Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

"Hier wird jenseits der Lebenswirklichkeiten von Menschen agiert."

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Sa, 27. März 2021 um 18:00 Uhr

Südwest

Die Glaubenskongregation in Rom sagt Nein zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche. Ist Papst Franziskus vielleicht doch kein Reformer?

BZ: Der Sonntag: Herr Striet, waren Sie überrascht von dem, was die Glaubenskongregation in der vergangenen Woche verschickt hat – dass nämlich die Kirche "keine Vollmacht" habe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen?
Striet: Nein, nicht wirklich. Inhaltlich enthält die Erklärung nichts Neues. Überrascht war ich über den Zeitpunkt. Man kann nur spekulieren, ob dieser mit dem Synodalen Weg in Deutschland zu tun hat. Aber die Diskussion um homosexuelle Lebensgemeinschaften ist keine deutsche Diskussion, sondern flammt weltweit immer wieder auf.
BZ: Papst Franziskus kam vor mittlerweile acht Jahren ins Amt und wurde gefeiert als progressiv im Vergleich zu seinen Vorgängern. Ist er vielleicht doch gar nicht so sehr ein Reformer?
Striet: Papst Franziskus ist ein freier Mann, und deshalb hätte er nicht seine ausdrückliche Zustimmung zu dieser Erklärung geben müssen. Er hat sich offensichtlich dezidiert hinter den Inhalt dieser Klarstellung der Glaubenskongregation gestellt, und damit hat er sich zumindest in diesem Punkt als reformunwillig erwiesen. Franziskus ist deutlich unverkrampfter homosexuell orientierten Menschen gegenüber, predigt Barmherzigkeit und Achtung ihnen gegenüber. Aber darum geht es nicht. Es geht um Anerkennung ihrer Lebensform und damit ihrer Biographie. Franziskus hat sich nun eindeutig hinter die traditionelle katholische Sexualmoral gestellt.
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BZ: Sie hatten sich also auch mehr versprochen von diesem Papst?
Striet: Ich frage mich schon seit geraumer Zeit: Was will dieser Papst eigentlich? Er hat atmosphärisch viel verändert in der Kirche. Er lässt viel mehr Pluralität zu, aber er hat bisher keine wirklichen inhaltlichen Akzente gesetzt. Bei mir verstärkt sich immer mehr der Eindruck, dass er vieles einfach laufen lässt. Wenn er überhaupt Reformen will, vertraut er möglicherweise einfach auf ...

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