Gymnasium ist spitze, darf es aber nicht sagen

amp,hpm

Von Wulf Rüskamp & Hans-Peter Müller

Fr, 10. März 2017

Südwest

Verbot der Kultusministerin.

STAUFEN (hpm/amp). Das Faust-Gymnasium in Staufen weiß seit Ende vergangenen Jahres, dass eine seiner neunten Klassen in Deutsch und Englisch bundesweit spitze ist. Doch nachdem die frohe Kunde mit detaillierten Ergebnissen in der Schulgemeinde die Runde gemacht hatte, herrscht jetzt Schweigen: Das Kultusministerium hat Schulen und Schulbehörden untersagt, über Einzelresultate des Vergleichstests zu reden, den das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) angestellt hatte und der fürs ganze Land nicht gut ausgefallen ist.

Begründung des Ministeriums für das Schweigegebot: Ein Ranking auf Ebene einzelner Schulen würde die "soziale Segregation an unseren Schulen befeuern". Man müsse die im Test festgestellten Qualitätsprobleme an den Schulen gemeinsam analysieren, dazu brauche es Vertraulichkeit: "Keine Schule soll an den Pranger gestellt werden."

Im Frühjahr 2015 waren bundesweit 33 000 Neuntklässler in den Fächern Deutsch, Englisch und zum Teil Französisch geprüft worden. Darunter war auch eine Klasse des Faust-Gymnasiums in Staufen – eine der wenigen Schulen in Südbaden, die für den Vergleichstest ausgewählt worden waren. Selbst die Namen dieser Schulen werden vom Kultusministerium nicht mehr verraten. Nur so viel: 160 Schulen waren es im ganzen Land.

Die IQB-Ergebnisse waren für Baden-Württembergs Schulpolitiker frustrierend: Das Land rutschte im Ranking der Bundesländer von einem Spitzenplatz ins Mittelfeld ab – nur mehr durchschnittlich, so der Befund, waren die Leistungen der Schüler. Nicht so am Faustgymnasium. Wie die Schulleitung etwa dem Elternbeirat mitgeteilt hat, erreichten die Neuntklässler in "Englisch Hören" 621 Kompetenzpunkte, weit über dem deutschen Durchschnitt (577) und dem Landesergebnis (578), aber auch deutlich vor dem Spitzenreiter Hamburg (602). Allerdings wurden Neuntklässler aller allgemeinbildenden Schulen getestet.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte in "Leitlinien zum Umgang mit Statistiken auf Einzelschulebene" begründet, warum ihr Haus keine Leistungsdaten einzelner Schulen herausgibt. Dies gelte für die IQB-Studie ebenso wie für die Zahl der Sitzenbleiber oder die der Übergänge von Grundschulen an weiterführende Schulen. Solche Daten erlauben zwar "Schulrankings", doch sie bildeten "nicht wirklich die Qualität der schulischen Arbeit" ab.