Nicht nur Steinens Landwirte fühlen sich allein gelassen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 24. August 2020 um 15:55 Uhr

Steinen

Hägelberger Vollerwerbslandwirte berichten beim Besuch von CDU-Politikern von Schwierigkeiten und Enttäuschung über die Politik. Nachfolger zu finden wird immer schwieriger.

Die einzige Biogasanlage im Kreis Lörrach steht beim innovativen Landwirtschaftsbetrieb der Familie Glaser in Hägelberg. Er fühle sich wie viele Landwirte von der Politik allein gelassen, sagte Hanspeter Glaser beim Besuch verschiedener CDU-Vetreter auf seinem Hof. Euro-Bürokratismus, Düngemittelverordnung, Agrar-Paket und Klima-Steuern seien Reizthemen. Besonders junge Landwirte kehrten der CDU den Rücken, weil sie in ihrem Beruf keine Zukunft mehr sehen, schreiben die Christdemokraten in einer Mitteilung.

Am Besuch nahmen unter anderem Vize-Parteivorsitzende Sylvia Breher, Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, Landtagskandidat Christof Nitz und seine Stellvertreterin Anja Herzog, Bürgermeister Gunter Braun und Jonas Kaufmann (Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband) teil. Eingeladen hatte Steinens CDU-Ortsverband.

Nur noch zwei Vollerwerbsbetriebe

In Hägelberg gebe es nur noch zwei landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Hanspeter Glaser erklärte, wie er mit mehreren Absatzsparten sein wirtschaftliches Auskommen findet. Neben einer Schweinezucht betreibt er die Biogasanlage zur Strom- und Wärmevermarktung, Auch bietet er anderen Landwirten , vornehmlich aus der Schweiz, Heu, Stroh und Mais, landwirtschaftliche Lohnarbeit und eine Maschinenvermietung an. Große Sorgen mache ihm, dass viele Biogasanlagen aus der festen Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen werden. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Deutschland Mühe hat, die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen, werde den Bio-Stromerzeugern die Produktion wirtschaftlich erschwert.

Glaser bemängelt auch, dass selbst die Flächenbewirtschaftung immer mehr behördlich kontrolliert werde. Der damit einhergehende Finanzinvestitions- und Kontroll-Dokumentationsaufwand könne einen Landwirtschaftsbetrieb finanziell unter Druck setzen, wie er am Beispiel der neuen Güllenverordnung ausführte. Sorgen machen würden ihm auch die sich immer schneller ändernden Betriebsvorschriften, die mitunter sogar keinen Bestandschutz zuließen. Bisher gelte als ausgemacht, dass sein Sohn den Betrieb in naher Zukunft weiterführe. Aber die Zweifel daran würden immer größer.

Marktnischenbieten Überlebenschancen

Durch eine konsequente Ausrichtung auf Marktnischen könnten mittelständische Landwirte wohl noch überleben, meinen die Landwirte Norbert Götz und Jonas Kaufmann. Der lokale Direktvermarkter Götz betreibt in Höllstein eine Sonderkulturwirtschaft und beschickt den Steinener Bauernmarkt mit regionalen Agrarprodukten. Er habe für seinen Betrieb keinen Nachfolger, daher werde sein Landwirtschaftsbetrieb von der Bildfläche verschwinden. Auch Kaufmann setzt auf Vielseitigkeit seines Angebotes. Zusätzlich zum Hofladenverkauf liefert er Produkte in der nahen Umgebung als Bestellservice bis vor die Haustür. Seine Familie erschloss sich eine neue Marktnische: ein Teil der erzeugten Milch wird zu Bauernhofeis verarbeitet.