Verkehrswende

Titisee-Neustadt wird Modell-Kommune – weg von der autogerechten Stadt

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Di, 24. November 2020 um 14:05 Uhr

Titisee-Neustadt

Titisee-Neustadt soll eine Vorreiterrolle für eine erlebenswerte Ortsmitte zukommen. Unter 70 Bewerbern wurden landesweit von 20 Kommunen ausgewählt.

Eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg übernehmen und Beispiel geben für andere Städte und Gemeinden: Titisee-Neustadt ist als eine von 20 Kommunen aus mehr als 70 Bewerbungen ausgewählt worden und kann auf breite fachliche und finanzielle Unterstützung für die Gestaltung einer lebens-werten Ortsmitte hoffen. Der Planungsprozess soll sich 2021 abspielen. Nicht ausgeschlossen scheint, dass Elemente aus der Planung für den Münsterplatz wieder aufgegriffen werden, die seit dem Architektenwettbewerb 2014 vorliegen – die Entwürfe seien "nicht verloren", sagt Bürgermeisterin Meike Folkerts.

Gemeinsam mit den 19 anderen Gemeindeoberhäuptern ist ihr die gute Nachricht in einer Web-Veranstaltung überbracht worden, inklusive digitaler Übergabe der Urkunde, immerhin von gleich zwei Ministern, Winfried Hermann (Verkehr) und Manfred Lucha (Soziales/Integration), und von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (Ländlicher Raum). Die Anregung zur Teilnahme hatte im September der Städtetag gegeben, sie fiel für Titisee-Neustadt günstig zusammen mit den eigenen Bemühungen zum Stadtentwicklungskonzept.

Wegkommen will man von den Ergebnissen der Stadtplanung vergangener Jahrzehnte, die dem Durchgangsverkehr und Parkplätzen Vorrang einräumten.

Bürger wollen es schön haben

Es geht um die Stadtmitte als Lebensraum, um Grün, um Bäume, um Fußgänger und Radfahrer, um Barrierefreiheit an und auf Wegen und Plätzen für Menschen, die auf Rollator, Rollstuhl oder sonstige Hilfe angewiesen sind. Dieses Ziel zu erreichen, sei eine große Herausforderung, spricht Folkerts die topographischen Gegebenheiten Neustadts an. Jedoch sollen zwei Planungsbüros bei der Analyse der Stärken und Schwächen helfen und zeigen, was möglich wäre im Interesse der Bürger, die sich nach dem bisherigen Stand des Beteiligungsprozesses eine echte Ortsmitte wünschen, in der man sich gern aufhält. Für Folkerts ist klar: Es braucht viele gute neue Ideen, "es geht um mehr als nur um Parkplätze". Ihr haben die Worte von Minister Lucha gefallen, der Mut auch zu radikalen Lösungen gemacht habe, um die Vorreiterrolle tatsächlich auszufüllen. Selbstredend verspricht sich die Bürgermeisterin eine möglichst hohe finanzielle Förderung zur Umsetzung der Ideen.

"Die Wahl fiel der Jury nicht leicht", äußert Verkehrsminister Hermann. Die Kommunen hätten sich eingehend mit der Frage auseinandergesetzt, wie Flächen der Straßenräume umverteilt werden können. Lebenswerte, barrierefreie Ortsmitten seien ein wesentlicher Beitrag zur Verkehrswende und zu mehr Aufenthaltsqualität in den Gemeinden. Bis 2030 sollen 500 lebendige und verkehrsberuhigte Ortsmitten geschaffen werden, umreißt Hermann das Ziel.

Die Bedeutung lebendiger Ortsmitten für ältere Menschen betont sein Ministerkollege Lucha. "Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig eine barrierefreie Infrastruktur und soziale Angebote sind. Das gilt ganz besonders vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft. Ich freue mich deshalb sehr, dass in den ausgewählten Kommunen lebendige und generationengerechte Begegnungsorte vorangebracht werden."

Weiter Informationen unter http://www.ortsmitten-bw.de