Stimmgewalt dringt bis in den letzten Kirchenwinkel

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 18. Januar 2020

Schopfheim

Peter Orloff und der Schwarzmeer-Kosakenchor sorgen mit ihrem russischen Programm für Gänsehautmomente in der Stadtkirche.

SCHOPFHEIM. Zu einer Reise durch das alte Russland nahmen Peter Orloff und der Schwarzmeer-Kosakenchor die Zuhörer in der fast vollbesetzten evangelischen Stadtkirche Schopfheim mit. Stimmgewaltig präsentierten die Sänger am Mittwochabend geistliche Gesänge aus der russisch-orthodoxen Liturgie, bekannte Opernarien und Melodien der Klassik. Der Verein "Help-World" hatte dieses Benefizkonzert zugunsten der SOS Kinderdörfer in Tunesien veranstaltet.

Die Kraft und Stimmfülle der Schwarzmeer-Kosaken trug mühelos ins ganze Kirchenschiff. Star und prominentes Zugpferd des Ensembles ist Peter Orloff, den viele als Schlagersänger aus Hitparaden-Zeiten kennen. Der Bariton, inzwischen 75, hat seine Sängerkarriere mit 14 Jahren bei dem Kosakenchor begonnen. Charmant sagte er die Stücke an, gesellt sich in schmucker Kosakenuniform in die Chorreihen und singt, untermalt mit großer Gestik, seine Soli.

Die Sänger, unter denen kellertiefe Bässe, imponierend stimmstarke Tenöre und ein extrem hoch singender "Soprano" versammelt sind, eröffnen den Abend mit dem "Vater Unser". Zu diesem innig gesungenen Gebet erhebt sich das Publikum. Würde und tiefe religiöse Ausdruckskraft, das gewaltige Volumen der Stimmen erfüllen den Kirchenraum bis in den letzten Winkel. Der Bassist Stefan Arininsky tritt solistisch mit tiefdunkler Stimme in geistlichen Gesängen der russischen Kirche hervor. Voller Inbrunst singt der Tenor Alexander Steinbrecher den Solopart im bewegenden "Ave Maria" von Schubert. Die Puccini-Arie "Nessun Dorma" sang Teodor Kunitzki mit dramatischer Durchschlagskraft.

Die kirchenfüllende Stimmenmacht der Schwarzmeer-Kosaken kommt im Gefangenenchor "Va Pensiero" aus Verdis "Nabucco" in voller Größe zur Wirkung. Wie Peter Orloff dem Publikum erzählt, waren die Sänger öfter auch im Fernsehen zu Gast, etwa bei Carmen Nebel, und haben sogar die Hitlisten erobert. Vor 52 Jahren, so erinnerte sich Orloff, stand er einmal auf dem zweiten Platz der Verkaufs-Charts, hinter Peter Alexander und vor den Beatles. "Die Zeiten ändern sich, ich bleibe", kommentierte der Sänger.

Die Sänger wurden von drei hervorragenden Musikern auf typischen russischen Instrumenten begleitet. Ilia Kurtev am Bajan, dem russischen Akkordeon, Irina Kripakova an der Domra und Slava Kripakov an der Kontrabass-Balalaika begeisterten mit schwelgerischem Spiel in der Ballettmusik aus "Schwanensee" von Tschaikowsky, in dem Stück "Schneegestöber" und in der berühmten "Petersburger Schlittenfahrt". "Die Schlitten haben wir mitgebracht, den Schnee müssen Sie sich dazu denken", so Orloff zu diesem rhythmisch vitalen Instrumentalstück.

"Ein Gottesgeschenk", kommentierte Orloff den Auftritt von Igor Ischak (Soprano), der in extrem hoher Stimmlage "Das Glöckchen" sang und auch in "Leise flehen meine Lieder" seine hohe Stimme und Strahlkraft vorführte. Der von Dirigent Atanas Kirtscheff geleitete Schwarzmeer-Kosakenchor hatte "Perlen der russischen Musik" im Programm, darunter die lebendig vorgetragene "Promenade am Don" und das schöne folkloristische Lied "Das Körbchen". Auch das beliebte Wolgalied aus dem "Zarewitsch" von Franz Lehár fehlte nicht, ein Paradelied für Peter Orloff, der auch in "Es strahlt ein Stern" stimmlich auf Gefühl setzte.

Lieder, Legenden, russische Seele, russisches Temperament, alles war geboten an diesem Abend, der mit den stimmmächtigen "Abendglocken" ausklang, bei denen die Sänger imponierend den Klang der Glocken imitierten. Bei dem mitreißenden "Kalinka" klatschten alle mit. Andächtig wurde es zum Schluss in dem Lied "Ich bete an die Macht der Liebe".

Der Verein "Help World" lässt die Spenden aus dem Benefizkonzert vier SOS-Kinderdörfern in Tunesien zufließen. Der Verein hilft nicht nur Kindern, sondern unterstützt zudem Bedürftige in einem tunesischen Altersheim.