Vor 80 Jahren

Wie zwei Juden in einem Konzentrationslager Zeichnen als Überlebenshilfe nutzten

Bernd Hainmüller

Von Bernd Hainmüller

So, 18. Oktober 2020 um 11:15 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Sie erlebten die Hölle auf Erden – und zeichneten. Manfred Wildmann und Horst Rosenthal zeichneten den Alltag im KZ. Die Geschichte zweier Juden im südfranzösischen Konzentrationslager Gurs.

Vor 80 Jahren, am Morgen des 22. Oktober 1940, dem letzten Tag des Laubhüttenfests, begannen die Nationalsozialisten in einer Blitzaktion mit der Deportation der Juden Badens und der sogenannten Saarpfalz. Mehr als 6500 Menschen wurden mit Zügen in das Internierungslager Gurs am Fuß der Pyrenäen verschleppt. Die allermeisten von ihnen starben dort oder wurden später in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern im Osten ermordet.
Bernd Hainmüller (Jahrgang 1948) ist Soziologe und promovierter Erziehungswissenschaftler. Er forscht unter anderem als Mitarbeiter des Blauen Hauses Breisach im Projekt: "Spurensuche Gurs".
Es gibt nur ganz wenige Filme, die diesen Morgen festgehalten haben. Dazu gehört der etwa einminütige Film mit dem Titel "Bruchsal judenfrei! Die letzten Juden verlassen Bruchsal" aus dem Stadtarchiv Bruchsal. Zu sehen sind ältere Männer, Frauen und Kinder, die, in dicke, lange Wintermäntel gehüllt, in gebeugter Haltung, den Kopf meist gesenkt oder zur Seite blickend, mühsam Koffer, Decken und Taschen schleppen. Sie sind gehalten, zügig in einer Kolonne unter Aufsicht der Ordnungspolizei und unter den Blicken der Bevölkerung den Ort zu verlassen.

Die Familie Wildmann wartete auf die Ausreise in die USA
Ein Standbild zeigt einen Jungen mit einer Strickmütze auf dem Kopf und einem kleinen Koffer in der Hand, der Richtung Kamera blickt. Hinter ihm stehen auf einer Mauer zwei Zuschauer, die die Kolonne abschätzend beobachten. Der Junge ist Manfred Wildmann; er stammt aus Philippsburg und war bei der Filmaufnahme zehn Jahre alt. Gemeinsam mit seinen Eltern und drei Geschwistern war die Familie Wildmann auf dem Weg zum Sammelpunkt am Bruchsaler Bahnhof, wo einer der sieben Deportationszüge aus Baden nach Gurs wartete. Die Familie Wildmann stand seit Ende September 1938 mit der Nummer 9454 auf der Warteliste des amerikanischen Konsulats in Stuttgart zur Auswanderung – ein Verwandter in den USA hatte für sie die Bürgschaft übernommen. Ziel: St. Louis in Missouri, Wohnung und Arbeit waren dort bereits vorhanden. Doch die Genehmigung zur Ausreise kam nicht mehr rechtzeitig. Am 22. Oktober wurde die Familie von den ...

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