Trotz Kälte schlafen Menschen draußen

Sebastian Krüger

Von Sebastian Krüger

Mi, 28. Februar 2018

Südwest

Städte und freie Träger bieten Schutz vor Erfrierung an / Nicht alle Wohnungslose nutzen Angebote.

STUTTGART/FREIBURG. In der Nacht auf Mittwoch sind im Südwesten die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad gefallen. Zwar kündigt Thomas Schuster vom Deutschen Wetterdienst für die kommenden Tage einen Temperaturanstieg an. Doch für Obdachlose bleibt die Kälte gefährlich. In Aalen (Ostalbkreis) bewahrte eine Passantin am Wochenende einen im Freien liegenden Betrunkenen vorm Erfrierungstod. Der 21-Jährige kam am Sonntag in ein Krankenhaus, wie die Polizei am Montag mitteilte.

Allein in Stuttgart sind laut Sozialamt etwa 4000 Menschen wohnungslos. Tatsächlich auf der Straße leben 60 bis 80. Um diese Menschen vor den derzeitigen Temperaturen zu schützen, bietet die Stadt zusätzliche Unterkünfte an. Ein Platzproblem gebe es definitiv nicht, sagte eine Behördensprecherin. Der Kälte-Bus des Deutschen Roten Kreuzes versorgt Obdachlose mit Decken oder bringt sie in die Unterkünfte. "Es ist auch in diesem Winter schon vorgekommen, dass Menschen stark unterkühlt gefunden wurden. Vor allem, wenn sie aufgrund von Alkoholkonsum die Kälte nicht spüren", so eine Sprecherin.

Auch in Südbaden registrieren die öffentlichen und freien Träger der Wohnungslosenhilfe eine erhöhte Nachfrage nach warmen Schlafplätzen. Etwa 18 Personen nutzten in den vergangenen Nächten den Erfrierungsschutz, den die Wohnungslosenhilfe der Erzdiözese Freiburg in Offenburg anbietet, sagte Sozialarbeiter Roger Honoré. "Wer hier übernachtet, muss die Einrichtung am nächsten Morgen um acht Uhr verlassen, kann sich aber bis 14 Uhr in der nahegelegenen Wärmestube aufhalten." Unter den Hilfsbedürftigen seien viele Osteuropäer, die keinen rechtlichen Anspruch auf die Leistungen haben, die das ebenfalls von der Erzdiözese unterhaltene St. Ursula-Heim anbietet, in dem 44 wohnungslose Menschen stationär betreut werden. Zusätzlich seien 131 Menschen in kommunalen Einrichtungen untergebracht.

Dennoch würden wohl mehr als 30 Menschen bei der Kälte auf der Straße leben, vermutet Heimleiterin Eva Christoph. "Manche haben Probleme mit anderen Menschen oder können oder wollen unsere Regeln nicht befolgen." So darf im Erfrierungsschutz weder gekifft, noch exzessiv Alkohol getrunken werden. Auch beobachte sie insbesondere bei jüngeren Menschen eine Art Abenteuerlust. "Die wollen unabhängig sein."

In Freiburg übersteige der Bedarf an Unterkünften für Wohnungslose das bestehende Angebot, sagte Rathaussprecher Toni Klein. Die Stadt benötige etwa 200 zusätzliche Plätze. Als Sofortmaßnahme seien die Kapazitäten in der Stadthalle von 30 auf 40 Betten erhöht worden. Dies sei aber unabhängig vom momentanen Kälteeinbruch geschehen, so Claudius Heidemann, Leiter der Oase, dem Freiburger Zentrum für Wohnungslose.

In Lörrach sind etwa 300 wohnungslose Menschen in städtischen Einrichtungen untergebracht, 55 weitere leben im Erich-Reisch-Haus, wo sie auch fachliche Unterstützung bekommen, sagte dessen Leiter Stefan Heinz. Dem Haus angeschlossen ist eine Notschlafstelle mit acht Schlafplätzen. Diese wurde laut Heinz 2005 als Kälteschutz eingerichtet und 2009 zu einer ganzjährigen Notschlafstelle umfunktioniert. Würden dort im Schnitt pro Nacht zwei bis drei Menschen anklopfen, waren es jüngst immer sieben oder acht Menschen, so Heinz. Doch niemand müsse draußen bleiben, sollten mehr Menschen kommen als Betten vorhanden sind. "Wir sprechen uns mit der Polizei und der Stadt ab, so dass jeder versorgt wird." Dennoch schliefen weiterhin Menschen auf der Straße. "Wir versorgen sie mit Kleidung und Schlafsäcken."