Bedrohte Tiere

Dem Auerhuhn fehlt im Schwarzwald der Lebensraum

Tamara Keller

Von Tamara Keller

So, 26. Januar 2020 um 16:44 Uhr

Südwest

Der Sonntag 137 Auerhähne leben derzeit noch im Schwarzwald. Für den Fortbestand der Tierart müssten es aber 300 sein. Jetzt sollen bestehende Förderprogramme zu ihrem Schutz verbessert werden.

Wenn vor 100 Jahren ein deutscher Kaiser ein Auerhuhn schießen wollte, ging er zu deren Balzplatz. Diese Orte sind heute noch für die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) wichtig. Hier wird die aussterbende Vogelart gezählt. "Die Balzplätze bleiben über Jahrzehnte immer die gleichen", sagt Joy Coppes, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Waldvögel der FVA in Freiburg.

"Das Auerhuhn zählt im Schwarzwald zu den bedrohten Arten." Gernot Segelbacher, Uni Freiburg
Freiwillige Helfer zählen an den Balzplätzen nur die Hähne, weil die sich nicht so viel wie die Weibchen bewegen. Derzeit liegt die Zahl bei 137 Auerhähnen im Schwarzwald. Für den Fortbestand der Tiere ist aber eine Mindestzahl von 300 nötig. Als 1971 das erste Mal gezählt wurde, waren es noch 500. Bei Schätzungen um 1900 ging man sogar von 3800 Auerhähnen aus.

"Das Auerhuhn zählt im Schwarzwald zu den bedrohten Arten", sagt Gernot Segelbacher, der an der Universität Freiburg zur Wildtierökologie forscht. Die Vogelart befinde sich in einem Aussterbestrudel, wie das in der Naturpsychologie genannt werde. "Die Spirale dreht sich einfach immer schneller. Wir wissen nicht, wie der Schwarzwald in 50 oder 100 Jahren aussehen wird", so Segelbacher.

Die Waldbewirtschaftung hat sich laut Coppes vorrangig durch den Klimawandel verändert. Gab es früher viele Abholzungen und Kahlschläge, sind die Förster heute bemüht, so viel Holz wie möglich im Wald zu lassen. Das Auerhuhn braucht aber Freiflächen von 0,2 bis 0,5 Hektar. Sie halten sich vorrangig auf dem Boden auf und benötigen Licht und Wärme.

Die Wälder werden durch die Beforstung immer dichter und schattiger und machen damit das Überleben für das Auerhuhn schwieriger. Baden-Württemberg ist laut internationalen Konventionen zum Schutz der Biodiversität verpflichtet. Das FVA prüft, ob dieser Auftrag eingehalten wird.

Kein Kontakt zwischen Norden und Süden

An der Universität Freiburg wurden anhand von zwei Forschungsprojekten nachgewiesen, dass sich die Bestände des Auerhuhns im Schwarzwald immer mehr isolieren: So haben die Auerhühner im Südschwarzwald kein Kontakt mehr zu denen im Norden. "Weil der Bestand sich verkleinert wird die Distanz größer", sagt Segelbacher. "Die Auerhühner im Norden fliegen keine zehn Kilometer zu den Auerhühner im Süden." Dies verringert wiederum die Chance, dass die Auerhühner sich vermehren.

Mit verschiedenen Förderungsprogrammen versucht das FVA dem Aussterbetrend entgegen zu wirken. "Wir haben viele Programme bei denen die Waldbesitzer für die Maßnahmen entschädigt werden, die sie zum Schutz des Auerhuhns umsetzen", sagt Coppes.
Das FVA hat gerade die Nutzung einer Förderung über die Verwaltungsvorschrift mit dem Titel "Nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Waldfunktionen für die allgemeine Öffentlichkeit" des Landes ausgewertet. Mit ernüchterndem Ergebnis: "Diese Förderungen wurde fast nie in Anspruch genommen und für das Auerhuhn überhaupt nicht", so Coppes. Probleme sind vor allem die vielen aufwendigen Formulare, die Kosten, die nur zu 70 Prozent beglichen werden und die Benachteiligungsängste der Waldbesitzer. Deshalb werden nun alle Projekte überarbeitet, damit sie neue Anreize bieten.

