Stress durch Straßenlärm

Todtmoos sagt Motorradlärm den Kampf an

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Fr, 30. April 2021 um 14:00 Uhr

Todtmoos

Zum internationalen Tag des Lärms diskutiert Todtmoos mit der Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller über Strategien.

Lärm bedeutet Stress und kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Kommunen und Einwohner kämpfen daher landesweit seit Jahren vergeblich gegen den Lärm von Motorrädern und Sportwagen. Anlässlich des Tages gegen Lärm am Mittwoch war die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller zu einem Pressegespräch nach Todtmoos gekommen. In dem Thema ist Bewegung, mit kurzfristigen Lösungen ist aber nicht zu rechnen, so ihre Botschaft. Der vom Motorradlärm betroffene Bürger Josef Faschian berichtet von einem Lösungsansatz aus Österreich.

"Hier können uns Abgeordnete auf Bundes- und Landesebene wertvolle Unterstützung leisten", hatte Landrat Martin Kistler geäußert, als sich die Bürgermeister des Gemeindeverwaltungsverbandes St. Blasien mit einem Anliegen in Sachen Lärmproblematik durch Motorräder an ihn wandten. Eine Anregung, die Bürgermeisterin Janette Fuchs aufgenommen und Sabine Hartmann-Müller anlässlich des Tages gegen Lärm zu einem Pressegespräch eingeladen hatte.

"Wir haben nichts gegen Motorradfahrer und wollen keine Straßen sperren, aber es ist Rücksicht erforderlich", machte die Rathauschefin deutlich und fuhr fort: "Rücksichtnahme ist das Zauberwort, keine Verbote". Eine Meinung, die auch die Abgeordnete teilte.

Etwas anders sah dies Faschian, der von Motorradlärm arg geplagt ist und als Vertreter der Bürger zur dem Gespräch eingeladen worden war. Insbesondere Schweizer Motorradfahrer hätten sich als besonders rücksichtslos erwiesen, sagte er und sprach sich dafür aus, punktuelle Straßensperrungen in Erwägung zu ziehen. Vieles sei probiert worden, aber eine gewisse Klientel erreiche man nur, wenn man sie fernhalte. Einiges sei in den vergangenen Jahren gegangen, erklärte Sabine Hartmann-Müller und nannte unter anderem verstärkte Polizeikontrollen. Die Abgeordnete hatte sich in Sachen Lärmbelästigung an den Europa-Abgeordneten Andreas Schwab gewendet, denn das Thema sei ein europäisches, sagte sie. Insbesondere gelte es, bei Neuzulassungen eine Lärmgrenze von maximal 80 Dezibel zu erreichen. Und auch auf die Schaltautomatik für Schalldämpfer müsse verzichtet werden.

Höhere Bußgelder als Abschreckung

Als weitere Lösungsmöglichkeit sprach die Abgeordnete die Förderung der Umrüstung bereits zugelassener Krafträder und höhere Bußgelder an. Aber: Das Land könne nicht alleine entscheiden, es bedürfe eines Dreiklangs von Land, Bund und EU. Es fehle nur derzeit an der Abstimmung, räumte sie ein. Faschian brachte seine Befürchtung, die Lobby der Branche könne zu groß sein, zum Ausdruck. Die Branchenvertreter seien aber gesprächsbereit, machte Sabine Hartmann-Müller deutlich. Und das Land Baden-Württemberg tue auch einiges, etwa durch Ortsumfahrungen.

Sie sei seit sieben Jahren in Todtmoos, in dieser Zeit habe sich nichts getan, bedauerte Bürgermeisterin Fuchs. Sie sieht Probleme sowohl für die Bürger, die wegen der Lärmbelästigung das Wochenende teilweise inzwischen auswärts verbringen, als auch für den Tourismus. Immer wieder beschwerten sich Gäste über den Lärm und hätten angekündigt, nicht wiederzukommen, sagte sie. Aber nicht zuletzt in Hinblick auf die Gastronomie gelte es, einen Kompromiss zu finden. Man könne es nicht allen Recht machen, bestätigte Sabine Hartmann-Müller, es gelte vielmehr, den Weg gemeinsam zu gehen. Faschian brachte ein Modell aus Österreich ins Gespräch. Dort würden Straßen für Motorräder gesperrt, die eine gewisse Lärmgrenze überschritten, berichtete er. Eine Modell, das auch Abgeordnete und Rathauschefin für gut befanden, unter anderem, da es sich zeitnah umsetzen lasse, so Sabine Hartmann-Müller. Allerdings stelle sich dann die Frage nach der Kontrolle, fuhr sie fort und brachte neben Polizeibeamten auch kommunale Ordnungskräfte ins Gespräch.

Faschian machte sich dafür stark, die Appelle an die Verantwortlichen zu verstärken und Druck aufzubauen. "Sonst sitzen wir in fünf Jahren wieder hier und stellen fest, dass sich nichts getan hat", so seine Befürchtung. In den vergangenen drei Jahren sei verstärkt Druck aufgebaut worden und werde von Seiten der Landkreise noch erhöht, darauf wies Sabine Hartmann-Müller ausdrücklich hin und sicherte zu, sich das Themas auch weiterhin mit Nachdruck anzunehmen.