Optimismus macht sich breit

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Mi, 16. September 2020

Wirtschaft

Statistiker sehen Anzeichen für eine schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft.

. Die deutsche Wirtschaft kommt nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes zusehends aus dem Corona-Tief. "Viele Indikatoren sprechen für eine V-förmige Entwicklung", sagte Albert Braakmann, Leiter Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beim Statistischen Bundesamt, am Dienstag.

Damit würde die deutsche Wirtschaft nach dem Tiefpunkt im zweiten Vierteljahr wieder schneller nach oben kommen als bei einer von vielen befürchteten nur U-förmigen Entwicklung. Konkrete Wachstumsdaten für Juli und August nannten die Statistiker am Dienstag nicht. Auch eine Prognose für die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal wollten sie am Dienstag nicht abgeben.

Die von den Statistikern registrierte V-förmige Erholung der Wirtschaft sei zwar klar für viele Branchen erkennbar, sie verlaufe aber asymmetrisch: Es gehe nicht so schnell nach oben wie es nach unten gegangen sei. "Der Rückgang war abrupt, die Erholung erfolgt langsamer", sagte Braakmann. Wichtiger Indikator ist für die Statistiker der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex (siehe Grafik oben). Er zeigt, wie die Lkw-Fahrten zunehmen. Danach war der Tiefpunkt Anfang April, seither geht es wieder aufwärts, wenn auch nicht so schnell, wie es im März abwärts ging. Der Anstieg habe sich in den ersten Septembertagen fortgesetzt, so Braakmann.

Gestützt wird der vorsichtige Optimismus vom Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. Danach hellten sich die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten im September überraschend auf. Der Index erreichte den höchsten Stand seit Mai 2000. Im zweiten Vierteljahr waren das Bruttoinlandsprodukt und damit der Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen um 9,7 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal eingebrochen. Es war der stärkste Rückgang in einem Quartal seit 1970. Braakmann verweist im Blick auf die weitere Entwicklung unter anderem auf die wieder steigende Produktion in der Automobil- und in der Chemie-Industrie, auch wenn sie weiter unter Vorkrisenniveau liege. Auch beim Auftragseingang gehe es wieder nach oben, etwa in der Automobilindustrie. Das Niveau liege aber generell über alle Branche hinweg immer noch gut acht Prozent unter den Vorkrisenzahlen von Februar. Das liegt nach Angaben der Statistiker vor allem an der nach wie vor schwierigen Lage im Hotel- und Gastgewerbe und den immer noch weit unter Vorkrisenniveau liegenden Fluggastzahlen. Sie lagen im August immer noch 75 Prozent unter den Werten vom August 2019. Auch der Export liege trotz Zuwächsen von jeweils knapp fünf Prozent im Juni und Juli immer noch mehr als zwölf Prozent unter dem Niveau von vor der Krise.

Im Gegensatz zur Erholung nach der Finanzmarktkrise 2008 spielt diesmal der private Konsum eine deutlich geringere Rolle. Das liege an den rückläufigen Einkommen, bedingt auch durch die hohe Zahl der Kurzarbeiterinnen und Kurzarbeiter und die geringere Erwerbstätigkeit. Im August seien gut 580 000 weniger Menschen erwerbstätig gewesen als noch im Februar. Zudem seien viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

Wenn die Deutschen allmählich wieder mehr einkaufen, profitiert davon allerdings der klassische Einzelhandel nur bedingt. Im Juli lagen die Umsätze nach Angaben der Statistiker knapp ein Prozent höher als im Februar. Dagegen legten die Umsätze über das Internet und im Versandhandel um mehr als acht Prozent zu.