Tag der offenen Tür an der Hochfirstschanze: Informationen von unten bis oben

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mo, 14. Oktober 2019 um 17:54 Uhr

Titisee-Neustadt

Vieles ist in den vergangenen Jahren an der Hochfirstschanze in 11 000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden geleistet worden, um die Anlage fit für die nächsten Weltcup-Springen zu machen.

Es war ein wunderbarer Herbsttag mit strahlend blauem Himmel, Temperaturen knapp unterhalb von 20 Grad und einem lauen Lüftchen. Optimale Bedingungen also für die Stadt Titisee-Neustadt sowie das Organisations- und Schanzenteam, die zum ersten Mal zu einem Tag der offenen Tür an die Hochfirstschanze eingeladen hatten. Und die Bürger nicht nur aus Neustadt, sondern aus der weiteren Umgebung und Gäste nutzten die Gelegenheit, einmal einen Blick auf die Großschanze und in die sie umgebenden Gebäude zu werfen.

Es war brechend voll auf dem Balkon vor dem neuen Gebäude mit Aufwärmraum, dem Steg zum Absprungturm und auch auf den Treppen hinauf zum Start, als Bürgermeister Armin Hinterseh die Besucher, Pfarrer Johannes Herrmann und Pfarrer Rainer von Oppen begrüßte. Die beiden Geistlichen weihten die Schanze im Rahmen des Tags der offenen Tür.

Durch die Neubauten, dazu gehören das Organisations- und Medienzentrum und das Gebäude am Anlaufturm, sei die Qualität der Schanze enorm gesteigert worden, hob Hinterseh bei seinem Rückblick hervor und lobte das Orga- und Schanzenteam, "ohne deren knapp 11 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden diese Sanierung und die Neubauten nicht hätten realisiert werden können". 2,5 Millionen Euro seien für diese von internationaler Seite geforderten Maßnahmen veranschlagt worden, wovon die Stadt letztlich 575 000 Euro zu tragen hatte. "Ohne die Zuschüsse, allen voran die des Landessportverbandes, und das ehrenamtliche Engagement der Bürger, wäre das Ganze nicht zu stemmen gewesen."

"Mir wurde ein Freisprung angeboten", begrüßte Rainer von Oppen die Besucher. "Ich habe dem zugestimmt, wenn Johannes Herrmann vorspringt", leitete der evangelische Pfarrer die Segnung der Schanze schmunzelnd ein, ehe Herrmann lachend konterte: "Die Bretter würden passen, aber ich glaube, mein Gewicht stimmt nicht." So fröhlich, wie der offizielle Segensakt begann, blieb er auch. "Ich habe neben Menschen schon Boote, Feuerwehrfahrzeuge und Autos geweiht, aber noch nie eine Schanze", sagte der katholische Geistliche, ehe er zusammen mit von Oppen ein kurzes Gebet sprach und in den Fürbitten um Freude und einen fairen Sport an dieser Schanze sowie eine gute Kameradschaft über Nationen hinweg bat. Gott solle seine Hand schützend über die Springer halten, so Pfarrer Herrmann weiter. "Herr, segne dieses Haus und alle, die hier ein- und ausgehen und arbeiten."

"Wir wollen mit diesem Tag der offenen Tür die Umbauarbeiten, die 2015 begonnen haben und Ende des vergangenen Jahres beendet wurden, den Bürgern vorstellen", so Weltcupchef Joachim Häfker und Diana Waldvogel vom Orga-Team. Das ganze Jahr über seien die Ehrenamtlichen im Einsatz, nun wolle man das Geleistete den Bürgern zeigen.

Glocke im

Internet ersteigert

Die Interessierten, die vom Fahrdienst an den Absprung Gebrauch machten, hatten reichlich Gelegenheit dazu, viele Informationen zu bekommen. Es stand Schanzenführer wie Dagmar Tritschler zur Verfügung, um das Gebäude mit Aufwärmraum, die Nationenkabinen, das Medienzentrum, aber auch den Sprungrichterturm, den Technikraum, die vorhandenen Fahrzeuge wie Mähmaschine oder das Spurfräsengerät zu zeigen. "Im Schanzenteam gibt es nur eine Frau", sagte Dagmar Tritschler mit einem Lachen und deutete auf die Fräsmaschine. "Das ist Mathilde."

Viel gab es zu sehen und zu erfahren für die zahlreichen Besucher, die einmal "ihre Schanze", die in der Stadt nicht unumstritten ist, wie Bürgermeister Armin Hinterseh bei der Begrüßung erläutert hatte, besichtigen wollten. Jeder der engagierte Mitstreiter hatte ein offenes Ohr für die Fragen und wusste das eine oder andere zu berichten, was nicht in Chroniken oder auf den Informationsschautafeln zu lesen war.

"Die Glocke auf dem neuen Gebäude des Aufwärmraums haben wir bei Ebay ersteigert", sagte Markus Schwörer, der einen Besucher auf dem mit rund 700 Treppen bestückten Abgangs begleitete. "Das Altholz im Aufwärmraum haben wir von einem alten Hof bekommen, das wir in tagelanger Arbeit abgeschrubbt haben." Und nicht zuletzt verriet er schmunzelnd, dass der Herrgottswinkel ein hochprozentiges Geheimnis verberge. "Es hat halt trotz der vielen Arbeit ganz viel Spaß gemacht."