Bonndorf/Grafenhausen

Streift ein Wolf durch den Südschwarzwald?

Juliane Kühnemund

Von Juliane Kühnemund

Sa, 30. November 2019 um 20:01 Uhr

Bonndorf

Ein Foto zeigt möglicherweise einen Wolf im Wald bei Bonndorf und Grafenhausen. Ob es sich nicht doch um einen Hund handelt, soll eine Untersuchung des Umweltministeriums ergeben.

Die Experten sind sich schon lange einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Wolf auch durch die Wälder des Südschwarzwaldes streift. Jetzt haben sich Hinweise auf einen Wolf im Raum Bonndorf/Grafenhausen verdichtet. Ein von einer Wildkamera aufgenommenes Bild zeigt ein Tier, bei dem es sich um einen Wolf handeln könnte. Außerdem liegen Losungsfunde vor, die derzeit am Senckenberg-Institut untersucht werden. Ein Ergebnis der Untersuchungen liege noch nicht vor, sagte der Pressesprecher des Umweltministeriums auf BZ-Nachfrage.

War es ein Wolf, oder eventuell doch ein Hund, der in die Fotofalle im Waldgebiet zwischen Bonndorf und Grafenhausen getappt war? Mit letztendlicher Sicherheit könne dies erst gesagt werden, wenn die Untersuchungsergebnisse der Losungsproben vorliegen, sagte der Pressesprecher des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Stuttgart. Das Foto zeigt das Tier nämlich nur von hinten. Diese Untersuchungen am Senckenberg-Institut können aber noch einige Tage dauern, so die weiteren Informationen.

Untersuchungsergebnis noch offen

Revierleiter Rainer Epple war von einem Jäger über das Foto informiert worden. Er und Stadtförster Steffen Wolf haben die Aufnahme an die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) weitergeleitet, die wiederum das Umweltministerium eingeschaltet hat. Wie die Förster im Gespräch mit der BZ bekannt gaben, war auch bereits ein Wolfsexperte der FVA mit einem auf Wolfslosung spezialisierten Suchhund vor Ort. Auf das Untersuchungsergebnis der Losungsproben sei man sehr gespannt, meinte Steffen Wolf.

Für den Bonndorfer Stadtförster wäre die Existenz eines Wolfes in der Region keine Überraschung. Schon seit geraumer Zeit werde damit gerechnet, dass ein Wolf auftaucht. In einem Einzelwolf sieht er auch kein Gefahrenpotenzial und für eine Rudelbildung, so der Förster, sei die Region zu klein strukturiert. Wichtig ist für Steffen Wolf allerdings, dass im Fall der Fälle die Entschädigungsfrage für Nutztierhalter geklärt ist.



Wölfe stellen keine Gefahr für Menschen dar

Nach Informationen des Umweltministeriums stellen Wölfe keine Gefahr für Menschen dar. Die sehr vorsichtigen Tiere meiden eine Begegnung mit Menschen. Falls Mensch und Wolf doch einmal zusammentreffen, seien gewisse Verhaltensregeln zu beachten: Abstand halten, die Tiere nicht bedrängen, langsam entfernen, auf keinen Fall hastig wegrennen. Kommt der Wolf näher, sollte man stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen, gegebenenfalls mit Gegenständen werfen. Der Mensch braucht sich also offenbar nicht vor dem "Bösen Wolf" zu fürchten, Nutztiere, insbesondere Schafe, stehen aber sehr wohl auf dem Speiseplan der Raubtiere.

Aus diesem Grunde sind Landwirte von der Rückkehr des Wolfes nicht gerade begeistert. "Wolf und Weidetierhaltung lassen sich nicht vereinbaren", sagt der Vorsitzende des BLHV-Ortsvereins Wutach, Siegfried Maier, im Gespräch mit der BZ. Und sein Amtskollege vom BLHV Bonndorf, Friedrich Bündert, ist ebenfalls überzeugt davon, dass es in der doch dicht besiedelten Region, in der Weidetierhaltung befürwortet wird, zu Konflikten mit dem Wolf kommen wird. Einzelwolf – na ja-, die Ansiedlung von Rudeln lehne der BLHV aber ab, sagte der BLHV-Bezirksgeschäftsführer Michael Martin gegenüber der BZ. Eine sichere Einzäunung der Weidetiere sei gar nicht machbar, die Haftungsfrage sie nicht geklärt. Letztendlich bleibe der Landwirt auf dem Schaden sitzen, befürchtet der BLHV-Geschäftsführer.

Das Umweltministerium hat die Nutztierhalterverbände und die örtlichen Wildtierbeauftragten bereits über die mögliche Existenz eines Wolfes in der Region Bonndorf/Grafenhausen informiert. Jetzt gilt es abzuwarten, ob die Untersuchungsergebnisse den Wolf bestätigen.
Wer übrigens meint, einen Wolf gesehen zu haben, der soll sich mit der FVA in Verbindung setzen: 0761/4018274, E-Mail info@wildtiermonitoring.de
Mehr Infos gibt’s auf: Umweltministerium BW – Der Wolf in Baden-Württemberg

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