Doping an der Uniklinik

Das System Keul

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Do, 14. Mai 2009 um 07:38 Uhr

Südwest

Joseph Keul, der im Jahr 2000 verstorbene Chef der Sportmedizin an der Freiburger Universitätsklinik, hat Doping über Jahrzehnte erforscht und verharmlost.

Der Redner hat Rang und Namen, er kommt aus der Hauptstadt. Er besucht Freiburg, und er bringt einen Wunsch mit. Gerhard Groß, Ministerialrat im Bundesministerium des Inneren, wünscht sich den Einsatz von Medikamenten im Sport. Er bittet Freiburger Sportmediziner, sich mit Mitteln zu beschäftigen, die die Leistung fördern. Nur mit ihrer Hilfe könnten die Athletinnen und Athleten aus Westdeutschland überhaupt noch mithalten im weltweiten Konkurrenzkampf. Es ist das Jahr 1976.

Groß spricht vor laufenden Kameras. Der Südwestfunk zeichnet seine Rede auf. Bei der Einweihungsfeier der neuen Abteilung Sportmedizin an der Freiburger Universitätsklinik am Donnerstag, dem 21. Oktober 1976, sind Medikamente sogar das Top-Thema. Es geht darum, wie sie zum Wohle des Sports zu gebrauchen seien. Groß bittet darum, und er behauptet, sich darin einig zu sein mit Werner Maihofer, dem Bundesinnenminister in Bonn. In seiner Rede wendet er sich gezielt an den Freiburger Sportmediziner Professor Joseph Keul. Er kommt auf den Einsatz von Medikamenten zu sprechen. Er sagt:

"Mir ist bekannt, dass sich auch Freiburg, wenn ich einmal Ihre Person, lieber Herr Professor Joseph Keul, mit Freiburg identifizieren darf, hierzu mehrfach geäußert hat. Wenn keine Gefährdung oder Schädigung der Gesundheit herbeigeführt wird, halten Sie leistungsfördernde Mittel für vertretbar. Der Bundesminister des Inneren teilt grundsätzlich diese Auffassung. Was in anderen Staaten erfolgreich als Trainings- und Wettkampfhilfe erprobt worden ist und sich in jahrelanger Praxis ohne Gefährdung der Gesundheit ...

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