Nach der Schule kommt die Auszeit

Sarah Beha

Von Sarah Beha

Di, 03. April 2018

Südwest

Gleich studieren? Oder ein Jahr ins Ausland? Die Abiturienten stehen vor der Frage, was sie danach unternehmen wollen.

In weniger als einem Monat ist es so weit: Vom 18. April bis zum 2. Mai stehen für die Schülerinnen und Schüler, die in Baden-Württemberg das Abitur machen, die Abschlussklausuren an. Die letzte Lernphase ist damit angebrochen, neben den anstehenden Prüfungen beschäftigen sich die Abiturienten aber auch noch mit einer anderen Frage: Wie soll es nach der Schule für mich weiter gehen?

Manche von ihnen landen mit ihren Fragen im Büro von Karina Kokemüller oder Joachim Kollitz. Die beiden sind Abiturientenberater bei den Arbeitsagenturen in Offenburg und Freiburg. "Die meisten Schülerinnen und Schüler kommen mittlerweile schon während der Schulzeit mit uns in Kontakt", sagt Kollitz von der Arbeitsagentur in Freiburg. Denn durch den neuen Bildungsplan ist Berufsorientierung in Form verschiedener Unterrichtsmodule nun Teil des Angebots auch an allgemeinbildenden Gymnasien. Zudem haben Schulabgänger die Möglichkeit, in den Gesprächen eine individuelle Beratung zu bekommen.

Karina Kokemüller und Joachim Kollitz lernen dabei ganz unterschiedliche Bedürfnisse kennen. "Manche Schülerinnen und Schüler kommen mit einem Plan und brauchen nur eine konkrete Information, um weiterzukommen. Andere sind noch offen und erhoffen sich eine Orientierung für die Zukunft", sagt Karina Kokemüller. Sind aus diesen Nachfragen Trends zu erkennen? Ja, sagt Kollitz, "immer mehr Abiturienten interessieren sich für das Duale Studium, auch Schüler von den allgemeinbildenden Gymnasien". Bei Studiengängen an Universitäten seien besonders Betriebswirtschaftslehre Medizin und Psychologie gefragt. Und noch etwas stellt er bei seiner Arbeit fest: "Trotz aller Bemühungen an den Schulen, gibt es weiter Unterschiede bei den Geschlechtern. Männer interessieren sich für die Ingenieurstudiengänge und Naturwissenschaften, Frauen zeigen großes Interesse an einem Studium, das in die soziale Richtung geht." Hinzukommt: Nach dem Abitur möchten die jungen Leute oft ein Jahr in der direkten Ausbildung pausieren. Die Möglichkeiten dafür sind groß, besonders beliebt sind Auslandsaufenthalte. Auch dafür bietet die Arbeitsagentur Beratungen und Fachmessen an. "Dieses eine Jahr nehmen sich die Abiturienten gerne, um sich Klarheit über ihre Zukunftswünsche zu verschaffen", sagt Kokemüller.

Die große Reise sollte frühzeitig geplant werden

Egal aber für welchen Weg ins Ausland sich die Abiturienten entscheiden, wichtig sei eine gute Vorbereitung, betont Kollitz. "Meist sollte man ein Jahr vor der Reise mit der Planung beginnen."

Und noch etwas sollten die Schülerinnen und Schüler nicht vergessen, nämlich wie es nach dem Auslandsaufenthalt für sie weitergehen soll. "Bewerbungen für Studiengänge kann man vom Ausland aus abschicken, nur sollte man bereits in Deutschland sichergehen, dass man alle notwendigen Dokumente zusammen hat", sagt Kollitz. Schwieriger sei es bei der Entscheidung für ein duales Studium, denn dort wollen die Arbeitgeber Bewerbungsgespräche führen. "Hier muss man abwägen und vielleicht einen kürzeren Aufenthalt im Ausland in Kauf nehmen."

Und wieso muss es oft in die Ferne gehen? "Es gibt auch Freiwilligendienste, die man in Europa machen kann", sagt Ivo Thiemann vom Bildungsberatungsdienst "Weltweiser", der im April eine Jugendbildungsmesse in Freiburg veranstaltet. "Viele wollen nach der Schule erst einmal weit weg. Europa wird für sie dann erst wieder während der Studienzeit interessant." Außerdem gebe es in Ländern wie Kanada, Australien und Neuseeland eine bessere Infrastruktur für Leute, die abwechselnd arbeiten und reisen wollen. Eine Trendwende weg von den Auslandsaufenthalten sieht Ivo Thiemann in naher Zukunft nicht auf die Branche zukommen. "Im Moment wächst der Markt vielmehr."