Wunderheilung oder Humbug?

Eine Schamanin am Kaiserstuhl holt Geister zu Hilfe

Joshua Kocher

Von Joshua Kocher

So, 12. Januar 2020 um 19:39 Uhr

Südwest

BZ-Plus Eva Schöne aus Eichstetten bezeichnet sich als Schamanin, Medium und Geistheilerin. Menschen mit meist psychischen Leiden suchen bei ihr Hilfe. Wie läuft so eine Behandlung ab? Ein Besuch.

Bevor Eva Schöne ihre Seele abgeben will, hat sie noch einen Nusszopf gebacken. Sie hat ihn auf den Gabentisch gelegt, zu den hartgekochten Eiern, zum Hummus und zum gegarten Lammfleisch. Daneben stehen fünf Flaschen: zweimal Wodka, Kaiserstühler Wein, Bier und Milch. Es ist ein Samstagabend im Dezember, ihr Gast hat sich schon vor Tagen für 18 Uhr angekündigt. Er wird hungrig sein, schließlich hat er eine 800 Jahre lange Reise hinter sich. Maria, so heißt der Gast, soll im 12. Jahrhundert gelebt haben und heute ein Geist sein. Ihre Seele soll an diesem Abend in den Körper von Eva Schöne kommen.

Seit Tagen hat Schöne nur noch Brühe gegessen, war viel im Wald. Das Ritual sei anstrengend, sagt sie, das Energielevel viel höher als an normalen Tagen. Sie habe sich auch schonmal übergeben müssen. Doch für die Gemeinschaft gibt sie fünf bis sechs Mal im Jahr ihren Körper her. Denn Maria komme, um Menschen zu heilen.

Eva Schöne behandelt Menschen mit ihren Händen – und ihrem Ahnengeist
Eva Schöne aus Eichstetten am Kaiserstuhl bezeichnet sich als Schamanin, Medium und Geistheilerin. Sie will böse Geister vertreiben und behandelt Menschen mit Kopfschmerzen, Burnout und Alpträumen. Aber nicht mit Schmerzmitteln oder Psychopharmaka, sondern mit ihren Händen und ihrem Ahnengeist Maria.

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für die Existenz von Geistern, keine Forschung, die belegt, dass Geistheilung möglich ist. Den staatlich geprüften Geistheiler gibt es schon gar nicht. Und doch haben solche Heilsversprecher Zulauf – wie alternative Heilmethoden überhaupt. Fast jeder zweite Deutsche soll laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov schon dergleichen ausprobiert haben. Auch deshalb, hört man zur Begründung, weil Hausärzte sich immer weniger Zeit für ihre Patienten nähmen. Acht Minuten dauert eine durchschnittliche Sprechstunde. Alternativmediziner hingegen haben unendlich viel Zeit und immer eine Lösung zur Hand.

Helfen die Methoden von Schamanen und anderen Geistheilern? Oder sollte man sich, wenn es einem schlecht geht, nicht lieber der wissenschaftlich fundierten, der sogenannten Schulmedizin anvertrauen?

Der Weg in die "Praxis für spirituelle Heilkunst" ...

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