Trauerbegleitung

Trauerwanderungen in Emmendingen bieten Hilfe für Hinterbliebene

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 30. November 2019 um 12:25 Uhr

Emmendingen

Seit einem Jahr bietet der Hospizdienst Emmendingen-Teningen-Freiamt Wanderungen für Trauernde an. Bewegung und Gespräche verschaffen Erleichterung nach dem Verlust eines lieben Menschen.

Seit genau einem Jahr bietet der Hospizdienst Emmendingen-Teningen-Freiamt an jedem zweiten Samstag im Monat Wanderungen für trauernde Menschen an. Die ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen Angela Stähle, Ute Reinbold und Trauerbegleiter Werner Manke erwarten jeweils um 14 Uhr auf dem Schlossplatz in Emmendingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich der Gruppe anschließen möchten.

"Es ist noch keine Wanderung ausgefallen", sagt Angela Stähle. Die 53-jährige Trauer- und Hospizbegleiterin aus Vörstetten engagiert sich seit sieben Jahren beim Hospizdienst. Für den Hospizdienst entschied sich Stähle ganz bewusst: Zwar war sie beruflich erfolgreich und gut ausgelastet, aber dennoch fehlte ihr etwas im Leben. "Ich wollte wieder näher an den Menschen und mir selbst sein", erinnert sich Stähle. Sie nahm sich ein Jahr Auszeit von ihrem fordernden Beruf und entschied sich unter anderem für ein ehrenamtliches Engagement in der Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen. Eine Bekannte war dabei Vorbild.

An den Trauerwanderungen können alle teilnehmen

Zusätzlich zum Vorbereitungsseminar für die ehrenamtliche Begleitung in der ambulanten Hospizarbeit nahm Stähle an einem Seminar für Trauerbegleitung teil. Der Hospizdienst, der ein Kooperationsprojekt von Caritasverband und Diakonie im Landkreis ist, übernahm für die ehrenamtliche Mitarbeiterin die Seminargebühren, Fahrt- und Übernachtungskosten. Im Seminar entstand der Wunsch, Trauerwanderungen in und um Emmendingen anzubieten, an denen alle teilnehmen können – unabhängig von Fitness, Religion, Alter oder Trauerphase.

"Beim Gehen kommt vieles in Fluss", erklärt Stähle, "man kann besser denken, Dinge anders betrachten und die Natur wohltuend erfahren." Bis zu fünf Personen nahmen bisher jedes Mal an den bewusst leichten Wanderungen teil. Das Alter der Teilnehmer variierte dabei zwischen 35 und 75 Jahren. Manchmal lag der Verlust eines geliebten Menschen mehrere Jahre zurück, bei anderen Teilnehmenden war erst wenige Wochen zuvor ein Angehöriger verstorben.

Vergangenes Jahr wurden 1529 ehrenamtliche Stunden in der Sterbebegleitung geleistet

"Das gemeinsame Gehen und die Gespräche taten allen Teilnehmenden gut. Die Resonanz war bisher immer sehr positiv", berichtet Werner Manke. Der 70-jährige Emmendinger kann den Wanderungen selbst viel abgewinnen: "Es macht mich froh, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand nach dem Wandern entspannter ist." Je nach Wunsch der Gruppe wird die rund zweieinhalbstündige Wanderung mit einer gemeinsamen Einkehr abgeschlossen – vorher geplant ist das allerdings nie. "Wir richten uns nach den Menschen, die kommen", sagt Manke. Hospizdienstleiterin Sabine Weidert ist sehr dankbar für ihr engagiertes Team: 36 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Hospizdienst derzeit. "Die Zeit, die die Ehrenamtlichen in die Seminare, die Begleitung von Menschen und in die offenen Trauerangebote stecken, ist ein riesengroßes Geschenk", sagt Weidert.

Im Jahr 2018 waren es insgesamt 1529 ehrenamtliche Stunden in der Sterbebegleitung und 1096 Stunden in der Trauerbegleitung. Neben Trauerwanderungen lädt der Hospizdienst zu Trauertreffs und Trauerandachten ein und bietet Einzelbegleitungen an – auch für Menschen, die Trauernde in ihrem Umfeld haben und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Der Hospizdienstleiterin sind die Angebote für trauernde Menschen ein großes Anliegen, auch wenn es dafür keine Refinanzierung in Form von Zuschüssen oder Förderungen gibt. "Die Trauerbegleitung wird ausschließlich über Spenden finanziert", betont Weidert. Dennoch gibt es von Seiten des Hospizdienstes beim Trauern keinen "Zeitdruck", denn der Wunsch nach Begleitung kann mitunter erst Jahre nach einem Verlust zutage treten. "Trauer dauert so lange, wie sie eben dauert", hat Trauerbegleiterin Angela Stähle erfahren. "Manchmal wundern sich die Trauernden selbst."
Die letzte Trauerwanderung in diesem Jahr findet am Samstag, 14. Dezember, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr auf dem Schlossplatz in Emmendingen. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Angebot für Trauernde

Weitere Angebote des Hospizdienstes Emmendingen-Teningen-Freiamt für trauernde Menschen:
Beratung und Begleitung
Hospizdienst Emmendingen-Teningen-Freiamt, Tel. Tel. 07641 44001
Gruppenangebote
Trauertreff am Freitag, jeden dritten Freitag im Monat von 17:30 bis 19 Uhr in den Räumen des "Markt 15", Karl-Friedrich-Straße 20 in Emmendingen.
Ökumenische Trauerandachten
Jeden zweiten Monat, dienstags (DieTrauerandachten werden durchgeführt von der evangelischen Kirchengemeinde Emmendingen und der Katholischen Seelsorgeeinheit Emmendingen-Teningen in Kooperation mit dem Diakonischen Werk und dem Caritasverband für den Landkreis Emmendingen)

Trauerwanderungen
Jeden zweiten Samstag im Monat, 14 Uhr, Treffpunkt: Schlossplatz, Emmendingen.

Weitere Infos: caritas-emmendingen.de