Eines von ihnen ist "Lücken für Küken", das in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Südschwarzwald und dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord umgesetzt wurde: Auf den Flächen der Gemeinden Feldberg, Löffingen, Bräunlingen, Wembach, Schönau, St. Blasien, Fröhnd, Schliengen, Münstertal, Rötenbach und eines Privatwaldbesitzers konnten entsprechende Plätze für Auerhühner geschaffen werden. "Wir haben dabei festgestellt, dass eine intensive Beratung und Begleitung von Fachseite sehr wichtig für die Förster ist", sagt Coppes.

Spaziergänger sollen auf den Wegen bleiben

Doch nicht nur Profis können etwas zum Schutz des Auerhuhns tun, sondern jeder: Wer im Wald unterwegs ist, hilft, in dem er auf den vorgeschriebenen und markierten Wanderwegen bleibt. "Das ist wichtig weil die Auerhühner sehr störungsempfindlich sind", sagt Coppes. Auch Pilzsucher und Beerensammler sollten nicht zu sehr querfeldein gehen.

Im Februar will die FVA die Ergebnisse einer weiteren Studie veröffentlichen: Fünf Jahre lang wurde im Schwarzwald, in Österreich und in Schweden geschaut, ob und wie Windkraftanlagen Auerhühner in ihrem Lebensraum beeinflussen. "Inwieweit die Ergebnisse dieser Studie die Genehmigung von Windenergieanlagen beeinflussen, ist noch unklar", sagt Coppes.
Wenn vor 100 Jahren ein deutscher Kaiser ein Auerhuhn schießen wollte, ging er zu deren Balzplatz. Diese Orte sind heute noch für die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) wichtig. Hier wird die aussterbende Vogelart gezählt. "Die Balzplätze bleiben über Jahrzehnte immer die gleichen", sagt Joy Coppes, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Waldvögel der FVA in Freiburg.

Freiwillige Helfer zählen an den Balzplätzen nur die Hähne, weil die sich nicht so viel wie die Weibchen bewegen. Derzeit liegt die Zahl bei 137 Auerhähnen im Schwarzwald. Für den Fortbestand der Tiere ist aber eine Mindestzahl von 300 nötig. Als 1971 das erste Mal gezählt wurde, waren es noch 500. Bei Schätzungen um 1900 ging man sogar von 3 800 Auerhähnen aus.

"Das Auerhuhn zählt im Schwarzwald zu den bedrohten Arten", sagt Gernot Segelbacher, der an der Universität Freiburg zur Wildtierökologie forscht. Die Vogelart befinde sich in einem Aussterbestrudel, wie das in der Naturpsychologie genannt werde. "Die Spirale dreht sich einfach immer schneller. Wir wissen nicht wie der Schwarzwald in 50 oder 100 Jahren aussehen wird", so Segelbacher.

Die Waldbewirtschaftung hat sich laut Coppes vorrangig durch den Klimawandel verändert. Gab es früher viele Abholzungen und Kahlschläge, sind die Förster heute bemüht, so viel Holz wie möglich im Wald zu lassen. Das Auerhuhn braucht aber Freiflächen von 0,2 bis 0,5 Hektar. Sie halten sich vorrangig auf dem Boden auf und benötigen Licht und Wärme.

Die Wälder werden durch die Beforstung immer dichter und schattiger und machen damit das Überleben für das Auerhuhn schwieriger. Baden-Württemberg ist laut internationalen Konventionen zum Schutz der Biodiversität verpflichtet. Das FVA prüft, ob dieser Auftrag eingehalten wird.

