Baden-Württemberg

Schnüffeln für den Fiskus: So arbeiten Steuerfahnder

Stephan Kuß

Von Stephan Kuß

Di, 25. Oktober 2011 um 10:18 Uhr

Südwest

Der Kauf von Steuer-CDs ist die Ausnahme: Das Tagesgeschäft von Steuerfahndern ist das Klein-Klein der mühsamen Recherche. Wir haben einen von ihnen getroffen.

Er schaut sich einmal kurz um, dann kommt er schnurstracks auf mich zu. Er wirkt ein wenig gehetzt. Sieht sonst gar nicht aus wie jemand, der Leuten auf die Füße tritt. Eher der Typ Sozialkundelehrer, der letztlich doch nie eine Fünf austeilt. Ich hätte ihn nie erkannt. Er aber mich. Schließlich ist er Profi. Wir hatten uns am Telefon verabredet. Er kann nur meine Stimme kennen. Mich verrät kein Notizblock, kein Diktiergerät. Trotzdem steht er jetzt an meinem Bistrotisch. "Guten Tag." Dabei bin ich hier nicht allein in der etwas heruntergekommenen Gaststätte in Bahnhofsnähe. Da ist die Gefahr geringer, der eigenen Klientel zu begegnen. Das sind diejenigen, die von Peter Matthäus (Name von der Redaktion geändert) ins Visier genommen werden.

Steuerfahnder haben kein Gesicht – zumindest kein offizielles
Alle Versuche, mir im Vorfeld ein Bild zu machen, sind gescheitert. Steuerfahnder haben kein Gesicht. Zumindest kein offizielles. Auch nicht im Zeitalter von Facebook. Kein Bild, keine Telefonnummer, kein Büroanschluss, keine Adresse. Ob ein Foto im Profil möglich ist? "Sind Sie verrückt?" Manchmal versucht man, erzählt er, hinter seinem Rücken den Dienstausweis zu fotokopieren. "Bei Einsätzen in Bankfilialen probieren sie das oft. Bis jetzt konnte ich das noch immer verhindern."

Worauf er in Imbiss-Stuben wie dieser hier schauen würde? Wohl zuerst nach den Rechnungen? "Die Rechnungen können Sie vergessen. Sehen Sie sich lieber die Lieferscheine an. Wie viele Servietten wurden angeschafft? Senf, Ketchup? Oder Brötchen, die werden ja tagesfrisch eingekauft. Da ...

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