Freiburger Kameramann

Der Bilderjäger: Sepp Allgeier filmte Ski-Akrobaten – und Hitler

Marius Buhl

Von Marius Buhl

So, 11. März 2018 um 10:13 Uhr

Südwest

BZ-Plus Sepp Allgeier filmte tollkühne Skifahrer am Feldberg und Eisbären in der Arktis. Damit wurde der Freiburger weltberühmt. Und er filmte für Adolf Hitler. In seinem Lebenswerk sieht jeder, was er sehen will.

Es riecht nach uralten Büchern. Im Zimmer 4420 des Kollegiengebäudes IV der Universität Freiburg sitzt ein Mann und legt sechs DIN-A4-Blätter auf einen Tisch. Er trägt einen grauen Haarkranz und ein Cord-Sakko, die Uniform des Historikers. "Das", sagt er und zeigt auf das Papier, "ist unser Urteil." Vier Jahre hat sich Bernd Martin, 77, emeritierter Professor für neuere und neueste Geschichte, für das Urteil Zeit gelassen. Er hat Archive durchforstet, Akten studiert, sich mit seinem Team beratschlagt, abgestimmt. Er hat sich beleidigen lassen für seine Arbeit, "die Volksseele hat gekocht", sagt Martin. Interessiert hat ihn das wenig. Das fertige Dokument hat er auf einem einzigen PC gespeichert, das Zimmer monatelang gewissenhaft abgesperrt. Niemand sollte frühzeitig an sein Urteil gelangen.

Bernd Martin ist der Chef der Kommission, die jeden der 1300 Freiburger Straßennamen überprüft hat. Das Dokument, das nun vor ihm liegt, beschäftigt sich mit einer Frage: Darf eine Straße nach einem Mann benannt sein, der mit seinen Filmen den Nationalsozialismus verherrlicht hat? Die Straße, um die es geht, zweigt in Freiburg-Haslach von der Basler Straße ab, führt an der Rückseite eines McDonald’s vorbei, rechts zwei Wohnblocks. Unscheinbarer könnte sie nicht sein, und doch steckt hinter dem blauen Schild eine lange Geschichte. Dort steht: Sepp-Allgeier-Straße.

Sein 50. Todestag ist dieser Sonntag. Will man seine Geschichte erzählen, muss man dort suchen, wo Männer seines Kalibers verewigt sind: in Archiven und Erzählfetzen von Zeitzeugen, Verwandten, Historikern, in Büchern, Aufsätzen und dutzenden Filmen. Es ist die Story eines Lebens, an deren Ende weitere Fragen stehen: War Sepp Allgeier ein Held? Oder ein Antiheld? Und wie erinnert man an so einen?

Die erste Tagesschau Deutschlands
Sepp Allgeier wird am 6. Februar 1895 am Annaplatz in Freiburg-Wiehre geboren. Er ist fünf Jahre alt, da nimmt ihn sein Vater, ein Maurermeister, mit in den Schwarzwald. Der kleine Sepp sieht verschneite Tannen und Bergkuppen und verliebt sich in sie. Mit 15 schließt er die Lessing-Schule ab und wird Textilzeichnerlehrling bei der Firma Gotthart in der Schusterstraße. Statt zu arbeiten, schaut er sehnsüchtig aus dem Fenster Richtung Schauinsland. Das Herumsitzen ist ihm so ...

BZ-Plus-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 10 Artikel kostenlos lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 10 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