Kein Kontakt zwischen Norden und Süden

An der Universität Freiburg wurden anhand von zwei Forschungsprojekten nachgewiesen, dass sich die Bestände des Auerhuhns im Schwarzwald immer mehr isolieren: So haben die Auerhühner im Südschwarzwald kein Kontakt mehr zu denen im Norden. "Weil der Bestand sich verkleinert wird die Distanz größer", sagt Segelbacher. "Die Auerhühner im Norden fliegen keine zehn Kilometer zu den Auerhühner im Süden." Dies verringert wiederum die Chance, dass die Auerhühner sich vermehren.

Mit verschiedenen Förderungsprogrammen versucht das FVA dem Aussterbetrend entgegen zu wirken. "Wir haben viele Programme bei denen die Waldbesitzer für die Maßnahmen entschädigt werden, die sie zum Schutz des Auerhuhns umsetzen", sagt Coppes.

Das FVA hat gerade die Nutzung einer Förderung über die Verwaltungsvorschrift mit dem Titel "Nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Waldfunktionen für die allgemeine Öffentlichkeit" des Landes ausgewertet. Mit ernüchterndem Ergebnis: "Diese Förderungen wurde fast nie in Anspruch genommen und für das Auerhuhn überhaupt nicht", so Coppes. Probleme sind vor allem die vielen aufwendigen Formulare, die Kosten, die nur zu 70 Prozent beglichen werden und die Benachteiligungsängste der Waldbesitzer. Deshalb werden nun alle Projekte überarbeitet, damit sie neue Anreize bieten.

Eines von ihnen ist "Lücken für Küken", das in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Südschwarzwald und dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord umgesetzt wurde: Auf den Flächen der Gemeinden Feldberg, Löffingen, Bräunlingen, Wembach, Schönau, St. Blasien, Fröhnd, Schliengen, Münstertal, Rötenbach und eines Privatwaldbesitzers konnten entsprechende Plätze für Auerhühner geschaffen werden. "Wir haben dabei festgestellt, dass eine intensive Beratung und Begleitung von Fachseite sehr wichtig für die Förster ist", sagt Coppes.

Doch nicht nur Profis können etwas zum Schutz des Auerhuhns tun, sondern jeder: Wer im Wald unterwegs ist, hilft, in dem er auf den vorgeschriebenen und markierten Wanderwegen bleibt. "Das ist wichtig weil die Auerhühner sehr störungsempfindlich sind", sagt Coppes. Auch Pilzsucher und Beerensammler sollten nicht zu sehr querfeldein gehen.

Im Februar will die FVA die Ergebnisse einer weiteren Studie veröffentlichen: Fünf Jahre lang wurde im Schwarzwald, in Österreich und in Schweden geschaut, ob und wie Windkraftanlagen Auerhühner in ihrem Lebensraum beeinflussen. "Inwieweit die Ergebnisse dieser Studie die Genehmigung von Windenergieanlagen beeinflussen, ist noch unklar", sagt Coppes.

Wenn vor 100 Jahren ein deutscher Kaiser ein Auerhuhn schießen wollte, ging er zu deren Balzplatz. Diese Orte sind heute noch für die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) wichtig. Hier wird die aussterbende Vogelart gezählt. "Die Balzplätze bleiben über Jahrzehnte immer die gleichen", sagt Joy Coppes, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Waldvögel der FVA in Freiburg.

Freiwillige Helfer zählen an den Balzplätzen nur die Hähne, weil die sich nicht so viel wie die Weibchen bewegen. Derzeit liegt die Zahl bei 137 Auerhähnen im Schwarzwald. Für den Fortbestand der Tiere ist aber eine Mindestzahl von 300 nötig. Als 1971 das erste Mal gezählt wurde, waren es noch 500. Bei Schätzungen um 1900 ging man sogar von 3 800 Auerhähnen aus.

"Das Auerhuhn zählt im Schwarzwald zu den bedrohten Arten", sagt Gernot Segelbacher, der an der Universität Freiburg zur Wildtierökologie forscht. Die Vogelart befinde sich in einem Aussterbestrudel, wie das in der Naturpsychologie genannt werde. "Die Spirale dreht sich einfach immer schneller. Wir wissen nicht wie der Schwarzwald in 50 oder 100 Jahren aussehen wird", so Segelbacher.

