Corona-Geschichten

Strenge Kontrollen in Indien – am Frankfurter Flughafen hingegen: nichts

Irene und Bernd Prengel aus Lahr

Von Irene & Bernd Prengel aus Lahr

Fr, 29. Mai 2020 um 11:33 Uhr

Reise

Trotz Corona flogen wir im März nach Indien, wo sehr auf Hygiene geachtet wurde und die Menschen vom Lockdown schwer getroffen sind. Wieder zurück in Deutschland wunderten wir uns über den Empfang.

Corona stellt unser Leben auf den Kopf und wird in die Geschichte eingehen. Doch diese Geschichte schreiben nicht nur Virologen, Experten und Politiker – sondern wir alle. Die BZ hat ihre Leserinnen und Leser nach ihrer ganz persönlichen Corona-Geschichte gefragt. Heute schreiben Irene Prengel (67 Jahre) und Bernd Prengel (75 Jahre) aus Lahr.

Anfang März hatten wir eine Reise nach Indien geplant. Dann kam die Corona-Krise und wir dachten, wir könnten die Reise nicht antreten. Als bekannt wurde, dass die indische Regierung alle an italienische Staatsbürger erteilten Visa annullierte, sagte uns der Reiseveranstalter auf Nachfrage, wir sollten die Koffer packen. Wir wunderten uns – aber in der Nacht vom 6. auf den 7. März landeten wir in Delhi.

Über das Einreiseprocedere waren wir erstaunt. Schriftliche Angaben, woher man kommt und wohin man geht, wurden gefordert. Erst als die gemessene Temperatur kein Fieber anzeigte, ging es zur Passkontrolle. Ähnliches wiederholte sich beim Einchecken in die Hotels. Händedesinfektion fand bei jedem Einstieg in den Tourenbus statt. Gesundheitskontrollen auch bei den besuchten Sehenswürdigkeiten.

Nach zehn Tagen brach der deutsche Veranstalter zum Bedauern aller Teilnehmer die 15-tägige Reise ab. Da hatte sich die Lufthansa schon vom Acker gemacht und wir kehrten über das Emirat Abu Dhabi mit deren Fluglinie nach Frankfurt zurück.

In Frankfurt gab es zu unserem Erstaunen keinerlei Kontrolle. Passagiere liefen kreuz und quer durch den Flughafen. Erfreulich leer waren die Züge zurück nach Lahr. Dort am Busbahnhof öffnete sich die Fahrertür nicht. Wir stiegen hinten ein, wir hatten ja die Punktekarte dabei.

Am nächsten Tag Besorgung von frischen Lebensmitteln. Für Menschen, die im Nachkriegsdeutschland heranwuchsen, ist es kein Problem, ohne Bespaßung den Tag zu überstehen. Wir machten aus den Videoszenen und den Digitalfotos drei Videofilme. Wir freuen uns schon jetzt, den Besuchern der Stadtmühle Lahr unsere Reiseeindrücke aus diesem geschichtsträchtigen Land zu zeigen, sobald die Einrichtung wieder geöffnet ist, natürlich ehrenamtlich.

Die Inder sind stolz auf ihre drei warmen Mahlzeiten am Tag, die immer frisch zubereitet werden. Viele haben keine ausreichende Kühlmöglichkeit zuhause und kaufen täglich ein. Dies war durch den Lockdown nicht möglich. Sozialversicherungen gibt es nicht, jeder ist für sein Karma selbst verantwortlich. Der Reiseleiter (verheiratet, zwei Kinder) aus Jaipur, der Geschichte studierte und den höchsten Abschluss in Deutsch beim Goetheinstitut machte, ist jetzt arbeitslos ohne jede Unterstützung. Glücklicherweise gibt es wenigstens eine Initiative dort, die sich um die Speisung von armen Kindern kümmert.
Erzählen auch Sie uns Ihre Corona-Geschichte!
Corona stellt unser Leben auf den Kopf und wird in die Geschichte eingehen. Doch diese Geschichten schreiben nicht nur Virologen, Experten und Politiker – sondern wir alle. Schreiben Sie uns und erzählen Sie uns Ihre ganz persönliche Corona-Geschichte. Schicken Sie den Text (gerne mit Foto) per Mail an lesergeschichten@badische-zeitung.de. Einsendeschluss ist Sonntag, 7. Juni 2020.