänge haben Qualität.

Mit Razvan Marian Kovacs kommt ein Junioren-Vizeeuropameister, der jüngst Fünfter bei der U23-EM (57 Kilo) geworden ist. Zudem wären da noch der Rumäne Alexandru Solomon, das deutsche Talent Leon Gerstenberger, der Deutsch-Pole Arkadiusz Böhm, und der Russe Zurab Kapraev sowie eine Handvoll Jugendringer aus dem eigenen Stall.

"Aber auch die Liga ist stärker", betont Hassler: "Da kein Aufsteiger dazu gekommen ist, wir sind als Aufsteiger aus dem Vorjahr eigentlich immer noch der Underdog." Auch im Wiesental suchen sie noch nach ihrer Rolle. Irgendwo zwischen aufstrebendem Dorfverein und ambitioniertem Außenseiter. Die Vorfreude im Dreiländereck kommt in der Undurchsichtigkeit grauer Schattierungen zum Saisonstart daher.