Die Waldbewirtschaftung hat sich laut Coppes vorrangig durch den Klimawandel verändert. Gab es früher viele Abholzungen und Kahlschläge, sind die Förster heute bemüht, so viel Holz wie möglich im Wald zu lassen. Das Auerhuhn braucht aber Freiflächen von 0,2 bis 0,5 Hektar. Sie halten sich vorrangig auf dem Boden auf und benötigen Licht und Wärme.

Die Wälder werden durch die Beforstung immer dichter und schattiger und machen damit das Überleben für das Auerhuhn schwieriger. Baden-Württemberg ist laut internationalen Konventionen zum Schutz der Biodiversität verpflichtet. Das FVA prüft, ob dieser Auftrag eingehalten wird.

Kein Kontakt zwischen Norden und Süden

An der Universität Freiburg wurden anhand von zwei Forschungsprojekten nachgewiesen, dass sich die Bestände des Auerhuhns im Schwarzwald immer mehr isolieren: So haben die Auerhühner im Südschwarzwald kein Kontakt mehr zu denen im Norden. "Weil der Bestand sich verkleinert wird die Distanz größer", sagt Segelbacher. "Die Auerhühner im Norden fliegen keine zehn Kilometer zu den Auerhühner im Süden." Dies verringert wiederum die Chance, dass die Auerhühner sich vermehren.

Mit verschiedenen Förderungsprogrammen versucht das FVA dem Aussterbetrend entgegen zu wirken. "Wir haben viele Programme bei denen die Waldbesitzer für die Maßnahmen entschädigt werden, die sie zum Schutz des Auerhuhns umsetzen", sagt Coppes.

Das FVA hat gerade die Nutzung einer Förderung über die Verwaltungsvorschrift mit dem Titel "Nachhaltige Sicherung und Entwicklung der Waldfunktionen für die allgemeine Öffentlichkeit" des Landes ausgewertet. Mit ernüchterndem Ergebnis: "Diese Förderungen wurde fast nie in Anspruch genommen und für das Auerhuhn überhaupt nicht", so Coppes. Probleme sind vor allem die vielen aufwendigen Formulare, die Kosten, die nur zu 70 Prozent beglichen werden und die Benachteiligungsängste der Waldbesitzer. Deshalb werden nun alle Projekte überarbeitet, damit sie neue Anreize bieten.

Eines von ihnen ist "Lücken für Küken", das in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Südschwarzwald und dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord umgesetzt wurde: Auf den Flächen der Gemeinden Feldberg, Löffingen, Bräunlingen, Wembach, Schönau, St. Blasien, Fröhnd, Schliengen, Münstertal, Rötenbach und eines Privatwaldbesitzers konnten entsprechende Plätze für Auerhühner geschaffen werden. "Wir haben dabei festgestellt, dass eine intensive Beratung und Begleitung von Fachseite sehr wichtig für die Förster ist", sagt Coppes.

Doch nicht nur Profis können etwas zum Schutz des Auerhuhns tun, sondern jeder: Wer im Wald unterwegs ist, hilft, in dem er auf den vorgeschriebenen und markierten Wanderwegen bleibt. "Das ist wichtig weil die Auerhühner sehr störungsempfindlich sind", sagt Coppes. Auch Pilzsucher und Beerensammler sollten nicht zu sehr querfeldein gehen.

Im Februar will die FVA die Ergebnisse einer weiteren Studie veröffentlichen: Fünf Jahre lang wurde im Schwarzwald, in Österreich und in Schweden geschaut, ob und wie Windkraftanlagen Auerhühner in ihrem Lebensraum beeinflussen. "Inwieweit die Ergebnisse dieser Studie die Genehmigung von Windenergieanlagen beeinflussen, ist noch unklar", sagt Coppes.