Flüchtlingsunterkunft der besonderen Art

dpa

Von dpa

Mi, 15. Januar 2020

Südwest

Das Christian-Griesbach-Haus in Karlsruhe ist eine vom Roten Kreuz betriebene Einrichtung für besonders schutzbedürftige Geflüchtete.

KARLSRUHE (dpa). Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat den Mitarbeiterinnen der Karlsruher Unterkunft für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge und deren Angehörige für ihr Engagement gedankt. Sein Informationsbesuch sei auch als Anerkennung gedacht, sagte der stellvertretende Ministerpräsident am Dienstag im Christian-Griesbach-Haus. "Die Flüchtlinge sind hier in allerbesten Händen."

Die Referentin der Geschäftsführung, Lisa Gruber, machte den Minister besonders auf die schwierige vertragliche Situation mit jährlichen Verlängerungen aufmerksam. "Unser Wunsch ist Kontinuität." Die Mitarbeiter wollten wissen, ob sie weiterarbeiten können, sagte sie.

Strobl sprach beim Rundgang durch das Haus mit Mitarbeiterinnen etwa über die Organisation von Arztbesuchen, die Schwierigkeit, ausreichend Pflegebetten zu bekommen, und die Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Der baden-württembergische Innenminister äußerte sich beeindruckt von der Leistung und dem Engagement der Helferinnen. Die Hebamme Elisabeth Dreyfus-Braasch, die gerade eine junge Mutter mit ihrem Baby betreute, betonte, wie wichtig es sei, ein zentrales Haus für ihre Schützlinge zu haben. "Dafür sind wir dankbar", sagte sie. "Und ich bin Ihnen dankbar", gab Strobl zurück.

Traumatisierte, Krebskranke, werdende Mütter oder Dialysepatienten – besonders schutzbedürftige Flüchtlinge finden im Karlsruher Christian-Griesbach-Haus Unterschlupf. Die bislang einzigartige Einrichtung im Südwesten, einer von drei Standorten der Landeserstaufnahmeeinrichtung Karlsruhe, bietet Hilfe für spezielle Probleme an. Die medizinische Abteilung ist rund um die Uhr mit Fachpersonal besetzt. Die medizinische Betreuung wird von niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern in Karlsruhe geleistet. "Wir ersetzen aber kein Pflegeheim oder Krankenhaus", sagte Gruber.

Derzeit leben 90 Menschen mit 24 Nationalitäten in der Einrichtung mit bis zu 200 Plätzen – darunter viele aus Nordafrika. 40 Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, welches das Haus im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe betreibt, kümmern sich um Menschen, die in ihrem bisherigen Domizil nicht die nötige Unterstützung bekommen konnten. Auffällig sei aktuell die Häufung von Patienten mit psychischen Erkrankungen, sagte Gruber.

Die Bewohner bleiben bis zu mehrere Monate in der Einrichtung, etwa Schwangere, die dort Vor- und Nachsorge erhalten, oder Rollstuhlfahrer, die andernorts keine Barrierefreiheit vorfinden. Zudem gibt es im Griesbach-Haus Jugend- und Kinderbetreuung. Zuweilen sei es ein schwieriger Ablösungsprozess, wenn Flüchtlinge das Haus wieder verlassen. "Manche wachsen einem ans Herz", sagte Gruber. "Es ist aber auch schön, wenn man erlebt, wie eine traumatisierte Person bei uns auftaut und soziale Bindungen knüpft und danach in der Lage ist, ihren Weg positiv weiterzugehen."