Sterbehilfe

Starmediziner plädiert für Verbot

Wolfgang Prosinger

Von Wolfgang Prosinger

Do, 13. November 2014

Deutschland

Die Debatte über Sterbehilfe lenkt von den wahren Bedrohungen am Lebensende ab – eine Begegnung mit dem Palliativmediziner Gian Domenico Borasio.

Er hat jetzt das schwarze Sakko ausgezogen und sich einen Pullover übergestreift. Sitzt in den Polstern eines Cafés, gleich um die Ecke des Zürcher Hauptbahnhofs, und der Pullover leuchtet in einem gut gelaunten Orangeton, als wollte er dem Herbstgrau ein Licht aufsetzen. Als sollte die Farbe einen Kontrast zu dem Thema bilden, um das es im Zürcher Café gleich gehen wird, ums Sterben. Und als sollte diese Farbe eine Botschaft übermitteln: dass das Sterben sehr viel mit dem Leben zu tun hat.
Daran glaubt Gian Domenico Borasio fest. Deshalb ist er Palliativmediziner geworden, einer der bekanntesten, die es gibt. Wenn der Bundestag an diesem Donnerstag beginnt, über ein Gesetz zur Sterbehilfe zu diskutieren, über die Hilfe zum Suizid, dann wird Borasio im Hohen Haus zwar nicht persönlich anwesend sein, aber ein Stück von ihm schon. Denn zusammen mit drei Medizinethikern und Juristen hat der 52-Jährige einen Vorschlag zu einem Gesetzentwurf vorgelegt. Und so könnte das Gesetz, das nach gründlichen Debatten etwa in einem Jahr verabschiedet werden soll, seine Handschrift tragen. So etwas ist ihm schon einmal gelungen. Als im Jahr 2009 der Bundestag das Gesetz zur Patientenverfügung auf den Weg brachte, hatte Borasio daran mitgewirkt. Sein Buch "Über das Sterben" ist mit mittlerweile mehr als 150 000 Verkäufen ein Bestseller geworden, und nun im Oktober hat er ein zweites vorgelegt: "Selbstbestimmt sterben".
Dass das Weinen und das Lachen, das Leben und das Sterben sehr viel miteinander zu tun haben, ja zusammengehören, ist nicht nur Borasios tiefe Überzeugung, das lebt er auch vor. Zum Beispiel gerade jetzt in Zürich, kurz bevor er sich ins Café setzte und als er noch das schwarze Sakko anhatte. Da hat er im städtischen Kunsthaus einen Vortrag gehalten. ...

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