Todkranke Menschen in der letzten Phase begleiten

Christine Storck-Haupt

Von Christine Storck-Haupt

Sa, 12. Oktober 2019

Offenburg

In der Offenburger Josefsklinik findet der 12. Palliativtag statt / "Palliative Betreuung ist nicht mehr so tabuisiert wie früher".

ORTENAU (tor). Spezialisierte Mediziner und Pfleger begleiten pro Jahr in der Ortenau rund 1250 Todkranke in ihren letzten Monaten, Wochen und Stunden. "Die Versorgung hier ist gut", sagte Horst Gaiser, Oberarzt beim Palliativ-Team Ortenau, im Vorfeld des Palliativtages in der Offenburger Josefsklinik. Der Fachtag richtet sich an haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter von Hospizvereinen und Hospizdiensten, Ärzte sowie Pflegekräfte.

Wichtiges Ziel sei, eine regelmäßige Plattform für Infos und Kontakte zu schaffen, so Gaiser. Gleichzeitig sollen Pflegekräfte ermutigt werden, beim Hausarzt eine Palliativversorgung für ihre Patienten einzufordern. Der Fachtag findet zum zwölften Mal statt und richtet sich an alle, die beruflich mit den Themen Sterben und Tod beschäftigt sind. "In den vergangenen Jahren hat sich auf diesem Gebiet viel getan." Palliative Betreuung werde lange nicht mehr so tabuisiert wie früher.

Auf dem Programm stehen drei Vorträge: Den Anfang macht die psychologische Psychotherapeutin Simone Kotterik mit dem Thema "Würdezentrierte Therapie: Praktische Anwendung auf der Palliativstation im Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart". Der Vortrag will aufzeigen, was das Gefühl der Würde in der letzten Lebensphase verletzen kann und welche Möglichkeiten es gibt, es gerade in dieser Zeit zu stärken. Anschließend geht es um Alternativen zu Schmerzmitteln und Medikamenten. "Berührt werden durch äußere Anwendungen: Ihre Wohltat und Wirkung in der onkologischen und palliativen Pflege", so der Titel der Apothekerin Nicole Krämer aus Oberschopfheim. Schließlich thematisiert der Mediziner Oliver Hermann die Palliativversorgung bei Menschen mit Demenz: "Besonderheiten bei der Palliativversorgung von Menschen mit Demenz-Erkrankungen".

"Ich bin gespannt auf die Impulse", sagt Horst Gaiser. Aus den Vorträgen und der anschließenden Diskussion würden immer wieder neue Ideen entstehen, die dann ihren Weg in die Versorgung der Patienten der Region finden. Als Beispiel nannte Gaiser die so genannten "Letzte-Hilfe-Kurse", die im vergangenen Jahr vorgestellt wurden. Sie wollen anhand des konkreten Beispiels eines sterbenden Krebspatienten Initiativen oder Organisationen, etwa Hospizstellen, vorstellen oder darin schulen, die Symptome des nahenden Todes zu erkennen. Ein Kurs habe bereits in Lahr stattgefunden, der nächste sei für den 7. November in Achern geplant.

Obgleich die palliative Betreuung Todkranker im Kreis gut sei, leide die Branche unter Fachkräftemangel, meinte Gaiser. "Mehr Personal wäre schön." Aber die Suche nach geeigneten Leuten sei schwierig. Denn nicht nur Ärzte müssten einen von den Krankenkassen vorgeschriebenen, großen Katalog an Zusatzqualifikationen und Erfahrung mitbringen, auch für das Pflegepersonal hänge die Latte hoch. Deshalb gebe es eigentlich immer zu wenig Bewerber.

Neben dem Palliativ-Team Ortenau gibt es seit mehr als 20 Jahren die Brückenpflege als Teil des onkologischen Schwerpunkts in der Ortenau. Dort sind Pflegekräfte ständig mit Krebspatienten und ihren Angehörigen in Kontakt und in Rufbereitschaft. Laut Gaiser betreut die Brückenpflege rund 800 Patienten pro Jahr. Beim Palliativ-Team sind Ärzte und Pfleger an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr erreichbar. Ihre Patienten sind zum Beispiel herzkrank oder leiden an neurologischen Erkrankungen.