Stimmungen und Ahnungen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 15. November 2019

Weil am Rhein

Galerie Underground: Bettina Bohns "Lichtmeer"-Bilder zeigen Landschaften und Figuren.

WEIL AM RHEIN. Meer, Wellen, Wind, Bäume, Nebel – elementare Natureindrücke hält die Malerin Bettina Bohn in atmosphärischen Bildern fest, die den Betrachter in Bann ziehen. Eine Auswahl dieser Landschaften ist in der Ausstellung "Lichtmeer" zu sehen, die am Sonntag in Rolf Freis Galerie Underground in Haltingen auf sehr große Beachtung bei rund 200 Vernissagebesuchern stieß.

Viele der Arbeiten auf Leinwand und Papier sind von Aufenthalten auf Sylt inspiriert. Sie malt vorzugsweise mit Pigmenten, die eine natürliche und weiche Leuchtkraft haben. Teilweise arbeitet sie auch mit Moorlauge und Schlick, dessen graubraune Tönung zu den Weiß-, Grau-, Brauntönen passt. Die Malerin verwendet gern Kohle oder Pastellkreide und reibt die Farben teils ohne Wasser direkt ins Papier. Dadurch entstehen sanfte Farbübergänge, manche Stellen lässt Bohn sehr schön zerfließen. Wie man im Film beobachten kann, malt sie intuitiv, von der Stimmung geprägt, nimmt Wind, Meer, Sand, Dünen mit allen Sinnen wahr und setzt das Gesehene frei und abstrahiert um. Größere Bilder auf Leinwand werden im Atelier Schicht um Schicht gemalt, bis sie dem entsprechen, was Bettina Bohn sich vorgestellt hat.

Auf Sylt ist sie auch auf Krüppelkiefern gestoßen. Die Baum- und Waldbilder haben etwas Geheimnisvolles, eine fast unwirkliche Stimmung. Durch die schemenhaften Bäume fällt diffuses Licht, das Spiel von Licht und Schatten taucht die Waldlandschaften in eine besondere Atmosphäre. Auch die Strukturen der Stämme und Rinde treten hervor in dem Bild "Birke". Bettina Bohn löst sich in den abstrahierten Baumsilhouetten stark vom Gegenständlichen, es geht ihr um Stimmung, um die Wahrnehmung von Licht.

Schon fast an der Grenze zur Abstraktion sind die Nebelbilder, in denen die Malerin die Landschaft in weißliche Nebelschleier hüllt. Wie in Suchbildern taucht aus der Nebellandschaft erst bei genauer Hinsicht hier eine Baumgruppe, dort ein Stück Berg oder eine Ahnung von Wald auf. Aber auch in den Dünenlandschaften und der Reihe "Dämmerung" setzt die Malerin Naturstimmungen losgelöst vom Abbildhaften um. Im rötlichen Schein der Abendsonne spiegeln sich Bäume, Büsche, Pflanzen im Wasser, zaubern Lichtreflexe und Strukturen. Durch die vielen Schichten und das stellenweise Abkratzen und wieder Auftragen der Farben erzeugt sie interessante Strukturen und Tiefe in ihren Landschaften.

Grandios sind schließlich auch die Meeresbilder, in denen sie die Wucht, Dynamik und Bewegung der Wellen fantastisch zur Wirkung bringt. In nuancenreichen Blau-, Türkis- und Weißtönen fängt sie die Brandung, Gischt und die heranrollenden Wellen ein. Wie die Künstlerin und langjährige Kunsterzieherin in der Filmdokumentation erzählt, gibt es in ihrer Malerei zwei große Themen: die Figur und die Landschaft. Wie sensibel Bohn auf Natur reagiert, sieht man in der Ausstellung an den zarten, skizzenhaften Impressionen von Küsten, Dünenpflanzen, Berglandschaften, Wurzeln und "Zauberwald"-Bilder, alle sehr reduziert und poetisch, voller spontaner Leichtigkeit eingefangen im gestischen Strich, den natürlichen Farbtönen, dem Zauber von Licht und Atmosphäre.

Die Ausstellung in der Galerie Underground (Eimeldingerweg 16) ist bis 20. Dezember freitags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am 5. Dezember, 19 Uhr, gibt es einen lyrisch-musikalischen Abend mit Uli Führe und Markus Manfred Jung.